Bad 709
jetzigen öffentlichen Badehäusern der Türken ein getreue- Abbild der vormakigen arabischenbesitzt. Zn Deutschland, Frankreich und England waren öffentliche Badeanstalten langeZeit unbekannt; erst während der Kreuzzüge, als durch die Berührung, in welche die Abend-länder mit den Morgenländern kamen, theils die Bader letzterer genauer bekannt wurden,theilS «eben andern Hautkrankheiten auch der Aussatz sich im westlichen Europa einheimischmachte, wurde dieser Mangel lebhafter empfunden. Zuerst suchte man diesem Übel durchAnlegung von Hospitälern zu begegnen, als diese aber nicht mehr hinreichten, entstanden dieBaoer und Badestuben, welche letztere nach und nach zu öffentlichen Badeanstalten wurden.Demnächst finden sich gegenwärtig in den größer» Städten Europas Nachahmungen derruss. Dampfbäder, welche in Rußland schon seit langen Zeiten allgemein gebräuchlich sind.
Das russische Bad besteht in einem einzigen Saale aus Holz gebaut, mit einem mächti-gen metallenen Ofen, der mit Flußkieseln bedeckt dieselben glühend macht, und rings um den-selben herumlaufenden breiten Bänken, die mit Matratzen versehen sind. Beim Eintritt indasselbe fühlt man sich dergestalt von Glut befallen, daß, wer nicht daran gewöhnt ist, diesenZustand nur wenige Augenblicke ertragen kann. Diejenigen aber, die im Stande sind, einigeZeit darin zu dauern, entkleiden sich und legen sich auf eine der Bänke. Durch von fünf zufünf Minuten wiederholtes Übergießen der glühende» Kiesel mit kaltem Wasser wird sodannein dicker heißer Dampf erzeugt, der den Badenden einschließt und ihn so stark erhitzt, daß derSchweiß über seinen ganzen Körper ausbricht. Das Thermometer steigt in diesen erhitztenDämpfen gewöhnlich auf 40°—50° R. Nach einem solchen Bade läßt sich der Russe nochmit eingeweichten Birkenruthen peitschen, zur Verminderung des Schweißes mit Seife reibenund darauf mit lauem, später mit kaltem Wasser waschen und zuletzt mit solchem übergießen.Auch springt er wol unmittelbar nach dem Schwitzbade in einen Fluß oder Teich oder stecktsich in den Schnee. Der vornehme Russe genießt nach dem Bade ein Getränk, bereitet ausengl. Biere, weißem Weine, geröstetem Brote, Zucker und Citronen, und ruht auf einemBette aus; der gemeine hingegen trinkt einige Gläser Branntwein und geht wieder an seineArbeit. Diese Bäder sind ein Bedürfniß in Rußland, und man findet sie in jedem Dorfe. Ver-schieden von ihnen sind die Schwitzbäder der Finnländer, die in niedrigen Erdhütten be-stehen, welche durch Feuer erhitzt werden; gleichwie auch die Irländer Schwitzhöhlen haben, diesie mit Torf Heizen.
Im Orient sind die Bäder allgemein im Gebrauch und die Privatbäder der Rei-chen mit allen Gegenständen asiat. Pracht und Üppigkeit ausgeschmückt. Außer den ge-wöhnlichen Bädern werden auch die Schwitzbäder häufig angewendet. Die Gebäude, diedazu dienen, sind aus Stein gebaut, die Badezimmer haben Fußböden von Marmor, der vonunten erhitzt wird, und Röhren in den Wänden leiten die Wärme nach allen Seiten. DerBadende entkleidet sich, wickelt sich in wollene Decken, zieht, um sich gegen die Hitze des Fuß-bodens zu schützen, hölzerne Pantoffeln an und begibt sich in das Badezimmer. Hier dringtbald ein allgemeiner Schweiß durch die Haut, welcher mit kaltem Wasser abgewaschcn wird.Hierauf wird der Körper noch mit wollenen Tüchern gerieben und mit einer der Haut zuträg-lichen Seife oder Salbe bestrichen, welche aus ungelöschtem Kalk und Operment bestehenund besonders das Ausfallen der Haare am Körper befördern soll. Nach diesem Bade ruhtman auf einem Bette und trinkt Kaffee, Sorbet oder Limonade. Die türk. Frauen badenauf diese Art täglich, die Männer nicht so oft. Für die Frauen, auch die .Vornehmern sind dieöffentlichen Badehäuscr, in denen gemeinschaftlich gebadet wird, eine große Annehmlichkeit,da die Sitte alle andern Zusammenkünfte verbietet. Außer diesem Schwitzbade ist noch eineeigenthümliche Art des Bades im ganzen Orient verbreitet, welche folgendermaßen beschrie-ben wird. Der Badewärter streckt den Badenden auf einer Tafel aus, begießt ihn mitwarmem Wasser und beginnt darauf den ganzen Körper desselben mit einer bewundernswür-digen Geschicklichkeit zu drücken, zu pressen und zu renken. Alle Glieder werden gedehnt undausgereckt, und ist er mit der einen Seite fertig, so fängt er bei der andern an; bald kniet erauf dem Badenden, bald saßt er ihn bei den Schultern, bald läßt er das Nückgrath krachen,indem er alle Wirbel desselben erschüttert, bald führt er sanfte Schläge auf die fleischigstenund muskulösesten Theile. Darauf nimmt er ein härenes Tuch und reibt damit den ganzenKörper, bis er fast selbst darüber in Schweiß geräth; reibt mit Bimstein die harte Haut an