Bahrrecht Bähung 733
1770 — 72) und, ohne sich zu nennen, die „Wünsche eines stummen Patrioten" (Erf.l770), zwei Werke, deren heterodoxe Sähe ihn in heftige Streitigkeiten verwickelten. Dietheologische Facultät zu Wittenberg erklärte ihn wegen seiner Lehren für abseßungswürdig,während die göttinger minder ungünstig über ihn urthcilte. Mancherlei Unannehmlichkei-ten, verbunden mit seiner natürlichen Unruhe, machten ihm indeß in Erfurt den Aufenthaltbald unerträglich. Er ging 1771 nach Gießen, wo er ebenfalls theologische Vorlesungenhielt und mit Beifall predigte; doch seine heterodoxen Meinungen und der Haß der Geist-lichkeit, die er zu wenig schonte, zogen ihm auch hier bald neue Händel zu. Sein persönlichesBetragen, das nie regelmäßig gewesen, brachte ihn in kurzem um die öffentliche Achtung.Daher nahm er 1775 die Einladung an, die zu Marschlins in Graubündten unter dem Na-men eines Philanthropins bestehende Erziehungsanstalt zu leiten, blieb aber daselbst, unzufrie-den mit dem Vorsteher, nur ein Jahr und ging dann als Generalsuperintendent nach Dürk-heim im Fürstenthume Leiningcn-Dachsburg. Aber auch hier war sein Aufenthalt nur vonkurzer Dauer. Erließ sich 1777 das unbewohnte Schloß zu Heidesheim bei Worms einräu-men, um eine dem Philanthropin ähnliche Anstalt zu errichten, die aber, übel organisirtund geleitet, nicht bestehen konnte. In dieser Zeit veranlaßt die zweite Ausgabe seiner vonseltener Frivolität zeugenden Übersetzung,dcsReuen Testaments den Urtheilsspruch des Reichs-hofrathS, der ihn für unfähig erklärte, irgend ein geistliches Amt zu verwalten, und ihmverbot, im ganzen Reiche etwas im Druck herauszugeben, bevor er nicht die in seinen frü-hem Schriften ausgesprochenen religiösen Meinungen widerrufen habe. Aller Aussichten be-raubt, fand er eine Zuflucht in den Ländern des Königs von Preußen. Er ging 1779 nachHalle, wo er sein Glaubensbekenntnis herausgab, in welchem er weniger als je die Ortho-doxie und die Geistlichkeit schonte. Seine Lehre war ein reiner Deismus, der hauptsächlichdie Wunder verwarf. Auch gehörte die Unsterblichkeit der Seele nicht zu seinen positivenSätzen. Zu Halle las er über Philosophie, Rhetorik und alte Sprachen und setzte zugleichseine theologischen Arbeiten fort. Aus dieser Zeit stammen z. B. die „Briefe über die Bibelim Volkston". Sein Ruf verschaffte ihm auch in Halle viele Zuhörer; aber sein unruhiger,streitsüchtiger Geist zog ihm auch neue Widerwärtigkeiten von Seiten der Geistlichen zu. Erverließ die Stadt, um eine halbe Stunde davon einen Weinberg zu beziehen, wo er die Nolleeines Gastwirths übernahm und bald ehemalige Zuhörer sowie Neugierige durch seinen Rufherbcizog. Das ärgerliche Leben, welches er hier führte, sowie die beiden Schriften, „DasNeligionsedict", ein Pasquill auf das preuß. Neligionsedict von >788, und „Die deutscheUnion", worin er den Vorschlag zu einer religiösen Verbindung machte, der sowol die Theo-logen als die Regierung beunruhigte, verwickelte ihn in eine Untersuchung, in deren Folgeer zu zweijähriger Festungshaft in Magdeburg verurtheilt wurde, die jedoch der König aufdie Hälfte herabsetzte. In dieser Zeit ließ Kotzebne unter Knigge's Namen seine berüchtigteSchrift, „v. Barth mit der eisernen Stirn" erscheinen. B. benutzte die Zeit der Haft,die „Geschichte seines Lebens, seiner Meinungen und seiner Schicksale" (4 Bdc., Berl. 1790)zu schreiben, lebte nach Wiedcrcrlangter Freiheit wieder in Halle auf die vorige Weise undstarb daselbst am 23. Apr. 1792. Unregelmäßigkeit, sclbstbereitetes Unglück und häusli-cher Kummer kürzten sein Leben. Er sprach und schrieb mit einnehmender Leichtigkeit; aberseine Werke, selbst die gelehrtesten, verrathen Mangel an Kenntnissen; es fehlte ihm ander Muße und Geistesruhe, ohne die kein Studium mit Nutzen betrieben werden kann.
Bahrrecht, s. Ordalien.
Bähung nennt man sowol den Act der Anwendung von feuchter Wärme auf irgendeinen äußern Theil des erkrankten Körpers zur Erreichung eines Heilzwecks slomentutln),als auch die besondere Form oder Gestalt, in welcher die feuchte Wärme angcwendet wird(lomentum), wo es dann gleichbedeutend ist mit warmenUmschlägen. Diese Begriffe wer-den aber weder im gemeinen Leben noch auch von den Ärzten festgehalten, vielmehr derAusdruck Bähung auf die örtliche Anwendung von Wärme und Kälte überhaupt übertra-gen, und so spricht man von feuchten und trocknen, warmen und kalten Bähungen. Beiden feuchten Bähungen wird die Flüssigkeit nicht unmittelbar, sondern an einem Vehikel mit-tels Leinwand, Flanell, Schwamm, oder in eine Blase gefüllt, angewendet; zur trocknen