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1 (1845) A bis Balbuena
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675
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Auswanderung 675

ralij'chcn Überzeugung gemäß handeln kann und mit seinem Gewissen und dem bürger-lichen Gehorsam in eine wahre Collision gcräth. So nachthcilig es auch für den Staat wer-den kann, wenn eine beträchtliche Zahl seiner Bürger das Land verlaßt, zumal wenn dar-unter Menschen sind, welche Fabrikgchcimnisse und Geschicklichkeiten mit sich in das Aus-land nehmen, so ist doch ein Auswanderungsverbot immer das am wenigsten wirkende Mit-tel, selbst bei der größten Strenge in der Anwendung, wie denn unter Ludwig XIV., obschon erdie Grenzen scharf bewachen ließ, viele Tausende seiner protestantischen Untcrthanen infremde Länder gingen. Auch dürfte viel gegen die innere Gerechtigkeit eines solchen Verbotseinzuwenden sein. Doch sic bestehen noch in manchen Staaten, theils allgemein, theilSfür besondere Fälle und Verhältnisse, weint auch in der Ausübung sehr gelind. In Englandist das Auswandern der Arbeiter in Wolle, Seide, Eisen u. s. w. verboten, und der König hatdas Recht, alle außerhalb Landes Lebende durch Proklamation zurückzurufen und, wennsie nicht kommen, ihre Güter zu seguestriren. Die Colonisation sicht unter dem gemeinenLandesrecht und dem für die Colonien etwa bestehenden besondern Gesetze, vornehmlich wegender Vortheile, welche den Colonisten gewährt werden, und wegen der Bedingungen, welche siedagegen zu erfüllen haben. Geschieht die Emigration aus Unzufriedenheit mit der bestehen-den Negierung, so fällt die Untersuchung über ihre Zulässigkeit mit der über Demonstratio-nen gegen die Regierung überhaupt zusammen. Daß Gesetze Strafen für solchen Fall dro-hen, beweist freilich ihre Jmmoralität noch nicht. Die Auswanderung löst für den Augen-blick das Band zwischen dem Einzelnen und dem Staate, aber nicht völlig; denn sowie aufder einen Seite dem Ausgewanderten immer sein Gebnrtsrecht noch nicht ganz entzogen wirdund wieder auflebt, wenn er zurückkehren will oder muß, so behält er auch Pflichten gegen dasLand seiner Geburt, welche keine Gewalt aufhebt. Er darf die Waffen gegen sein Geburts-land unter keiner Bedingung ergreifen, außer in gerechter Auflehnung gegen eine Usurpa-tionsherrschaft, und große Staaten, welche es genau nehmen, gestatten ihm nicht, vor sei-, nein angeborenen Souverain als Repräsentant eines fremden Staats zu erscheinen, wie inEngland die Annahme des sonst hochgeachteten Grafen Numford als bair. Gesandter abge-lehnt wurde, weil er ein geborenerUnterthan des Königs von England war.

Früher traten die Auswanderungen aus Europa nur zeitweise in Folge besondererVersuchung und örtlicher Unzufriedenheit ein. Regelmäßiger und allgemeiner wurden sie seitdem amerik. Unabhängigkeitskriege, und von da an bildet sich ein stetes Überströmen, besondersnach Amerika, sodaß man dort schon die Einwanderungen, die einen wesentlichen Antheil ander ersten Zunahme der dortigen Volkszahl haben, mehr als etwas Unangenehmes, dennals einen Vsrtheil zu betrachten anfängt. Die stärksten Contingente lieferte Irland; inDeutschland ist am öftersten in Würtembergischen das Auswandern zur Sucht geworden undhat nicht blos nach Amerika, sondern auch nach Rußland geführt. Die englische Negierungbefördert das Auswandern ihrer überzähligen Bevölkerung und sucht sie in die eigenen Be-sitzungen, nach Canada, Westindien, Ncuholland und Neuseeland zu leiten. Auch die Schweizsendet Jahr für Jahr viele Auswanderer, und in dcn J. 183337 griff das Auswandernauch in Mitteldeutschland sehr um sich, worauf dann religiöse Irrungen aus Preußen undSachsen ganze Gesellschaften fortführten. Man hat mehrmals versucht, das Princip der1 Association bei den Auswanderungen festzuhalten; indeß die Erfahrung hat gezeigt, daßdiese Gesellschaften allemal auseinander fielen, wenn sie an Ort und Stelle gelangt waren. Nur! dem religiösen Fanatismus ist cs in seltenen Fällen, wie bei dem Würtembcrger Rapp, gelun-gen, das Band zu halten. Die Regierungen können natürlich nur dann etwas Wirksames undSicheres thun, wenn sie selbst Colonien besitzen und dazu eine kräftige Seemacht haben. AlsHeilmittel des Pauperismus ist das Auswandern unkrästig. Könnte man heute alle Armenaus den von dem Pauperismus heimgesuchten Ländern fortschaffen, so würde cs doch, wennseine Ursachen fortwirkten, in 20, vielleicht in 10 Jahren wieder ebenso viel geben. Eine fort-' währende Auswanderung, soweit sie sich nicht von selbst bildet, zu organisircn, würde ans dieDauer unerschwingbaren Aufwand verursachen, wenn man nicht in einer ^agc ist, wieEngland mit seinem unermeßlichen Kolonialbesitz und mit der Gelegenheit, sich in dem Han-del niit den Colonien Ersatz zu holen. Gegen den Pauperismus wird dieses Mittel auch in