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1 (1845) A bis Balbuena
Entstehung
Seite
678
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678 Autodidakten Autokratie

Zug eröffncte» die Dominicaner mit der Fahne der Inquisition. Zunächst folgten die Reui-gen, denen nur Buße aufcrlegt war, hinter ihnen durch ein großes Kreuz, welches vorgctra-gen ward, barfuß mit dem Sanbenito angethan und einer spitzen Mütze auf dem Kopfe diezum Tode^Lerurtheilten, dann die Bildnisse der Entflohenen und endlich die Gebeine ver-storbener Angeklagten in schwarzen, mit Flammen und höllischen Sinnbildern bemaltenSärgen. Den furchtbaren Zug schloß das Heer der Priester und Mönche. Durch die Haupt-straßen ging es zur Kirche, wo nach der Glaubenspredigt das Urthcil verkündigt wurde. In-zwischen standen die Angeklagten mit ausgelöschtcr Kerze in der Hand vor einem Ermisst.Nachdem das Urthcil ihnen verlesen worden war, gab ein Jnquisitionsbcamtcr jedem derVerurtheiltcn mit der Hand einen Schlag aus die Brust, zum Zeichen, daß sie von der In-quisition der weltlichen Dbrigkeit überantwortet wären, worauf ein weltlicher Beamter dieBcrurtheilten übernahm, fesseln und nach dem Gefängniß bringen ließ. Wenige Stundendaraus wurden sie zum Richtplatzc geführt. Bekannten sie sich schließlich noch zum katholi-schen Glauben, so wurden sie vorher erdrosselt, außerdem aber lebendig verbrannt und mitihnen auch die Bildnisse und Gebeine der Entflohenen oder verstorbenen Angeklagten. DerKönig mußte in der Regel nebst seinem ganzen Hose die Feierlichkeit der grausen Handlungdurch seine Gegenwart erhöhen. Das glänzendste Auto da Fe fand 1680 unter Karl II. zuMadrid statt, die letzten bis gegen die Mitte des vorigen Jahrhunderts.

Autodidakten oder Selb stgelehrte im strengem Sinne sind Diejenigen, welcheohne allen fremden Unterricht blos durch sich selbst entweder ihr ganzes Wissen oder docheinen Theil desselben erworben haben. Solche Autodidakten hat es wol niemals gegeben.Gewöhnlich versteht man aber darunter nur Solche, die sich in irgend einer Kunst oderWissenschaft ohne schulgerechtc Beihülfe Anderer, namentlich ohne mündlichen Unterricht,Kenntniß und Fertigkeit erworben haben. In diesem Sinne hat es zu allen Zeiten Autodi-dakten gegeben, aber nicht häufig; den» cs ist dazu ein entschiedenes Genie crfoderlich, wennder Autodidakt etwas Tüchtiges leisten will. Dem Selbstunterrichte ist allerdings der Vor-theil größerer geistiger Anregung, der Gründlichkeit und Lebendigkeit des Wissens, der Selb-ständigkeit und Originalität nicht ganz abzusprechen, er ist aber auch mit nicht unbedeutendenNachtheilen selbst für das Genie, besonders mit Zeitverlust, Mangel an Umfang, Einseitig-keit und Unklarheit des Wissens, z.B. bei Jakob Böhme, Pedanterie, Eigendünkel verbundenund für den mittelmäßigen Kopf, der wenigstens in der Erziehung die meiste Beachtungverdient, gar nicht geeignet. Einer der merkwürdigsten Autodidakten warV. I. D u v al (s.d.);auch Friedr. Aug. Wolf (s. d.) ist hier zu nennen.

Autogräpha heißen Urschriften oder Handschriften, die der Verfasser selbst geschriebenhat. Sie sind zu einem besonder« Gegenstand des Sanimlcreifers und mithin auch des lite-rarischen Handels- und Auctionsverkehrs geworden. Ihren Werth bestimmt das Interessean der schreibenden Person, die Seltenheit solcher Überbleibsel von ihr und der Inhalt desGeschriebenen. Bildnisse allein genügen nicht mehr, man will, zumal von berühmten Zeitge-nossen, auch eine Handschriftprobc, oder wenigstens ihren eigenhändigen Namenszug besitzen,Venn die Eigenthümlichkeit der Schreibart, die Physiognomie der Handschrift macht dieKennt-niß der.Persönlichkeit vollständiger. Hier kommt besonders die Lithographie zu Hülfe, nichtblos durch Zugaben von Faksimiles in historischen und biographischen Werken und Bildnis-sen, sondern durch gedruckte Sammlungen älterer und neuerer Autographien, wie in Eng-land von Smith, in Holland von Natan, in Deutschland von Dorow, vor Allen aber dielsoAi-az,bie des Kammes celekrer" (3 Bde., Par. 182830), wozu 1839 Supplementein Lieferungen erschienen. Für die Sammler ist Fontaine's ,MsmieI <Is I'umsteur^rspkes" (Par. 1836) und der AufsatzDie Autographensammlungench in derDeut-schen Vierteljahrsschrift" (1842) sehr nützlich.

Autokratie, Selbst- oder Alleinherrschaft nennt man die Staatsform, ver-möge welcher das Oberhaupt des Staats, als Autokrat oder Autokrator die gesetzge-bende oder vollziehende Staatsgewalt in sich vereinigt und unbeschränkt regiert. Diese Artder Staatsform haben fast alle morgens. Staaten; unter den curop. Regenten führt denTitel Selbstherrscher nur der russ. Kaiser, um dadurch seine verfassungsmäßige Unbeschränkt-