Druckschrift 
1 (1845) A bis Balbuena
Entstehung
Seite
704
Einzelbild herunterladen
 

704 Büro

länd. Schule, ein Meister in Seestücken, geb. 1631 zu Emden, arbeitete bis in sein IS.Jahr bei seinem Vater, der Secretair der Gcneralstaaten war, als Schreiber, und kamdann l050 in ein Handelshaus nach Amsterdam, wo sein Talent für die Kunst sich zu zei-gen begann. Entschlossen, sich ganz der Malerei zu widmen, nahm er Unterricht bei Ever-dingen und erlangte durch Fleiß und häufiges Besuchen der Werkstätten der besten Künstler >in kurzem eine außerordentliche Gewandtheit und Fertigkeit; doch ani meisten wurden seineFortschritte durch den Eifer befördert, womit er die Natur studirte. Oft bestieg er bei einemherannahcndcn Sturme ein leichtes Fahrzeug und beobachtete die Bewegung der Wellen,ihre furchtbaren Brandungen, den Sturm, der die Schiffe zerstreute und zertrümmerte.Voll des Gesehenen eilte er dann nach Hause und führte mit bewundernswürdiger Wahrheitin den Einzelheiten die früher entworfenen Skizzen aus. Dieses muthige Streben verschaffte >seinen Gemälden den ersten Rang in dieser Gattung. Berühmt ist besonders das Seestückim Museum zu Paris, das er auf Bestellung des Magistrats zu Amsterdam arbeitete, dercs 1665 Ludwig XIV. als Geschenk übersandte. In allen seinen Bildern herrscht die äußersteWahrheit, zugleich aber auch die ganze Poesie des bewegten Elements. Seine Farben sindtrefflich, und sein Pinselstrich ist ganz vorzüglich geeignet, das Wasser und dessen Bewe-gung nachzuahmen; sein Himmel ist leicht und unendlich mannichfach. Erst in seinem 71.Jahre fing er an, in Kupfer zu ätzen. Auch versuchte er sich in der Dichtkunst und gabUnterricht in der Schreibkunst, zu deren Vervollkommnung er Vieles beitrug. Er starbnach langen Leiden im 1.1709. Sein Enkel, LudolfB, geb. 1717, gest. 1782, zu-erst Kaufmann, dann Soldat, wendete sich später ebenfalls der Malerkunst zu und hat mehretreffliche Kriegsscenen geliefert.

Baco oder Bacon (Roger), ein engl. Mönch, der durch die Kraft seines Geistes sichweit über sein Zeitalter erhob, in mehren Wissenschaften bewundernswürdige Entdeckungenmachte und zur Erweiterung der damals dürftigen Nealkenntnisse viel beitrug, stammte auSeiner alten, angesehenen Familie und wurde 1214 zu Jlchester in der Grafschaft Somersetgeboren. Er studirte in Oxford, dann in Paris, wo er die theologische Doctorwürde erhielt.Wenn nicht schon in Frankreich, doch bald nach seiner Rückkehr in die Heimat, 1240, trater in den Franciscanerorden und ließ sich zu Oxford nieder. Die Physik scheint damals derHauptgegenstandseiner Arbeiten gewesen zu sein; großmüthigeFreunde der Wissenschaft un-terstützten ihn in seinen Studien mit den nöthigen Geldmitteln. Indem er die Geheimnisse derNatur untersuchte, machte er Entdeckungen und leitete daraus Wirkungen ab, die dem Ein-sichtsvollen, der ihren natürlichen Zusammenhang begriff, Bewunderung abnöthigten, in de-nen aber die Unwissenden die Werke höllischer Zauberkunst zu sehen vermeinten. Noch mehrwurde dieser Wahn durch die Eifersucht und den Haß angefacht, womit die übrigen Mönchedes Klosters seine Überlegenheit betrachteten. Zudem tadelte er laut die Unwissenheit unddas Sittenvcrderbniß der Geistlichen, besonders der Mönche, und schrieb sogar einenBriefan den Papst, worin er ihm die Nothwendigkeit einer Reform der Geistlichkeit vor-stellte. Aus Rache am päpstlichen Hofe verklagt, sowol wegen seiner verdächtigen Grund-sätze als wegen der außerordentlichen Dinge, die er verrichtete, und die man für dieWerke des Teufels ausgab, verbot ihm der Papst, auf der Universität zu lehren. Bald dar-auf sperrte man ihn in ein Gcfängniß, wo jeder menschliche Umgang ihm abgeschnitten war ,und selbst hinreichende Nahrung ihm fehlte. Unter den wenigen Hellsehenden, die B-'s Geistbewunderten und sein Unglück bedauerten, war der Cardinalbischof von Sabina, damalspäpstlicher Legat in England, der kaum den päpstlichen Stuhl unter dem Namen Clemens lV.bestiegen hatte, als er den Eingekerkerten befreite und unter seinen Schutz nahm. In Folgeeiner Auffoderung Clemens' IV. schrieb er seinOpusmujus" (herausgegeben von Jebb, Lond.1733, Fol.), das er ihm durch seinen Lieblingsschülcr, Johann von Paris, 1267 überschickteund in welchem er die Nothwendigkeit einer Reform der Wissenschaften durch eifrigeres Stu-dium der Sprachen und der Natur darstellte. Nach Clemens' IV. Tode unter Nikolaus III.erklärte sich der General des Franciscanerordens, Hieronymus von Esculo, gegen B-, verbotdas Lesen seiner Schriften und erließ einen Befehl, ihn einzukerkern, den der Papst auch be-stätigte. Diese neue Gefangenschaft währte zehn Jahre; umsonst versuchte B-, als Hie- >

ronymuS von ESculo unter dem Namen Nikolaus lV. Papst geworden war, denselben