Druckschrift 
1 (1845) A bis Balbuena
Entstehung
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Bacchus 697

in seiner wahren Gestalt sehen zu wollen. Um die erst sechsmonatliche Frucht zu retten undreifen zu lassen, verschloß sie Zeus in seine Hüfte. So erzählt schon Pherecydes. Jndeß istder einfache Gedanke wol der, daß die sterbliche Mutter die Geburt des Gottes mit dem Tod»bezahlen mußte. Nach dieser Hüftengcburt übergab Zeus das Kind der Ino, der Schwesterder Semele, und ihrem Gemahl Athamas, ließ es aber hierauf, als Ino und Athamas vonder Here in Raserei versetzt worden waren, nach Nysa in Thrazien zu den Nymphen bringen.Hier war es, wo B. die Pflanzung des Weinstocks lehrte und aus den Trauben den be-kannten Trank bereitete. Um seine Erfindung der Menschheit mitzuthcilcn, durchzog er inBegleitung der Nymphen, welche mit Epheu und Weinlaub bekränzt waren undbebämdcrte und umwundene Stäbe (Thyrsen genannt, und aus der Pflanze Narthex gemacht) inden Händen hatten, viele Länder. Dieser Zug erstreckte sich nach einer später» Sage sogarbis Baktrien und Medien, bis Ägypten und Indien, woselbst B. östliche Grenzsäulcn derWelt aufgestellt haben soll. Überall, wo er auf seinen weiten Zügen hinkam, findet sich einNysa. Äuf diese Weise war der Dienst des Gottes, welcher aus dem Oriente stammte undvon Melampus nach Griechenland gebracht worden war, fast über die damals bekannte Erdeausgebreitet und somit der Mythus des B. vielfach durch die verschiedenen Völker motivirk,wodurch er einer der verwickeltsten undschwierigsten geworden ist. Äußerdem warB. auchBe»schüßer derObstbäume und überhaupt der Früchte. Da sein Dienst so weitverbreitet war undseine Feste mit Gesängen gefeiert wurden, so war es natürlich, daß er viele Beinamen erhielt)z. B. hieß er Lenäos von der Kelter, Bromios vom Lärm, Euios (im Lateinischen Evius)vom Zuruf Euoi und der Goldgekrönte von seiner goldenen Haarbinde. Jenen idealen Zugbildete sich die Phantasie nach dem Vorbilde der Bacchusfeste, wobei Mänadcn in verstellteroder künstlicher Raserei umherschwärmtcn und auf Berge zur Nachtzeit mit Fackeln zogcmAuf seinen Zügen fand er vielen Widerstand, da Manche seine Gottheit nicht anerkennenwollten; so widersetzte sich ihm Lykurgus, König der Edonen, über dessen Tod Verschiedeneserzählt wird und in Theben Pcntheus (s. d.), der dafür vonseinereigenen Mutter und ihrenSchwestern zerrissen ward. Die Töchter des Mynias (s. d.), welche seine Feste nicht feiernwollten, bestrafte er mit Raserei und Verwandlung. Als er nach Naxos übersetzte, wolltenihn die tyrrhenischen Schiffer nach Italien entführen und legten ihn deshalb in Fesseln.Allein diese fielen von ihm ab, Neben und Epheu umschlangen das Schiff und hielten esmitten im Meere fest. Er selbst verwandelte sich in einen Löwen und die Schiffer sprangenaus Furcht ins Meer, wo sie in Delphine umgestaltet wurden. Diejenigen hingegen, die ihngastlich und mit Ehrsurcht aufnahmeu, belohnte er, so den Mi das (s. d.). Überhaupt ist seinCharakter sanft. Bei den Künstlern ist sein Typus eine sich zum Weiblichen neigende Jüng-lingsgestalt. Seine ihm cigcnthümliche Zierde ist die Stirnbinde; die langen, wolligenHaare sind hinten in einen Knoten geschürzt, und nur einzelne Locken fallen von beiden Seitenüber die Achseln vor; von einer Weinlaub- oder Epheuranke sind die Haare umgeben; erselbst ist weder untersetzt noch schlank. Gewöhnlich ist er ganz nackt gebildet; manchmal hater eine weite Palla nachlässig umgehängt, die bald einen Theil der Schultern und Hüftendeckt, bald, jedoch seltner, den größer» Theil des Körpers einhüllt; manchmal hängt auch einRehfell quer über die Brust; bisweilen trägt er Schuhe, seltner Kothurnen. Von diesem,dem eigentlich griech. B-, unterscheidet sich durchaus der bärtige oder indische, der von würde-voller, hoher, königlicher Bildung ist. Dieser ist mit einer bis zu den Füßen reichenden Tunicaversehen, über der er einen weiten, prachtvollen Mantel hat. Als Krieger erscheint er hier ineiner kurzen, um die Hüften gegürteten Tunica, mit Kothurnen an den Füßen; zum Schilddient ihm das Pantherfcll. Außerdem sieht man ihn auch noch mit Hörnern. Nach Aus-bildung der EleusinischcnMysterienhatte man seinen Dienst mit diesen inVerbindung gesetzt,daher ist er bei Pindar Beisitzer der Demeter. Da er ferner bei den Orphikern noch Sonncmgvtt war, hatte er auch Theil an dem delphischen Orakel.

Sein Dienst wurde mit geräuschvollen Festen begangen; für den ältesten Mittelpunktdesselben galt in Griechenland das Kadmeische Theben, das auch als Geburtsort des Gottesl angeführt wird. In Athen war der Dienst des Lenäischen der älteste, von dem sich Spuren bisin die mythische Vorzeit finden. Als Opfer wurden ihm besonders Böcke, Ziegen und Stieredargebracht, letztere, weil er selbst als Stier gedacht und gebildet wurde. Besondere Erwäh-