698 Bacchylides
nung verdienen hier: I) Die attischen Dionysien, von denen die kleinen oder ländlichen imMonat Poseidcon zur Zeit der Weinlese auf dem Lande gefeiert wurden. Zu den charakteri-stischen Ergötzlichkcitcn dabei gehörten die sogenannten Askolien, welche darin bestanden, daßdie Dorfjugcnd mit einem Fuße auf gefüllte, mit Öl bestrichene Schläuche sprang und durchhäufiges Hinfallen Gelächter erregte, und Aufführung von Theaterstücken. Wahrscheinlichevurde dieses Fest beim Herannahen der Weinlese gefeiert, und beim Schluß derselben dasder Halocu. Auf diese folgte das der Leuäen (das Kelterfest) im Monat Chamelion, welchesblos der Stadt Athen eigcnthümlich war. Die Festlichkeiten dabei, außer den Theatervorstel-lungen, bestanden in einem großen Schmause, wozu der Staat das Fleisch lieferte, und in einerProcession durch die Stadt, bei dtr die an den Dionysosfesten gewöhnlichen Neckereien stattfan-den. Nach den Lcnäcn kamen die Anthestcrien im Monat Anthesterion (den t I., 12. und 13.)an welchen der neue Wein zuerst getrunken wurde. Am zweiten Tage dieses Festes bestanddie Hauptseierlichkcit in einem großen öffentlichen Mahle, wobei man, mit Frühlingsblumenbekränzt, unter Trompctemnusik förmliche Wettkämpfe im Trinken anstellte, und außerdemin einem geheimen Opfer für das Wohl des Staats von der Gemahlin des Archon Basi-leus dargebracht, welche dabei auf eine symbolische Weise dem Gotte angetraut wurde. Amdritten Tage endlich ward dem chthonischen Hermes und den Geistern der Verstorbenen einOpfer dargebracht. Zuletzt folgten die großen oder städtischen Dionysien, welche im MonatElaphebolion begangen wurden, an denen neue Komödien und Tragödien zur Aufführungkamön. 2) Die triaterische Dionysosfcier, welche in der Mitte des Winters von Frauen undMädchen, Mänaden genannt, zur Nachtzeit mit dem wildesten Enthusiasmus unter Fackel-glan; auf Bergen ein Jahr ums andere begangen wurde. Diese mystische Feier stammte je-denfalls aus Thrazien, und ihre Ausbildung wird auf den Orpheus zurückgcführt. Wannsie in Griechenland Aufnahme fand, läßt sich nicht genau ermitteln; am frühesten findet mansie in Böoticn, besonders zu Theben, wo die Frauen sie auf dem Kithäron begingen. Einwichtiger Punkt ist auch der Parnaß, auf dessen höchstem Gipfel attische und delphischeFrauen dem B. und Apollon zu Ehren nächtliche Orgien feierten. Die Mänaden waren da-bei in Felle von Hirschkälbern gekleidet, schwangen den Thyrsos, machten Lärm mit Hand-pauken und tanzten mit aufgelöstem Haar, auf die wildeste Weise. Der Gott selbst wurdebei dieser ekstatischen Feier von dem ihm heiligen Opfcrthiere, dem Stiere, vertreten, welchendie Mänaden in ihrer Wuth zerrissen. In der ältesten Zeit waren sogar Menschenopfernicht selten. Beschreibungen dieser wildschaurigen Feier finden sich bei den Dichtern nichtselten. 3) Die Bacchanalien der spätem Zeit, zu denen die Grundlage in Athen zur Zeitdes peloponnesischen Kriegs durch Einführung fremder Gottesdienste und Conventikelwesengelegt wurde. Von Griechenland kamen sie nach Italien. Schon im I. -196 v. Ehr. war dergriech. Bacchusdienst zugleich mit dem der Ceres in Rom eingeführt worden, und Ceres,Liber und Libera wurden in gemeinschaftlichem Tempel verehrt. Diesen zu Ehren wurdendie Liberalien am 17. Mär; gefeiert, und zwar damals in einer noch einfachem und ruhigemWeise als die städtischen Dionysien zu Athen. Später aber artete dieser Dienst gänzlich ausund wurde mit einer Zügellosigkeit begangen, die den Sitten und dem Staate selbst Gefahrdrohte. Es fand die widernatürlichste Ausschweifung dabei statt. Zuerst wurden nur Frauenin diesen bacchischen Geheimdienst ausgenommen, später aber auch Männer zugelassen. Zaman ging endlich so weit, daß Niemand mehr, der das 20. Jahr überschritten, ausgenom-men werden sollte. Als dieser Unfug die höchste Spitze erreicht, leitete der Staat im I186 v. Ehr. eine Untersuchung deswegen ein und rottete die Bacchanalien mit der größtenStrenge aus. Bekannt ist in Bezug darauf das Leontus conmltum <ls bsecllsnslibus. Je-doch kommen sie später, besonders zur Kaiserzeit, immer noch vor.
Bacchylides, griech. Dichter, geb. um 512 v. Ehr. zu Julis, einer Stadt der InselKeos, verließ frühzeitig seine Vaterstadt und brachte den größten Theil seines Lebens theilsim Peloponnes, theils in Sicilien zu. Er war ein Verwandter des Simonides und der Zeit-genosse des Pindar. Hicro von Syrakus, an dessen Hofe er 478—-166 lebte, schätzte ihn sehrhoch. Von seinen im dorischen Dialekt geschriebenen Siegsgesängen, Dithyramben, Hym-nen, erotischen und parthcnischcn Liedern sind nur wenige Bruchstücke übrig geblieben, dar-unter ein Dithyrambus und ein Hymnus an die Friedensgöttin. Seine Gedichte zeichnete»