Druckschrift 
1 (1845) A bis Balbuena
Entstehung
Seite
725
Einzelbild herunterladen
 

Baer 725

und aus sonstigen Auszeichnungen. Im I. 1838 wurde er zum Staatsrathe ernannt. B.'sSchriften zeichnen sich aus durch philosophische Tiefe und sind vermöge klarer und geord-neter Darstellung ebenso anziehend als allgemein verständlich. Sie brachten zwar mancheunvermuthcte Aufklärungen, allein sie fanden stets Beifall und Glauben, da sich in allen Ab-neigung ausspricht gegen Aufstellung von Theorien ohne untergelegte Thatsachen, und gegengewaltsame Deutung der letztem zu Gunsten irgend einer vorgefaßten Meinung. B.'s Ent-deckungen sind die Früchte mühsamer aber mit Geist betriebener Forschungen. Als würdigerSchüler Burdach's beschäftigte er sich vorzugsweise milder schwierigen Lehre von der Zeugung.Indem er die feinsten anatomisch-mikroskopischen Untersuchungen anstellte, bediente er sichdes einzigen, wenn auch mühsamen Mittels, durch welches das geheimnißvolle Dunkel jenesHergangs aufzuklären sein kann. Wir verdanken diesen bis aufdie neuesten Zeiten fortgesetzte«Bestrebungen B.'s die wichtigsten Ausschlüsse über Entwickelung organischer Körper, mankann wol sagen die Begründung einer neuen Wissenschaft, indem Dasjenige, was früheremikroskopische Beobachter, seit Lcuwenhoek und Swammerdam in dieser Beziehung geleistet,wenig genau ist, oder doch nur als Zahl unverbundener, des ordnenden Geistes bedürftigerThatsachen erscheint. Mit einerLipistola cks ovi mammalmm et Kommis genes!" (Lpz.1827, 4.) beginnend, den Gegenstand in zwei andern WerkenEntwickelungsgcschichte derThiere" (2 Bdc., Königsb. 1828 37) undGeschichte der Entwickelung der Fische"(Lpz. 183 5) fortsetzend, gab er den Anstoß zu einer Art Fdrschungen, die sogleich vonvielen andern tüchtigen Männern ergriffen und meist mit glänzendem Erfolge fortgeführtworden sind. Eine Menge kleinerer Aufsätze in verschiedenen Sammelschriftcn beweisen, daßB- unablässig in diesem Felde fortgearbeitet, dabei aber andere, theils physiologische, theilSzoologische Fragen nicht aus den Augen verlor. Von dem Reichthume an verschiedenen Kennt-nissen und großer Beweglichkeit des Geistes gab er seit seiner Rückkehr nach Petersburgdadurch Beweis, daß er auf einmal auf einem neuen und verschiedenen Gebiete der Wissen-schaften auftrat, indem er die physischen Verhältnisse wenig gekannter und schwer zugänglicherErdgegenden zum Gegenstände seiner Forschungen machte. Er fand in Petersburg reicheGelegenheit, Nachrichten cinzusammeln über die Polarländer, die ihn von jeher angczogenhatten. Durch Zusammenstellung von schriftlichen und mündlichen Mittheilungcn und durchBenutzung des Admiralitätsarchivs gelang es ihm, das über den ruff. Eismcerländernruhende Dunkel stcllenwcis aufzuhellen, ihrer Klimatologie eine festere Form zu geben, dasgeographische und hypsometrische Verhalten vieler Punkte fesizustellcn und alle Jrrthümcrzu beseitigen. Vertraut mit der speciellen Botanik und Zoologie und durch die Sammlungender Hauptstadt unterstützt, war er bald im Stande, die Gesetze der geographischen Verbreitungorganischer Wesen in jenen dem Leben so feindlichen Gegenden nachzuweisen. Auch die Ge-schichte der letztem blieb ihm nicht fremd; er wies das große Verdienst der Russen um geo-graphische Entdeckungen in den arktischen Regionen der östlichen Halbkugel nach und stellteBerichte zusammen, aus welchen die Umfänglichkcit jener Entdeckungen und der Muth sowiedie Geschicklichkeit russ. Seefahrer überzeugend hcrvorgingcn. Die Regierung beschloß, dieseBestrebungen zu unterstützen; der Kaiser befahl im Apr. 1837 der Akademie und demMarineministcr B. mit den nöthigen Mitteln zu einer Reise nach dem Norden zu versehen.B- ging schon Ende des Mai von Petersburg ab, gelangte zwar am 6. Juni nach Arch-angel, verlor aber dort eine werthvolle Zeit. Der ihm zur Disposition gestellte, von demSeefahrer Ziwolka commandirteKriegsschoonerwar gar zu klein und ein anderes Fahrzeugnicht sogleich zu haben. Endlich miethete man das Schiffeines russ. Walroßjägers; beideFahrzeuge segelten in Gesellschaft ab, mußten am 19. Juni, durch Gegenwinde aufgehalten,an der Mündung der Dwina ankern, erreichten aber am 2. Juli die Südküste Lapplands,wo die Naturforscher nur geringe Beute machten, und gelangten von da nach fünftägigerFahrt am 17. Juli an die Küste von Novaja-Semlja. Wie ungünstig das Klima solcher Länderden untersuchenden Naturforschern sei, erfuhren auch B. und seine Begleiter. Furchtbare,bisweilen neuntägige Stürme verboten ihnen, das sicher geankerte Fahrzeug zu verlassen,und verursachten einen Zeitverlust, der in diesem Lande, wo Ende Aug. der Winter beginnt,doppelt empfindlich war. Dennoch wurden, wenn auch unter vielen Beschwerden, mehreExkursionen gemacht, ansehnliche Sammlungen erlangt und viele Beobachtungen angestellt.