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Aussah
daß sie nicht aus einer Untersuchung hervorgingen, deren Zweck eine genauere Erforschungdes Krankheitsprocesses war; vielmehr bestand ihr Ziel fast nur darin, jedes nur irgend ver-dächtige Zeichen aufzufindcn, nicht um den Kranken zu heilen, sondern so zeitig als mög-lich als Sondersiechen von der menschlichen Gesellschaft abzusondern und für bürgerlich todizu erklären. Nur die sogenannten Vormäler oder Vorboten des Aussatzes fesselten daher dieAufmerksamkeit des Arztes, und sie wurden in der That mit „übergroßer Treue verzeichnet,während die ausgebildete Krankheit, deren Anblick selbst die Arzte möglichst vermieden, alsreines Phantasiegemälde, mit möglichst Schrecken erregenden Farben geschildert ward.Eine Berichtigung des Gemäldes war nicht möglich, da die Krankheitsverhältnisse, als dieÄrzte nach dem Wiederaufblühen der Wissenschaften dazu wirklich fähig waren, bereits eineganz andere Gestalt angenommen hatten und nach der herrschenden Ansicht der wahre Aus-satz sogar ganz abhanden gekommen war. So ist denn die Lehre vom Aussatze ganz derConjccturalkritik anheimgefallen, und statt der Gewißheit müssen wir uns mit Vermuthun-gen begnügen. Das Wahrscheinlichste dürste indessen Folgendes sein. Die Ausdrücke illepmund Aussatz umfaßten sämmtliche Äußerungen dyskrasischer Krankheitsprocesse auf derHaut, und so mußte sich auch das mit den Dyskrasien verbundene Contagium vorzugsweiseund in seiner ganzen Stärke manifestiren, da die endemischen Verhältnisse des Südens imAlterthume wie noch in der Gegenwart die Ablagerungen krankhaft gebildeter Stoffe auf dieHaut, wodurch der innere Körper von ihnen befreit wird, vorzugsweise begünstigen, sodaßman vielleicht gar keine andern Formen jener Dyskrasien in diesen Ländern auffindet alsdie Hautformen, was die meisten Geschichtsforscher dermaßen irregeführt hat, daß sie dasVorhandensein jener Dyskrasien im Alterthum ganz leugneten. Namentlich ist dies mitden Skrofeln und der den Dyskrasien sehr nahestehenden Lustseuche der Fall, und doch stelltedamals wie jetzt die Skrofulosis die verbreitetste Dyskrasie unter allen dar und bildete so-mit auch die gewöhnlichste Grundlage der dyskrasischcn Krankheitsprocesse.
Halten wir dies fest, so dürfte es uns bald gelingen, in das Chaos des Aussatzeseiniges Licht zu bringen, zumal wenn wir uns erinnern, daß die Äusscheidung mate-rieller Krankheitsstoffe auf der Haut vorzugsweise und durch die in ihr in großer Zahl be-findlichen Hautdrüsen erfolgt. In den heißen aber trockenen Ländern des Orients ist schonim gesunden Zustande die Ausscheidungsthätigkeit der Hautdrüsen am kräftigsten, die krank-haften Prodncte werden vollständig auf die äußere Hautfläche getrieben und in Formtrockener Schorfen daselbst abgelagert; daher ist hier die Grundform des Aussatzes, alsderen ausgebildetlles Genus man den weißen Aussatz (Lui-us, Llorpllaes. alb») be-trachten kann, die vorherrschende, wie sie besonders von Moses geschildert wird. Die Con-tagiumbildung hielt hiermit gleichen Schritt, aber sie war nur an Extensität ausgezeichnet,nicht an Intensität, ihr Product war flüchtiger Natur. In den feuchten Niederungen Ägyp-tens gelang die Ausstoßung nicht vollständig, sie konnte nur durch den Verschwärungsproceßvermittelt werden, der sich selbst auf die Schleimhäute erstreckte und als Tuberkelform mitHypertrophie des Zellgewebes einherschritt; daher erklären sich die ägyptischen Geschwüreund Beulen und die übereinstimmenden Angaben, daß Ägypten das Vaterland der ausge-bildctsten Form der Elephanti asis (s. d.) oder des knolligen Aussatz es sei, dessenContagiumbildung nur langsam erfolgte und ein fixes Product lieferte, dafür aber auch einerweitern Verbreitung fähig war, wie die Übertragung nach Italien unter Pompejus zeigtUnter dem heitern Himmel Griechenlands finden wir zwar die Neigung zur Ausscheidungder krankhaften Producte noch vorherrschend, allein das Product selbst wird nur in geringerMenge gebildet, da überhaupt Dyskrasien dort keine tiefe Wurzel schlagen, und so erscheinendie dyskrasischcn Haulausschläge unter Papelbildung besonders als Schuppenformen, wiedie eigentliche von den griech. Ärzten auch überall beschrieben wird. Italien theiltezwar im Ganzen das Klima Griechenlands, aber in den Sumpfstrecken näherte es sich mehrdem Unterägyptens; daher wird das krankhafte Product auch hier nur unvollkommen aus-geschieden, die dyskrasischcn Hautausschläge treten als Pustel und zur Verschwärung neigende Tuberkeln (lUeutaKra, Ltc-ptiantissis) auf und Lymphdrüsenskrofeln sind gekannter '>in den höher gelegenen trockenen Theilen Italiens sowie im übrigen Südeuropa, welche Über