Druckschrift 
1 (1845) A bis Balbuena
Entstehung
Seite
699
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Baccio della Porta Bacciocchi 699

sich aus durch Reinheit und Glatte des Ausdrucks, wie durch Tiefe der Empfindung undanmuthige Darstellung. Die gesammelten Bruchstücke stehen in Jacobs'Anthologie"(Bd. I) und in Schneidewin'sIlelLatiiz jiocsis j-raec." (Bd. 2); besonders sind sie vonNeue herausgegeben (Berl. 1822).

Baccio della Porta, bekannter unter dem Namen Fra Bartolommco diS.-Marco, einer der vorzüglichsten Meister der florentinischen Malerschule, geb. 1469 zu Sa-vignano in Toscana. Sein ursprünglicher Meister war Cosimo Rosselli; seine höhere Aus-bildung verdankte er dem Studium der Werke des Leonardo da Vinci. Seine Bilder zeichnensich durch einen weichen Schmelz der Behandlung aus, und man erkennt hierin vornehmlichdie Annäherung an den letztgenannten Künstler; eigcnthümlich ist ihnen eine ruhige, aberernste und würdige Auffassung des Lebens, oft nicht ohne zarte Anmuth, zuweilen auch mitdem Streben nach höherer Großartigkeit. Es sind, dem Gegenstände nach, fast durchgehendAndachtsbilder, und die beiweitem größere Mehrzahl seiner Werke gehört den spätem Jahrenseines Lebens an. Er war ein eifriger Anhänger des Savonarola, jenes kühnen Reformatorsin Kirche und Staat, hatte sodann, nach dem tragischen Ende dieses Mannes, im I. 1500das klösterliche Gewand genommen und für längere Zeit der Kunst entsagt; erst allmäligwachte wieder die Neigung für seinen künstlerischen Beruf auf. Vorzüglich anregend wirkteauf ihn der Verkehr mit dem jungen Rafael, der 1504 nach Florenz kam; er theilte diesemseine Kenntnisse im Colorit mit und lernte von Rafael die Wissenschaft der Perspective.Beide blieben einander fortwährend befreundet. Als Rafael im J. 1508 eilig nach Rom beru-fen ward und mehre Bilder in Florenz unvollendet hinterlassen mußte, leistete B. für derenVollendung hülfreiche Hand; Dasselbe that Rafael später für ihn, nachdem er in Nom einenBesuch gemacht und durch das dortige Klima zur baldigen Rückkehr gezwungen, ebenfallsunvollendete Arbeiten zurückgelassen hatte. V. starb in Florenz 1517. Die Mehrzahl seinerBilder sieht man in Florenz, namentlich in der Galerie des Palastes Pitti. Unter seinenNachfolgern ist sein Freund Mariotto Albertinelli von vorzüglicher Bedeutung; auch seinSchüler Fra Paolo da Pistoja verdient genannt zu werden.

Bacciocchi (Felice Pasquale), Fürst von Lucca, Piombino, Massa, Carrara undGarfagnana, 1805Ich gest. 28.Apr. 1841, war in Corsica am 18. Mai 1762 von ar-mer adeliger Familie geboren. Als Cadet kam er in Militairdienste und war Offizier, alsBonaparte das Heer von Italien befehligte. Nachdem er dessen Schwester Elise gehcirathethatte, ward er Obrist des 26. leichten Infanterieregiments, später Präsident des Wahlcolle-ginms der Ardennen, 1804 Senator, und 1805 erhielt er durch das seiner Gemahlin zuge-theilte Fürstenthum Lucca und Piombino den Fürstentitel. Als Napoleon gestürzt war,folgte er 1815 seiner Gattin in die Verbannung und lebte mit ihr, seinem Sohne und seinerTochter unter Aufsicht der östr. Negierung. Nach dem Tode seiner Gemahlin hielt er sich meistin Italien auf. Seine Gemahlin Maria Anna (später Elise) Bonaparte, geb. zuAjaccio am 8. Jan. 1777, wurde in der adeligen Erziehungsanstalt zu St.-Cyr erzogen undhatte während der Revolution mit ihrer Mutter zu Marseille gelebt. Nach dem Wunsch derLetztem, jedoch ohne Zustimmung ihres Bruders Napoleon, vermählte sie sich 1797 mit B-In Paris, wo sie seit 1799 bei ihrem Bruder Lucian war, der zuerst den Sinn für Poesieund Kunst in ihr weckte, versammelte sie die gebildetsten Männer der Hauptstadt um sich.Gegen jedes Talent großmüthig, verpflichtete sie sich besonders Chautcaubriand und Fonta-nes; namentlich wurde der Letztere auf ihre Empfehlung vonNapoleon erhoben. JmGcsühlihrer geistigen Vorzüge hielt sie ihren Gemahl in untergeordneter Stellung. Sie selbstregierte die Fürstenthümcr Lucca und Piombino, und als Großherzogin von Toscana seit1808 gefiel sie sich in der Rolle einer Königin. Wenn diese Semiramis von Lucca, wieman sie genannt hat, die Truppen musterte, versah ihr Gemahl die Stelle eines Adjutanten.Übrigens stiftete sie manches Gute, obwol sie von den Beamten, welche ihr Vertrauen be-saßen, nicht immer mit Eifer unterstützt wurde. Sie zog sich 1814 nach Bologna zurück,mußte aber in: folgenden Jahre ihren Aufenthalt in Ostreich nehmen. Anfangs lebte sie beiihrer Schwester Karoline, der Gemahlin Murat's, dann mit ihrer Familie zu Triest, wo siesich Gräfin Compignano nannte. Auf ihrem Landgute Villa-Viccntina, unweit Triest, starbsie am 7. Aug. 1820. Sic wurde in ihrem Palaste, in der von ihr gebauten Kapelle und