Babylonien 695
wässerlmgskanäle gehoben, die, zum Theil den Tigris und Euphrat verbindend, das durch-gängig flache Land durchschnitten und zugleich Schutz gegen die fast alljährlichen Überschwem-mungen des Euphrat darboten. Als Baumaterial diente dir reichlich vorhandene Ziegelcrde,die, an der Sonne gedörrt oder in Öfen gebrannt, dauerhafte Steine gab, welche in den vor-handenen Ruinen noch jetzt der Witterung widerstehen; zum Mörtel bediente man sich desErdharzes, das allenthalben reichlich hervorquoll.
Die Babylonier, nach ihrer Sprache, einer aramäischen oder syr. Mundart,ein semitischer Völkerstamm, erscheinen schon in den ältesten Zeiten der Geschichte als einVolk, das feste Wohnsitze und Civilisation hatte. Ihre Religion war Sabäismus, sie betetenSonne, Mond und Sterne und die fruchtbare Erde an. Baal (s. d.) und Baaltis hießenihre Hauptgottheiten. Vgl. Munter, „Die Religion der Babylonier" (Kopenh. 1821 ).Die mosaischen Nachrichten nennen Nimrod, spätere Griechen den Gott Baal oder Bel alsGründer des ersten babylon. Reichs, das auch sicher älter war als das assyrische, von dem cSspäter unter Ninus und Semiramis in Abhängigkeit geriet!). Im 7 . Jahrh. v. Ehr., nachAndern viel früher, wurden die Chaldäer (s. d.), ein kriegerisches Volk aus den Gebirgs-landschaften am Schwarzen Meere, durch assyr. Könige in B. angesiedclt, dessen südlicherTheil nach ihnen auch Chaldäa genannt wird, und deren Name dann ans die Priesterkasteüberging, die in der pers. Zeit mieden Magiern verbunden ward. Der Chaldäer Nabopo-lassar machte sich zu Ende des 7 . Jahrh. von der assyr. Herrschaft, die er mit Kyaxares vonMedien zerstörte, frei und stiftete das neu-babylon. oder chaldäische Reich. Sein SohnNebukadnezar, der noch unter ihm den ägypt. König Necho bei Circesium (Charchemisch) amEuphrat 601 geschlagen und Jojakim, König von Judäa, unterworfen hatte, herrschtemit großer Kraft; er löste das Reich Juda (s. d.), da die Juden sich empörten, völlig auf,unterwarf Phönizien und unternahm Eroberungszüge bis nach Afrika und nach Ostpersien.Nach seinem Tode, gegen 560 , sank die Macht des babylon. Reichs schnell und unter Nabo-nedus (bei Hcrodot Labynetus), der sich mit Krösus gegen Cyrus verband, ward sie vondiesem nach Einnahme der Hauptstadt im I. 538 ganz vernichtet. Die Babylonier warenberühmt durch ihren Kunstfleiß, namentlich wurden ihre Teppiche und Gewänder noch inder röm. Zeit hochgeschätzt; der Handel, für den Babylon ein wichtiger Platz war, führteNeichthum herbei, der die Liebe zur Pracht und zu einem Luxus, der bis zu wollüstiger Üp-pigkeit stieg, erweckte. Astronomische und astrologische Kenntnisse waren schon seit alterZeit ein Eigcnthum der Priester; sie sollen zuerst die Mittagslinie zu ziehen und die Tages-stunden zu bestimmen verstanden haben. Aus der pers. Herrschaft ging B. in die Alexan-der des Großen über, nach dessen Tod Selcucus l., dem es 321 auf der Versammlung vonTriparadisos zugesprochcn worden war, seinen Besitz von Antigonus im I. 312 erkämpfte.Den syr. Herrschern ward es um 110 v. Chr. durch die Parthcr entrissen; in röm. Gewaltkam es nur vorübergehend unter Trajan imJ. 111 n.Chr., Scptimius Severus im I. ISSund Julian im I. 363 . Als Mohammed's Nachfolger im I. 650 dem neupcrs. Reiche derSassanidcn ein Ende gemacht hatten, ward B-, wo 755 Bagdad (s. d.) erbaut wurde, derSitz der Khalifcn bis 1258 . Seit 1638 , wo es die Türken den Persern zum zweiten Maleentrissen, ist es unter türk. Herrschaft, getheilt in die Paschaliks Bagdad (s. d.) undBasra (s. d.), geblieben. — Die alte Hauptstadt Babylon, vom Euphrat durchsirömt,wird in einer an das Wunderbare grenzenden Weise geschildert. Die Mauer, welche dieStadt umgab, M nach Herodot 200 Ellen hoch, 50 breit gewesen sein, 100 eherneThore und 18 » Stadien im Umfange gehabt haben. Der Tempel des Baal und die hän-genden auf Mauern angelegten Gärten, welche die Sage nach der Semiramis benennt,gehörten zu den größten Merkwürdigkeiten dieser Riesenstadt, deren erste Gründung demVel oder Baal, von Andern der Semiramis zugeschrieben ward, deren große Bauwerkeaber wahrscheinlich von Nebukadnezar und seiner Gemahlin Nitokris herrührtcn. IhreMauern und Thore wurden zum größten Theil durch Darius Hysiaspis, als er die Stadt,die sich empört hatte, nach zweijähriger Belagerung durch des Zopyrus List eingenom-men hatte, niedergcrissen. Nach ihm war Babylon häufig Residenz der pers. Könige, undAlexander, der bei seinem Einzug im I. 331 den Bewohnern die Wicdcranfbauung dervon Mrxes zerstörten Tempel gestattete, beabsichtigte sic zur Hauptstadt seines Reichs zu