720 Baden
ter (s. d.) am 31. März 1839 blieben nicht ohne Einfluß auf den Geist des Volks undseiner Vertreter. Diese Umstimmung trat schon bei der Versammlung der Stände von1839 auf 1840 hervor, obgleich sie ihre Verhandlungen hauptsächlich um die noch nichtzum völligen Schluß gekommene Berathung über ein neues Strafgesetzbuch drehten. ZurErfüllung eines seit Jahren gegebenen Versprechens erließ die Negierung im Jan. 1840die Verordnung zur bessern Sicherung der Schriftsteller gegen Censurwillkür. Nachverfassungsmäßiger partieller Erneuerung der Abgeordneten und Eröffnung eines neuenLandtags am 17. Apr. 1841 erhob sich ein lebhafter Streit über das von der zweitenKammer schon auf stühern Versammlungen beanstandete, vom Ministerium dagegen be-hauptete Recht der Verweigerung des Urlaubs für die zu Deputaten ernannten Staats-dicner. Als sich dieser Principienkampf nach längerer Vertagung der Sitzungen erneuerte,ward die Kammer am 19. Febr. 1842 aufgelöst. In Folge der neuen Wahlen trateine nicht unbedeutende Personalveränderung ein, doch behielt die Opposition der zweitenKammer ein starkes Übergewicht. Vergebens wollte die Eröffnüngsrede, am 23. Mai 1842,den Ständen einzig die Verhandlung der Eisenbahnsache und des Budgets, alles Weitere da-gegen dem nächsten ordentlichen Landtage zuweisen. Die Motionen Welcker's wegen Er-leichterung materieller Lasten und gleichzeitiger Förderung der geistigen Interessen, na-mentlich durch Errichtung einer Landwehr und ihre organische Verbindung mit dem zu ver-mindernden stehenden Heere, sodann zur Aufhebung aller Ausnahmsmaßregeln des Deut-schen Bundes und dessen Zurückführung auf die Grundlagen und Verheißungen dcrBun-dcsacte, sowie die Motion Sander's über den Zustand der Presse, die lebhaftere Angriffe, alskaum noch in einer deutschen Kammer vorgekommen waren, gegen das Institut der Censur her-vorrief, und mehre andere Anträge hatten interessante und heftige Debatten zur Folge. Ganzbesonders geschah dies in Folge des Antrags Jtzstein's in Betreff der Einmischung der Negie-rung in die Wahlen und dervon den Ministcrialchefs zudiesemZwecke erlassenen Rundschrei-ben, wodurch im ganzen Lande große Aufregung erzeugt worden war. Ungeachtet einer Pro-testation des Ministeriums beschloß die zweite Kammer mit 34 gegen 24 Stimmen, denAusdruck der Misbilligung wegen Beschränkung der Wahlfreiheit in ihre Protokolle nieder-zulegen. Auch bei der Verhandlung des Budgets that sich die Unzufriedenheit der Deputatenmit dem in den letzten Jahren befolgten Regierungssystem kund; doch wurden die Steuernbewilligt, und die Elsenbahnsache fand nach den Vorschlägen der Negierung ihre Erledigung.Auf der andern Seite sprach sich die erste Kammer, bei Gelegenheit eines Antrags des Frei-hcrrn von Andlaw, in Opposition mit der Volkskammer aus. Am 9. Sept. 1842 wurde derin der Geschichte des constitutionellen Großherzogthums Epoche machende Landtag im Auf-träge des Großherzogs mit einer Rede geschlossen, die der zweiten Kammer keine Hoffnungauf eine Veränderung des Ministeriums ließ; dagegen wurden die heimkehrenden Mitglie-der der Opposition von ihren Committenten und vom Volke mit Festlichkeiten und man-nichfachen Zeichen der Anerkennung empfangen. Vgl. Sachs, „Geschichte der Markgraf-schaftB."(5Bde.,Karlsr. 1764—78), A. Schreiber,„Badische Geschichte" (Karlsr.1817),Wiler, „Die Ergebnisse deS badischen Landtags von 1831" (Freib. 1832) und die amtlichherausgegebenen Verhandlungen beider Kammern.
Baden, auch Baden-Baden genannt, Stadt im GroßherzogthumcBaden an derAar, in einem reizenden Thale am Fuße des Schwarzwaldes, zwei Stunden vom Rhein unddrei Stunden von Nastadt, war seiner Heilquellen wegen schon den Römern bekannt, welche eszu Ehren des Kaisers Aurelius Alexander Severus ^urslia a^ueusis nannten und Bäderanlegtcn, von denen Ort und Land nachher den Namen erhielten. Es war früher gegen 600Jahre lang Residenz der Markgrafen von Baden und zählt gegenwärtig 4600 E. DasSchloß enthält eine Menge unterirdischer Gewölbe, die, der Sage nach, der Fehm zum Sitzegedient haben und wahrscheinlich ein Werk der Römer sind. Die AntiquitLtenhalle ()1useumpalaeoteciillicum) vereinigt die um B. gefundenen räm. Denkmäler. Die Collegiat- oderPfarrkirche enthält die Grabstätten der Markgrafen von Baden seit 1431. Die Bäderkamen vorzüglich seit dem 16. Jahrh. von neuem in Aufnahme und wurden 1804 man-nichfach verschönert. Das jetzige Conversationshaus war ehedem ein Jesuitcnkloster.Überhaupt hat B. 26 Mineralquellen. Äie Hauptquelle, Ursprung genannt, deren Tein-