Ausfall Ausgabe 649
sind jedoch so dünn, daß sie durch physikalische Mittel nicht wahrnehmbar gemacht werdenkönnen. Wenn man annimmt, wozu die angestellten Versuche berechtigen, daß die jährlicheVerdünstung des Wassers auf der Erdoberfläche im Durchschnitt 30 Zoll beträgt, so würden,die Oberfläche aller Gewässer auf der Erde zu 4 Mill. geogr. OM. angenommen, jähr>lich 200 Kubikmeilen Wasser in Dämpfe verwandelt. Diese Masse vergrößert sich abernoch bedeutend dadurch, daß die feuchte Erde und das ganze Thier- und Pflanzenreich wässe-rige Theile ausdünsten. Die Ausdünstung des thierischen Körpers heißt Schweiß (s. d.).
Ausfall (sortis) heißt im Allgemeinen jede offensive Bewegung eines sich Vertheidi-genden. Zm Besondern wird Ausfall von den Besatzungen einer belagerten Festung gesagt,wenn ein Theil derselben herausgeht (einen Ausfall macht), um die feindlichen Arbeiten zuzerstören, die Laufgräben zuzuwerfen, die Kanonen zu vernageln u. s. w. Ausfälle, wenn siehäufig und mit Glück unternommen werden, können den Gang einer Belagerung sehr auf-halten, und der berühmte Carnot nennt sie einen Hauptnerv der Vcrtheidigung, besonders inden letzten Stadien der Belagerung. Ausfallthor (porte cke secours) nennt man in Fe-stungen oder deren Citadellen das ins Frei» führende, gedeckt liegende Thor, aus dem ehemalsdie Ausfälle zu geschehen pflegten; gegenwärtig bedient man sich dazu eigener unter den Wäl-len angebrachter Durchgänge, welche Poternen (s. d.) heißen. — Inder Fechtkunst heißtAusfall das Vorsetzen eines Fußes, um näher an den Gegner zu kommen und ihm destosicherer einen Stoß oder Hieb beibringen zu können. — Ausfallbatterien heißen die ausleichten Kanonen bestehenden bespannten Batterien in einer Festung, welche die Bestimmunghaben, die Ausfalltruppen zu begleiten und zu unterstützen.
Ausflammen heißt ein Geschütz oder Gewehr mit einer kleinen Quantität Pulverladen und abfeuern, um das Innere des Rohrs zu erwärmen und die etwa vorhandene Feuch-tigkeit zu entfernen.
Ausfuhr, s. Ein- und Ausfuhr.
Ausfuhrprämien oder Bonifikationen (franz. primes cke sortis; engl. bcmuliss)gibt in gewissen Fällen der Staat als Aufmunterung, um die Fabrikation neuer oder für dasLand besonders wichtiger Artikel zu heben oder auch den einheimischen Producenten die Con-currenz mit dem Auslande zu erleichtern; sehr häufig hat es sich indeß gezeigt, daß ein Indu-striezweig durch Ausfuhrprämien nicht in die Höhe gekommen ist, und jedenfalls wird durchdiese Prämien der Nation eine Abgabe auferlegt. Dem Consumenten ist es übrigens ohneZweifel ganz gleich, woher der von ihm zu verbrauchende Stoff stammt; er wird bei gleicherGüte stets nach dem Billigsten greifen. In den deutschen Zollvereinsstaaten wurden Aus-fuhrprämien ertheilt auf rassinirten, aus Colonialrohzucker erzeugten Zucker und auf fabri-zirten Taback. Von inländischen Artikeln genießen Branntwein, Bier, Mehl und Schiffs-zwieback eine Prämie bei der Ausfuhr. In England macht man einen Unterschied zwischenAusfuhrprämien und Rückzöllen (ckruv-bucks); letztere werden nur auf solche Gegen-stände gezahlt, welche in derselben unveränderten Gestalt, wie sie eingcführt und verzolltworden sind, auch wieder exportirt werden. In Frankreich existiren ziemlich verwickelte Be-rechnungsweisen der Ansätze für die Ausgangsprämien.
Ausfuhrverbote werden theils gemacht, um dem Jnlande den Vorrath von unent-behrlichen Substanzen, wie z. B. Getreide, im Falle von Miswachs, zu sichern, theils um zuverhüten, daß Rohstoffe außer Landes gehen, die in inländischen Fabriken verarbeitet werden.
Ausgabe nennt man in literarischer und buchhändlerischer Beziehung seit Erfindungder Buchdruckerkunst eine behufs der Vervielfältigung gedruckte Handschrift. Wird einWerk öfter in demselben Formate und ohne Textesverändcrungen abgedruckt, so unterscheidetman erste, zweite Ausgabe u. s. w.; allein da in neuerer Zeit oft auch unveränderte Abdrückeeiner früher» Ausgabe Auflage (s. d.) genannt wurden, so ist der Sprachgebrauch, wel-cher diese von jener zu unterscheiden suchte, schwankend geworden. Die Verschiedenheit derAusgaben ist besonders bei alten Classikern und bei denjenigen Werken, wo auf die Lesarten»nd den Buchstaben Etwas ankommt, von hoher Wichtigkeit. Vorzüglich geschätzt sind dieAusgaben aus der frühesten Zeit der Erfindung der Buchdruckerkunst, dieIneunabcl n (s.d.)und die ersten Drucke eines Clasfikers (eckitiones ;>rinci;'ss) wegen der Seltenheit; dieAusgaben mancher Druckereien, wie der der Aldus, Giunti und Stephanus wegen der