Austern 665
strecken. Nach Kutusow's Bericht verloren die Russen 12000 M.; die Franzosen gaben deneigenen Verlust zu 4500 M., die Zahl der am 2. und 3. Dec. gemachten Gefangenen auf20000 M. und die der genommenen Kanonen, welche größtcnthcils in dem morastigenBoden stecken geblieben waren, auf mehr als I50an. Die Östreicher hatten gegen 6000 M.an Tobten, Verwundeten und Gefangenen verloren. Schon am 3. Dec. war der FürstJohann von Liechtenstein in Napoleon's Hauptquartier erschienen, und am 4. hatte KaiserFranz selbst eine zweistündige Unterredung mit Napoleon bei den franz. Vorposten. Hieraufschloffen der Prinz Bcrthier und Fürst Liechtenstein am 6. einen Waffenstillstand ab, zufolgedessen die franz. Armee Ober- und Nicderöstreich, Venedig, einen Theil von Böhmen undMähren, sowie Pcesburg besetzt hielt, das russ. Heer aber in bestimmten Fristen die östr.Staaten räumen, in Böhmen und Ungarn keiuVolksaufHebot stattfinden und kein fremdesHeer die Staaten des Hauses Ostreich betreten sollte. Überdies legte Napoleon am 7. denvon seinen Truppen besetzten Ländern cimKriegssteuer von 200 Mill. Francs auf. Alexanderzog nach dem Wunsche des Kaisers von Ostreich seine Armee zurück, trat jedoch nicht demWaffenstillstände bei, sondern stellte seine Heere in Schlesien und in Niedersachsen zur Ver-fügung des Königs von Preußen; auch besetzten seine Truppen in Dalmatien am 4. März1806 das von Ostreich an Frankreich abgetretene Cattaro. Der Waffenstillstand von A.lähmte alle Streitkräste der östr. Monarchie und zerriß ihre bisherigen politischen Ver-bindungen, sodaß der prcuß. Minister Graf von Haugwitz, welcher, um als Vermittler ent-scheidend aufzutrctcn, schon im Nov. zu Wien angekommen war, von Napoleon aber erstam 9. Dec. vorgelassen wurde, unter diesen veränderten Umständen, wo ihm der franz. Kaisernur die Wahl zwischen offenem Kriege oder einer Allianz ließ, seiner Instruction ganz ent-gegen, den so verhängnisvollen Vertrag vom IS. Dec. abschloß, welcher Preußen aus einemVerbündeten Rußlands in einen Verbündeten Frankreichs verwandelte. Ostreich Unter-zeichnete hierauf am 26. Dec. die harten Bedingungen des Friedens zuPresburg (s.d.),durch den es nicht nur einen Flächcnraum von II4I U>M. mit 2,785000 Bewohnernabtrat, sondern auch seine Verbindung mit der Schweiz und Italien und seinen Einfluß aufdas Deutsche Reich verlor. So ward Napoleon's Oberherrschaft in Italien befestigt, die Ab-hängigkeit der Fürsten Süddeutschlands von der Politik Frankreichs entschieden und Preußenvon seinem Ncutralitätssystemlosgeriffen.
Austern sind Weichthiere oder Mollusken (s. d.) und bilden eine besondere Familiein der Ordnung der Akephalcn oder Kopflosen. Sie haben zwei Kaltschalen, von welchendie obere convex, die untere platt und gewöhnlich an Felsen, Steinen u. s. w. des Meeres-grundes angewachsen ist. Ihre Organisation ist ziemlich einfach; sie athmen durch Kiemen(den sogenannten Bart), haben weder sichtbare Sinnesorgane noch Kopfund eine mitweichenRändern umschlossene Mundöffnung.Nur die weiblichen Fortpflanzungsorgane sind bekannt;da sie gewöhnlich angewachsen sind, muß man sie für Zwitter halten. Sie vermehren sich sehrschnell durch eine Art weißen Laich, in welchem unter dem Mikroskop zahllose kleine Austernerkennbar sind. Die Arten sind zahlreich, aber schwer zu unterscheiden. Die eßbare AusterEuropas kömmt an den atlantischen und Nordküsten Frankreichs, im Kanal, an der Küstevon Holstein, im Mittelmc-ere und Adriatischen Meere in großen Mengen vor und bildetdie sogenannten Austerbänkc, deren Benutzung durch Gesetze geregelt ist. Die berühmtestender letztem sind die in der Bai von Cancale; andere hat man zwischen 1770 — 75 an derengl. Küste dadurch begründet, daß man die an der franz. Seite gefischten Austern in kiesigenUntiefen in das Meer warf und dort mehre Jahre sich ungestört vermehren ließ. Die Austernkommen überhaupt nicht in großen Tiefen und von dem Lande entfernten Orten vor, daherist es auch möglich geworden, ihre Zucht künstlich zu betreiben. Die flachen mit dem Meereverbundenen Teiche, in welchen dieses geschieht, heißen sowol bei Franzosen als EngländernA u st ernparke. Die richtige Bewirthschastung derselben setztmancherlei Kenntnisse voraus,wird aber in beiden Ländern wohl verstanden und ist von Gaillon im„3ourn<tlcls jillysicjue"(1819) beschrieben worden. Man benutzt solche Behälter auch, um die aufMoorgrund frischge-fangenen Austern zu bewahren und von dem unangenehmen Modergeschmack zu befreien.An der Küste der Normandie, im Aunis, versteht man es sogar, ihnen mittels des Aufenthaltsin solchen Teichen eine hellgrüne Farbe mitzutheilen. Es sind dieses die in Paris schr ge-