Druckschrift 
1 (1845) A bis Balbuena
Entstehung
Seite
714
Einzelbild herunterladen
 

714 Baden (Geostr. u. Statist.)

angeführt und in einer Durchschnittsernte von jährlich <107540 Ohm gewonnen; etwa27 cuM. gehören zum schönsten Wiesenbestand und 22 IHM. zu Weiden oderHutungcn undsogenanntem Rcutfeld, d. h. solchem, das nur in größer» Zeitzwischenräumen bebaut wird.Ein sehr wichtiges und ausgedehntes Feld hat die Forstcultur, denn fast'/-des ganzen Landes(85 LM.) ist mit Wald bestanden. Der Schwarzwald gehört zu den ausgezeichnetsten dcut-sehen Nadelholzwaldungen, in ihm erblickt man ganze Bestände herrlicher Weißtannen von180180 F.Höhe, die zum Schiffbau in die Niederlande ausgeführt werden. Nur etwa <1 IHM.mögen demnach den unangebauten Boden des Landes bilden. Hand in Hand mit der aus-gedehnten Acker- und Wiesencultur und dem reichlich verbreiteten kräftig grünenden Wald-boden geht die Unterhaltung einer ansehnlichen Viehzucht, die ungefähr in folgenden Zahleneinen hohen Werth rcpräscntirt, 73200 Pferde, 700 Esel, 481000 Stück Rindvieh, 189000Schafe, 22100 Ziegen, 300000 Schweine, sonach ein Totalviehstand von 1,06600VStück, zu dem noch die Pflege von 14030 Bienenstöcken kommt. Zur Belebung und Ver-vollkommnung der Landwirthschaft und Viehzucht wirkt der Landwirthschastliche Verein zuKarlsruhe mit seinen Zweigvcreinen zu Heidelberg, Wertheim, Freiburg und Donaueschingen,wie für die Verbesserung der Pferdezucht ein Landgestüt mit Ställen in Karlsruhe, Bruch-sal und Waghäusel. Der Mineralreichthum des Landes scheint noch nicht in dem Maße durchden Bergbaubetrieb gewürdigt zu sein, wie er wohl verdient; doch mit jedem Jahre ent-spricht die thätige Wirksamkeit der Bergwerksgesellschaft zu Karlsruhe mehr den gerechtenErwartungen. Die Hauptcrzcugniffe deS Mineralreichthums lassen sich im Allgemeinendurch folgende Zahlenwerthe darstellen: 7 Mark Gold und 600 Mark Silber, 000 Ctr. Kup-fer, 1900 Blei, 1200 Glätte, 173770 Eisen, 500 Braunstein, 150 Kobalt, 300000Kochsalz und 30000 Ctr. Steinkohlen. Gold wird aus dem Nheinsande gewaschen, früher,als man noch die Dukaten mit der Umschrift8ic lulgenl litora KKeni" daraus schlug, indem ganzen Bereiche von Basel bis Manheim, jetzt nun noch bei Wittenweier im Amte Lahrund Philippsburg. Die beiden Hauptsalinen sind die Ludwigssaline bei Rappenau im Unter- 'rheinkreise und die gleichnamige bei Dürrheim im Seekreise. Einen großen Reichthum besitztB. an Mineralquellen, deren fast 60, kheils Schwefel- theils Stahlwasser, theils Säuerlingegezählt werden. Daher gibt es eine Menge vielbesuchter Badeorte, so z. B. Baden-Baden,Antogast, Griesbach, Freiersbach, Glotterthal, Langenbrücken, Nordwasser, Petersthal,Rappenau, Nippoltsau und Überlingen.

Für die steigende Regsamkeit der Betriebszweige technischer Cultur zeugen mehr, als diesummarische Anführung von ungefähr 300 Fabriken und Manufacturen mit mehr denn9000 Arbeitern und einer jährlichen Production von 14 Mill. Fl., die Vermehrungszahl sei!dem Anschluß an den deutschen Zollverein im I. 1835 neuentstandenen 60 Fabriken mitungefähr 1500 Arbeitern und der Mehrproduktion von fast 3,300000 Fl. Schon zweiJahre nach dem Beitritt zum Zollverein zählte man acht Runkelrübenzuckerfabriken, währendcs bis 1835 gar keine gab. Die Jndustricthätigkeit erstreckt sich vorzugsweise auf folgendeGegenstände: Band- und Baumwollenmanufacturen, am bedeutendsten zu St.-Blasien; aus-gezeichnete Bijouteriearbeiten und Tabackfabrikation, die unter allen wol die erste Stelle ein-nimmt; ferner Cichoricnbercitung, Papier-, Tuch-und Lederfabrikation, Bierbrauerei und fürdie Schwarzwalddistricte als charakteristisch und in der ganzen Welt bekannt die Verfertigung 'hölzerner Uhren und Strohsiechtwaaren. Die Beobachtungen der neuesten Zeit berechtigen aufsolche Weise zu der Hoffnung, daß sich B.s Activhandel gegen den bisher herrschenden Spedi-tions- und Transitohandel schnell entfalten wird, um so mehr, da der Verkehr materiell wiegeistig stets neue Stützen erhält. Die beiden Hauptausfuhrartikel sind Wein und Holz, wel-ches letztere, fast ausschließend den Niederlanden zugeführt, ein Capital von mindestens3 Mill. Fl. cinbringt; demnächst Getreide, Hanf, Taback, Obst, Öl, Kirschwasser, Salz, Lein-wand, Baumwollcnzeuge, Schwarzwälder Uhren, Holz- und Strohwaaren, Bijouterie-waarcn, Papier u. s. w.; wesentliche Einfuhrartikel sind Colonialwaaren, Südfrüchte,Arzneiwaaren, Pferde, Wolle, Baumwolle, Seidcnwaaren, Eisen, Stahl und Luxusartikel.Der badische Münzfuß ist der 2-iGuldenfuß, der Gulden zu 60 Kreuzer; Maß und Gc< iwicht ist nach dem Decimalsystem eingetheilt. Wie im Allgemeinen der Aufschwung desZndustricwesens für einen höher» geistigen Culturgrad des Volks spricht, so gilt das auch