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1 (1845) A bis Balbuena
Entstehung
Seite
713
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Baden (Geogr. u. Statist.) 713

Bereich zweier entgegengesetzter Meergebiete gezogen; doch greift die Donau nur mit ihremungefähr 16 mM. fassenden Quellgebiete in den nördlichen Theil des Seekreises. Nachdemder Flußsee des Rhein, der Bodensee, mit den nordwestlichen Theilen des Überlinger-, Unter-und Zellerseesin B. eingebuchtet, bildet der Strom in unruhigem Laufe, mehrfach durchschweizerische Übergreifungen unterbrochen, die Südgrenze, unterhalb Basel aber bis unter-I halb Manheim macht er die natürliche Westgrenze aus. Durch inselreichcn und mannich-fach geschlängelten Lauf charakterisiert, trägt er von Basel bis Strasburg Fahrzeuge von5600Ctr., von Strasburg ab Schiffe von 2500 Ctr. und von Leopoldshafen an (3 Stun-den nördlich von Karlsruhe) Dampfboote. An seiner rechten Uferseile nimmt er folgende. Nebenflüsse auf: die Wiese, El; mit der Dreisam, Kinzig mit der Schütter, Murg, Pfinzund Neckar. Die nordöstliche Grenzberührung des Main ist durch die Taubereinmündungbei Wertheim wichtig. Außer dem Antheil am Bodensee besitzt B. keinen See von Bedeu-tung, wol aber auf dem Schwarzwalde folgende unter dem Namen von Seen vorkommendeWassersammlungen kleinern Umfanges: Mummelsee, Wilde See, Feldsee, Tittsee und denNonnenmattweiher mit einer schwimmenden Insel. Da die Differenz zwischen dem höchstenund niedrigsten Punkte in B. (Feldbcrg 4600 F. und Manheim 258 F.) 4300 F. beträgt,so findet natürlich auch ein großer klimatischer Wechsel, namentlich in der Wärmevertheilung,statt. Es läßt sich die mittlere Temperatur der Ebene zu 8° und die des Gcbirgslandes zu5'/s°N. snnehmen und es gehört sonach die badische Nheinebene zu den wärmsten Gegendenganz Deutschlands. Diese glücklichen, durch die meteorologischen Erscheinungen des Nieder-schlags, des Luftzugs und der Gewitter keineswegs nachtheilig beeinträchtigten Klimaver-hältnisse stempeln B. im Allgemeinen zu einem der gesegnetsten Länder Europas, die Rhein-ebene, mit geringer Ausnahme einiger Sand- und Kieferstrecken im Süden, zu einem reichenFruchtfelde, die östlichen Vorberge zu einem lachenden Garten. Neben vielfältig tragendenRoggen-, Gerste- und Weizenfeldern erblickt man Maisfeldcr, die 340350fältig tragen;sie wechseln ab mit den schönsten Obsthainen des Nuß-, Kirsch-, Pflaumen-, Apfel-und Birn-baums und dem die westlichen Terrassen des Schwarzwaldes schmückenden Weinstock. Andiesen reizenden Vorbergen steigt der Nußbaum bis zur Höhe von 1300, die Rebe bis zu1400 F., die übrigen Obstsorten begleiten die höhern Regionen bis zu 2000, der wildeKirschbaum sogar bis 2500 F., immer noch in Gesellschaft der ergiebigen Cultur der Cerea-lien, unter denen der Hafer noch bis 3500 F. ansteigt, von wo an er durch herrliche Futter-kcäuter vertreten wird, die die ausschließliche Zone der Viehzucht bezeichnen.

Auf solche Weise reich von der Natur unterstützt, wuchs die Bevölkerung in letzter Zeitalljährlich im Durchschnitt um 10600Köpfe, sodaß sie sich 1843 über 1,290000 veranschla-gen ließ. Sie besteht fast ausschließlich aus Deutschen, und zwar allemannischcn Stamms inden hohen Schwarzwaldgegenden bis zur Murg, fränkischen von der Murg nordostwärtsund schwäbischen Stamms in den Plateaugegenden am Bodensee. Als längst mit derVolksmaffe verschmolzene Fremdlinge erscheinen die Waldenser und Hugenotten, währendals eigentliche Fremde nur die Juden zu betrachten sind. Die röm.-katholische Kirche istdie herrschende, zu ihr bekennen sich unter 1000 Bewohnern 671, dagegen 312 zum cvan-^ gelischcn, 16 zum mosaischen und 1 zum mennonitischen Glauben. Unter den Beschäftigungender Bewohner ist der Betrieb der Landwirthschaft überwiegend; da viele der Gcwerbctrci-benden sich auch mit dem Ackerbau beschäftigen, so kann man annehmen, daß unter 1000Familien sich 666 der Landwirthschaft widmen, 169 aber ausschließlich Gewerbe treiben,mithin 835 Familien allein der producirenden Claffe angehören. Die physische Cultur desLandes gewährt reichliche Ausbeute. Ein Raum von 91 '/r OM. wird von Acker- undGartenland (dieses nur 2 V-OM.) bedeckt, auf ihm erzieht man über die Hälfte Dinkel, dem-nächst Hafer, Roggen, Gerste, Weizen, viel Mais, Kartoffeln, Hülsenfrüchte und Gemüsealler Art. Auf 42 OM. pflegt man Handelsgewächse, namentlich Hanf mit jährlichemErtrag von 48000 Ctr., Taback mit 150000 Ctr. jährlicher Ernte im Geldwerthe von1,350000 Fl., sehr schönen Hopfen und überall Raps und Mohn, dagegen nur in den Ge-1 birgsgegenden Flachs, während einen wichtigen Culturzwcig die Obstzucht auf Kern- undSteinobst, Kastanien, Wallnüsse, Mandeln u. dgl. ausmacht; Wein wird auf 4'/, OM.gezogen in verschiedenen Sorten, wie Affenthaler, Wcrtheimer, Bergsträßer und Scewein