Australien 071
sind auch europ. Formen eingezogen, willig von der Natur ausgenommen und schonmit großem Bortheil verbreitet. Dahin gehört die Cultur der europ. Getreide- und Kü-chcngewächse und die Einführung der früher gänzlich mangelnden Hausthiere, unter wel-chen das Schwein und Schaf bis jetzt am wichtigsten. Die austral. Inseln sind zwar aucharm an reichhaltigem Wechsel in den Thier- und Pflanzenarten, ihre Formen sind aber de-nen anderer Erdtheile ähnlich und weichen nicht so von den dort bekannten Gestaltungen ab,wie auf dem Festlande A.s, worin denn eine wesentliche Verschiedenheit mit diesem besteht,während hier wie dort, in den begünstigtem Gegenden, der oceanische Einfluß in der Üppig-keit des Pflanzenwuchses sich auf gleiche Weise ausspricht. Mit der östlichem Lage nimmtdie Armuth an Thier- und Pflanzenarten zu, ebenso mit der Abnahme der Höhe der Inseln,denn auf den niedrigen Eilanden fehlen Wälder, und Cocospalme und Brotfruchtbaum blei-ben noch die einzigen Verkünder eines höhern Pflanzenwuchses, während Neuguinea, Neu-seeland, die Sandwich- und andere hohe Inseln Überfluß an Hochwaldungen haben (San-delholz) und in Benachbarung des ostindischen Archipels auch noch dessen riesenförmige Üppig-keittheilen. Die auf einigen Inseln, den Marianen-, Sandwich-, Gesellschaftsinseln und zumTheil in Neuseeland eingeführtcn europ. Kulturpflanzen, wie Getreide, Wein, Edelfrüchte,Gemüse u. s. w., das Zuckerrohr und die Hausthiere gedeihen vortrefflich. Solche günstigeund für die Zukunft wichtige Verhältnisse sind selbst bei entfernterer Lage von der Tropen-zone, oder bei der unter andern Ümständen drückenden äquatorialen Lage, eine natürlicheFolge des oceanische« Einflusses, der sich auf den Inseln in erhöhtem Maße geltend macht,in Benachbarung Ostindiens einen fast ewigen Frühling hervorruft und selbst auf Neusee-land noch tropische Pflanzenformen begünstigt und im Meeresnivcau den Schnee nicht er-scheinen läßt, trotzdem daß der -17° südl. B. schon die Südspitze berührt.
Die gewisse Gleichartigkeit der oceanischen Natur A.s wiederholt sich auch in seinem Be-wohner, wenn auch mit der Zeit europ. Einfluß ein regeres und bewegteres Bild Hervor-rufen wird, wie sich ja schon der Boden geneigt findet, europ. Formen aufzunehmen und in vor-theilhaften Aussichten zu verarbeiten. Nach einer allgemeinen Schätzung kann die Volkszahlzu 2 '/s Mill. angenommen werden, ein Verhältniß, das in Vergleich mit Europa zur Unbedeut-samkcit herabsinkt, da dieses l 18 mal dichter bevölkert erscheint, da hier nur 12—13 Men-schen auf eine OM., dort 1123 zu rechnen sind. Mit Ausnahme von einem Fünftel Kauka-siern, die als europ. Kolonisten A. bewohnen, gehören die Bewohner dem malayischenVolksstamme an, den man, abgerechnet der natürlichen mehrfachen kleinern Verschiedenhei-ten unter sich, in zwei Hauptgruppen zerlegen muß, nämlich in die schwärzlichen Austral-neger oder Negritos und die Hellern, lichtbraunen Australier. Die erste Gruppe bewohnt dasFestland und einige Inseln der Westhemisphäre, diezweite die weite Inselwelt der Osthemi-sphäre, beide aber finden sich oft auf ein und derselben Insel nebeneinander und gehen inein-ander über. Die NcgritoS ähneln auf den ersten Anblick durch ihre dunkele, zuweilen schwärz-liche Haut und häufiger krauses als schlichtes schwarzes Haar, den Negern; ihr Schädel-und Körperbau jedoch unterscheidet sie wesentlich von ihnen. Sie weisen mistrauisch denFremden zurück und sind deshalb auch wenig gekannt, wiewvl ihr Charakter nicht bös, viel-mehr natürlich gutmüthig zu sein scheint. Bei der Ausdehnung des Kontinents ist es natür-lich, daß die Australier in verschiedene Stämme zerfallen, daß in Sprache, Religion undBildungsgrad sich Verschiedenheiten zeigen, welche am auffallendsten hervortreten je nachden Himmelsstrichen, die sie bewohnen; die geringe Kenntniß des Landes aber läßt nochkeine bestimmten Scheidungen zu, wenn man auch durch mannichfacheBeobachtungen dazuberechtigt ist, die Ostaustralier als am wenigsten roh und unzugänglich zu betrachten. DieReligionen sind echt heidnischer Natur, jedoch haben genauere Beobachtungen ergeben, daßsie ans gewissen und geregelten Vorstellungen ruhen, in denen ein guter Geist, Koyan,und ein böser, Petoyan, hervorleuchten, als beide miteinander im Kampfe liegen, und daßsogar bei dem Pricstcrthume ähnliche Institutionen bestehen, dessen Mitglieder in OstaustralienKarrajis heißen. Die Lebensweisen der Negritos beschränken sich auf die rohesten und ein-fachsten Gewohnheiten. In der Tropcnzone gehen beide Geschlechter ohne alle Bekleidung,in den übrigen Landesthcilen erblickt man sie mit bloßen Leibgürtcln oder Mänteln ausOpossum, oder Kängurufellen; überall aber ist der Körper ganz bemalt und macht einen