726 Baert Bagage
Nachscchswochcntlichem Aufenthalte verließ die Expedition am 3>. Aug. diese zwar unwlrth-lichen Gestade, wo man aber gegen alle Erwartung 90 Arten phanerogamischer Pflanzengesammelt hatte. Ein Versuch, Kola in Lappland zu erreichen, mußte wegen heftiger Stürmeaufgegebcn werden, die jedoch die Schiffe so rasch forttrieben, daß sie bereits am l>. Sept.wieder vor Archangel Anker warfen. Die Ausbeute dieser Expedition, bereits der elften derauf öffentliche Kosten dorthin gesendeten, ist verhältnißmäßig sehr bedeutend gewesen, alleinbis jetzt noch nicht vollständig beschrieben. Sie läßt die Fauna und Flora von Novaja-Semlj«in bessern« Lichte erscheinen als man erwarten möchte, wenn man der Kälte des Klima ge-denkt, und bietet ein werthvolles Material für fernere Untersuchungen. Das physische Ge-mälde der besuchten Küsten, die geographische Verbreitung der Thiere und Pflanzen auf ,Novaja-Semlja und die Geschichte des Erlebten hat B-, der am 21. Oct. in Petersburgwieder eintraf, in Vorträgen mitgctheilt, die theils in den ,Memnires eie I'scackemie eie 8t.-kötersboni'A", theils in den „ Ulilletins scieiitiligeies ele l'acaelemis " (1837) abgedrucktsind. Im I. 1812 bereitete sich B. zu einer andern Expedition nach dem Norden vor, die,wie es schien, in einem großartigen Maßstabe ausgerüstet werden sollte.
Baert (Jean), dem die franz. Seemacht unter Ludwig XIV. zum guten Theil dieAchtung verdankte, die sie bei andern Nationen genoß, war 1651 zu Dünkirchen, nach Andernzu Corban in dem berncr Oberamte Münster geboren und der Sohn eines Fischers. Durchseine Kühnheit schwang er sich unter Ludwig XIV. zum Befehlshaber eines Geschwadersempor. Als der König in Versailles ihn anredete: „Jean Bart, ich habe Euch zum Befehls-haber eines Geschwaders ernannt", antwortete er in seiner geraden Weise: „Sire, daranhaben Sie wohlgcthan"; die Hofleute lachten über diese naive Antwort, Ludwig aber sagtezu ihnen: „So antwortet ein Mann, der seinen Werth fühlt." Von 1689 an nahmundvernichtete er eine Menge Holland, und brit. Schiffe. Er landete in Newcastle, schlug mitdrei Kriegsschiffen 1692 eine holl. Flotte, die mit Getreide beladen, aus dem BaltischenMeere kam, und nahm 16 Kauffahrteischiffe. Während der Blockade Dünkirchens gelangcs ihm, trotz der Wachsamkeit der Engländer, mehrmals Schiffe mit Getreide einlaufen zulassen und so die Stadt vor Hungersnoth zu bewahren. Der Friede zu Nyswijk setzte denThaten des tapfer» Seehelden ein Ziel. Er brachte die letzten Jahre seines Lebens in Dün-kirchen zu und stacb daselbst 1702. Engländer, Holländer und Spanier nannten ihn ge-wöhnlich den franz. Teufel.
Bäffchen oder Überschlägelchen. Als gegen das Ende des 17. Jahrh. die Pe-rücken Mode wurden, verschnitt man die bis dahin als Theil der Männertracht überhauptüblichen Überschlagkragen von hinten nach vorn zu, sodaß sie im Nacken schmal über denRockkragen schlugen, vorn aber lang blieben. Später, als man die unter dem Oberrocke,bei der Geistlichkeit unter dem Chorrocke befindliche Kleidung nicht mehr oben am Halsegeschlossen trug, wurde der ganze Hintere Theil des Halskragens in Wegfall gebracht, seinevorder» Klappenden zusammengenäht und mit einer schmalen Binde um den Hals befestigt.
Seit der Mitte des 18. Jahrh. haben die Überschläge ungefähr die jetzige Form, nur daß sieetwas länger und breiter waren; sie werden von den Geistlichen blos bei Amtsverrichtungen,nicht wie früher auch im Privatleben getragen. In der evangelischen Kirche sind sie weiß, in ,der katholischen schwarz mit weißen Rändern. '
Baffinsbai, der größte und nördlichste Meerbusen Nordamerikas, zwischen 65 '—78°nördl. B., ist eigentlich ein Meer, das vom brit. Steuermann Bassin, der 1612 seine ersteFahrt nach Westgrönland machte, wahrscheinlich auf seiner Reise von 1622—23 zuerst be-fahren und nach ihm benannt wurde, aber schon 1562 von Bears entdeckt worden war.Durch die Bafßns- und Davisstraße zwischen dem Cap-Chidley an der Küste von Labradorund Cap-Farewell an der Küste von Westgrönland strömt das Wasser der Baffinsbai indas Atlantische Meer. Durch ein« Inselgruppe an der südwestlichen Seite der Davis-straße steht sie in Verbindung mit der Hudsonsbai. (S. Polarländer.)
Bagage wird das Gepäck einer Armee oder Truppenabtheilung genannt, welchesentweder auf Wagen, Packpferden oder Maulthieren fortgeschafft wird. Ehemals wurde dieBagage in große und kleine gctheilt; zu der großen gehörten die Zelte, zu der kleinen blosdie dringendnothtpendigsten Bedürfnisse. Noch im franz. Revolutisnskriege wurde die