Druckschrift 
1 (1845) A bis Balbuena
Entstehung
Seite
676
Einzelbild herunterladen
 

676 Ausweichung Autcurieth '

England nicht ausreichcn, aber wol ist es als Linderungsmittel bestehender Armulh zu em-pfehlen. Hauptsächlich soll der Staatdahm streben, in seinem Innern solche Zustände zugründen und zu erhalten, bei denen wenigstens nicht Noch und Unzufriedenheit die Men- ,schm forttreibt. Übrigens scheinen bis jetzt bei den Auswanderungen nach Nordamerikaund Australien noch die meisten Erfolge für die Auswandernden geerntet worden zu sein,wicwol auch hier sowol Geschick als Glück dazu gehörten. Vgl. Brauns,Ideen über dieAuswanderung nach dne Vereinigten Staaten in Nordamerika" (Gott. 1827).

Ausweichung (in der Musik). Das Fortschreiten derHarmonie von einem Accorde zumandern überhaupt nennt man im weitern Sinne Modulation; überschreitet dieselbe die Grcn-zcn der Erundtonart, so wird sie zur Ausweichung, Modulation im engern Sinne; zumÜbergang aber, wenn sie in einer andern Tonart schließt, als von der sie ausging. Der Zweckdes Übergangs ist stets die Einführung einer neuen Tonart, während die Ausweichung häu-fig nur behufs eines besondcrn Aufschwungs der Harmonie mehre näher oder entfernterliegende Tonarten durchstreifend, doch mit einem Schluß in der Haupt- oder Anfangstonartendigt. Drei Hauptwcge namentlich stehen für die Ausweichung offen, die jedoch der Will-kür den freiesten Spielraum lassen zu zahllosen Modifikationen, je nachdem man mit mehroder weniger Pomp in die neue Tonart übergehen will. Der erste führt durch den Quinten-oder Quartencirkel. So bequem als sicher, ist er überall ausreichend, wo es blos gilt, einePause auszufüllen, und hat somit seinen praktischen Werth, z. B. für Organisten; eineästhetische Bedeutung kann ihm nur die Kunst der Stimmenführung oder sonst eine cigcn-rhümliche Ausstattung gebe». Einen andern Weg bahnt der Ümstand, daß jeder Accord inmehr als einer Tonart leitcreigen (s. d.) sein kann, mit deren übrigen Accorden er sichleicht verbindet. So kann der D-me>II-Accord der Vermittler zwischen dem L'-elur- und demL-llur-Accord und deren Tonarten werden, da er mit dem letzter« in mit deni er-

ster« in mehr als einer Tonart leitcreigen ist. ES ist diese Gattung namentlich da am Platze,wo es sich um das Vorarbeiten und Fortspinnen eines Gedankens handelt, so im zweiten iTheile von Sonaten-, Symphonie-Sätzen u. s. w., sowie in allen contrapunktischen Satzgat-lungen. Sie ist die künstlerisch edelste, weil sie nicht nur an sich der Speculation ein reichesFeld bietet, sondern in jeder andern Hinsicht, in Stimmenführung, auch der künstlichsten,in Declamation, Rhythmik u. s. w. den freisten Spielraum läßt, uuo öfters eine recht will-kommene Hülfe leistet. Bei der dritten Gattung der Ausweichung endlich ist es immer aufeine Überraschung oder Täuschung des Gehörs abgesehen und die Vieldeutigkeit gewisser ab-geleiteten Accorde ist dabei ein Haupthebel. Die bedeutendste Rolle spielen namentlich hier dieAccorde der verminderten Septime und der übermäßigen Sexte. Wo der Übergang in einesehr entfernte Tonart möglichst schnell, oder auf eindringliche Weise geschehen, wo einer lan-gern Modulation ein imponirender Schluß gegeben werden soll, überall wo sichs um entschei-dende Maßregeln handelt, ist diese Gattung in ihrer eigenthümlichen Sphäre.

Auszehrung, s. Schwindsucht.

Autcurieth (Joh. Heinr. Ferd. von), ein bekannter klinischer Lehrer und Mkdicini-scher Schriftsteller, gest. am 2. Mai 1835, wurde zu Stuttgart, wo sein Vater Geheim-rath war, am 20. Ott. 1772 geboren. Früh entwickelte er ausgezeichnete Gaben für dasFach naturwissenschaftlicher Thätigkeit; eine feurige Vorstellungskraft und ein außerordenl- 'sliches Gedächtniß begünstigten seine Studien. Nachdem er 1702 Doctor geworden, ging ernach Italien, Ostreich und Ungarn, um besonders Scarpa und Frank zu hören, und ließ sich !1794 als Arzt in Stuttgard nieder. Mit seinem Vater machte er bald darauf eine Reisenach Pennsylvanicn und prakticirte zu Lancaster, wo er, vom gelben Fieber befallen, alleinund ohne Hülfe, durch einen kühnen Aderlaß sich selbst vom Tode rettete. Nach seiner Rück-kehr wurde er 1797 Professor der Arzneikunde in Tübingen, 1819 Vicckanzler und 1822 jKanzler der Universität, auf deren neueste Organisation er bedeutend eingewirkt hat. Un-ausgesetzt thätig durch geistvolle Vorträge, sowie als Schriftsteller, erhielt er doch seinen höch-sten Ruhm als klinischer Lehrer; indem er factisch nachwies, was eine innige Verbindungeiner tieftmrchdachten Theorie mit der Praxis zu leisten vermöge, wurde er der Begründer >einer wahrhaft rationellen Krankenbehandlung, welche Württembergs Ärzte auszeichnet. Als !Mensch war A. streng sittlich und religiös und beschäftigte sich gern, zumal in den letzten Le- !