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1 (1845) A bis Balbuena
Entstehung
Seite
708
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708 Bad

unterste unmittelbar über dem Feuer das heiße, der mittlere das laue und der oberste das kalteBadewasser enthielt. Diese Kessel standen durch Röhren sowol mit den einzelnen Bade-zimmern als auch untereinander selbst in Verbindung, sodaß bei Abgang des heißen Was-sers dieses aus dem Kessel, der laues enthielt, ersetzt, während dieser wieder aus dem ober-sten gefüllt wurde. 2) Das Apodyterium oder Auskleidezimmer. 3) Das FrigidariModer die cell» tnAiilsris, ein Zimmer mit einem Bassin zum kalten Bade. 4) Das Tepida-rium, dessen Bestimmung sich zwar nicht genau ermitteln läßt, das aber sowol zum Badeim lauwarmen Wasser wie zum Aufenthalt in mäßig warmer Temperatur bestimmt ge-wesen zu sein scheint. 5) Das Caldarium, in welchem theils die ruästio, d. h. das Schwitz-bad, theils das wirkliche heiße Wasserbad stattfand. Dieses Zimmer hatte hohle Wän-de, und der Fußboden ruhete auf niedrigen Pfeilern über dem Hypocaustum, sodaß eSüberall von erwärmter Luft umgeben war. DasLaconicum, welches als ein Theil des Cal-darium erwähnt wird, war wahrscheinlich eine Art Ofen, der vom Hypocaustum aus ge-heizt wurde und dazu beitrug, die Temperatur zu erhöhen. In den Badezimmern warenBassins zur Aufnahme des Wassers, an den Wänden liefen Bänke herum, die im Calda-rium amphitheatralisch erhöht waren, um die Badenden in den Stand zu sehen, in di«höhere Temperatur des obern Zimmertheils hinaufzusteigen. Letzteres Zimmer enthielt auchnoch ein Becken (labrmn) von mehren Fuß in Durchmesser, welches mit dem kalten Was-ser gefüllt war, in das man sich nach dem heißen Bade tauchte. Mit diesen wesentlicher.Theilen eines Bades standen gewöhnlich noch in Verbindung ein Unctuarium oder Eläo-thesium, d. h. ein Zimmer zum Salben des Körpers, Gärten, bedeckte Spaziergänge, Sälezu Spielen u. s. w. Durch eine leichte Bewegung zum Bade vorbereitet, ging man zuerstin das Apodyterium, dann in das Tepidarium, wo man sich mit Öl salbte, was auchwährend des Badens wiederholt wurde. Demnächst wurde der Körper mit dem Schabei-sen (strigilis) behandelt, worauf man sich in das Caldarium begab, um entweder nur zuschwitzen, oder auch das heiße Wasserbad, welches einen bedeutenden Tempcraturgrad hatte,zu gebrauchen. War dieses vorüber, so ließ man sich mit kaltem Wasser übergießen undging dann sogleich in das Frigidarium, um durch das kalte Bab die erschlaffte Haut wie-der zu stärken, worauf der Körper nochmals mit Öl gesalbt wurde. Die gewöhnliche Ba-dezeit war zwischen Mittag und Abend. Das Zeichen zur Eröffnung der Thermen wurdemit einer Glocke gegeben. Die öffentlichen Bäder für Frauen waren von gleicher Ein-richtung und wurden fleißig auch von den vornehmsten Frauen besucht. Übrigens badetendiese wie die Männer gemeinschaftlich. Der Unsitte, daß Männer und Frauen zusammen-badeten, wird auch von den alten Schriftstellern gedacht, wie denn überhaupt in spätererZeit die Bäder Orte der Schwelgerei jeder Art wurden, so namentlich Bajä (s. d.). Dieberühmtesten Überreste röm. Bäder sind die der Bäder des Titus, des Caracalla und desDiocletian in Rom und die neuerlich ausgegrabenen Thermen in Pompeji; auch findetman deren in Deutschland, Frankreich und England. Vgl. Wichelhausen,Uber die Bäderdes Alterthums" (Manh. 1807).

Als durch die german. Sitten der röm. Luxus verdrängt wurde und der Norden Europasüber den Süden die Oberhand gewann, hörte auch die öffentliche Wichtigkeit der Bäder auf,und durch die Stürme der Völkerwanderung zerfielen jene prachtvollen Bauten in Ruinen.Das Christenthum aber selbst hatte durch Einsetzung der Taufe dafür gesorgt, dem Bade seinehöhere Deutung zu bewahren und auch im Mittelalter durfte unter den Ceremonien, die ei-nem feierlichen Ritterschläge vorangingen, das Bad nicht fehlen. Gegenüber dem Christen-thume und den Germanen hatten der Islam und die Araber das Bad in ihre Sitten undGebräuche ausgenommen. Ersterer schreibt dem Muselmann sorgfältige Beobachtung derkörperlichen Reinlichkeit und zu diesem Zwecke wiederholte tägliche Waschungen vor. GewisseUmstände und Zeiten veranlassen noch außerdem vorschriftsmäßig sowol Männer wie Frauenzum Gebrauch des Bades. Zu diesem Behufs richteten sich nicht blos Reiche prachtvolleBadeanstalten in ihren Häusern und Gärten ein, auch für das Volk im Allgemeinen wurdenin jeder Stadt, in der sich eine Moschee befand, Badehäuser angelegt. Der Luxus im Orientdürfte seit der Blütezeit der Araber nur wenig vorgeschritten sein, daher man wol in den