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Ausoner Aussatz 657
oft wirklich nothwendig, oft aber wurden sie blos ergriffen, um den Sieg der Parteien zubefestigen. Die Suspension der Constitution, die revolutionaire Regierung von 1793, di:Permanenz des Revolutionstribunals waren echte Ausnahmegesehe. Eins der merkwürdig-sten Ausnahmegesetze unter der Kaiserregierung war das vom 3. März 1810 über die Staats-gefängnissc, wodurch die alten lettres >1« cacliet fast ganz wieder eingeführt wurden. Auchunter der Restauration dauerten eine Menge Ausnahmegesetze fort; zu neuen gab die Er-mordung des Herzogs von Bcrri Veranlassung. Die neuesten franz. Ausnahmegesetze finddie aus den J. 1832 und 1833. Deutschland erhielt in Folge der Ermordung Kotzebue'sdurch Sand eine Art Ausnahmegesetze, welche eine besondere Aufsicht über die Universitä-ten, sowie eine verschärfte Censur mit sich brachten (s. Karlsbader Beschlüsse) undzur Zeit noch bestehen.
Ausoner, der Name eines der italischen Urvölker, bezeichnet-, wie es scheint, ursprüng-lich nur einen einzelnen, von den Aurunkern nicht verschiedenen Stamm des Volks derOsker oder Opiker, das einen Theil des südwestlichen Italiens, namentlich das nachmaligeKampanien inne hatte. Nachher wurde er aber auch für dieses ganze Volk gebraucht, ja diespätem Griechen, denen die röm. Dichter nachahmten, dehnten den Namen Ausonia ausganz Italien aus. Die eigentlichen Ausoner wurden im I. 313 v. Ehr. von den Römernnach der Einnahme ihrer Städte Ausona, Minturnä und Vescia vernichtet.
Ausomus (Decius Magnus), der berühmteste röm. Dichter des 3. Jahrh., geb. zuBurdegala (Bordeaux) gegen 309, ein Sohn des Leibarztes des Kaisers Valentinian, Ju-lius A-, erhielt eine treffliche Erziehung, anfangs Sachwalter in seiner Vaterstadt, späterals Lehrer der Beredtsamkcit daselbst gewann er einen allgemeinen Ruf. Valentinianübertrug ihm die Erziehung seines Sohns Eratian und ernannte ihn nachher zum Quästorund Präfectus Prätorio. Als Gratian den Thron bestiegen, bezeigte er sich nicht minderdankbar gegen seinen Lehrer, den er um 379 zum Konsul in Gallien machte. Nach dem TodeEratian's lebte A. auf einem Landgute bei Burdegala seinen Freunden, den Wissenschaftenund ländlichen Freuden und starb um 392. Einige haben behauptet, daß er Heide gewesensei; dies läßt sich jedoch mit seiner Stellung zu den Kaisern Valentinian und Eratian nichtvereinigen. Man hat von ihm Epigramme, deren Echtheit aber sehr in Zweifel gezogenwird; Eklogen, größtenthcils Übersetzungen aus dem Griechischen; Briefe in Versen; 20sogenannte Idyllen, unter denen die „SlossUu" überschriebene, der didaktischen oder be-schreibenden Dichtkunst ungehörig, die berühmteste, der „Oento imptislis" der Schlüpf-rigkeithalber die berüchtigtste ist, und andere Dichtungen; außerdem einen inProsavcrfaßtcn,schwülstigen und mit den niedrigsten Schmeicheleien angefüllten „ksneg^ricus" auf denKaiser Gratian. Die vorzüglichsten Ausgaben sind vonZos. Scaligcr (Leyd. 1575), Tollius(Amst. 1669 und 1671) und Souchay (Par. 1730,3.). Die„5loseIIa" ist besonders, mit deut-scher metrischer Übersetzung, herausgcgebcn von Troß (Hamm 1821 und 1823) und BöckinglBerl. 1828). Eine franz. Übersetzung sämmtlicher Werke erschien von Zaubert (Par. 1769).Auspicien, s. Augurn.
Aussatz und I-epr-r gehören zu den Ausdrücken, mit denen man in der Pathologie dengrößten MiSbrauch getrieben hat. War und ist cs an und für sich schon schwierig, genau an-zugcben, was die Griechen mit ihrer I-epr» bezeichneten, so mußte der blumenreiche Stil derOrientalen noch mehr Misdeutungen erleiden, die Verwirrung aber jedenfalls aufs höchstesteigen, als man im Mittelalter den Ausdruck I-epr» zum Collectivnamen für sämmtlicheentstellende und ansteckende chronische Hautkrankheiten, welche früher wie damals beobachtetwurden, erhob und als synonym mit dem nicht weniger vieldeutigen Ausdruck Aussatz(weil die Kranken von der menschlichen Gesellschaft ausgesetzt wurden) gebrauchte. Soentstand ein Gemisch von gricch., arab-, oriental, und abcndländ. Ansichten und Beobach-tungen, dessen Sichtung bis jetzt vergebens versucht ist und wahrscheinlich niemals gelingenwird. Das Höchste, wozu man gelangte, war die Trennung in O>epr» der Hebräer, derAraber und der Griechen, in morgenländ. und. abcndländ. Aussatz, welche aber häufig sowillkürlich vorgenommen wurde, daß an eine Übereinstimmung der Ansichten nicht zu den-ken ist. Allen Beschreibungen, so minutiös man auch dabei zu Werke ging, sieht man es an,Conv.-Lex. Neunte Ausl. 1. 42