Aurelius (Victor) Aurich 645
ligen Roms bezeichnet. Die Provinz Dacicn (Walachei), die unter Trajan zum röm.Reiche gekommen war, gab er auf, da sie gegen die Gothen nicht mehr zu halten war. Dochschlug er diese, da sie die Donau überschritten, auf dem Zuge, den er in den Orient unter-nahm, um diesen derIenobia (s. d.) zu entreißen, welche ihre Herrschaft von Syrien ausnach Klcinasien und Ägypten verbreitet hatte. Zn zwei blutigen Schlachten wurde auch diekriegerische Königin geschlagen und hieraufin ihrer Residenz Palmyra (s. d.) belagert. Nach-dem sie bei einem Versuche zu entfliehen gefangen worden, ergaben sich die Palmyrener,empörten sich aber nach A.'s Abzug wieder, worauf er zurückkehrte und 273 ihre prächtigeStadt zerstörte. Auch die Ägypter, die sich unter M. Firmius unabhängig machen wollten,wurden von A. unterworfen und Tetricus, der sich in Gallien zum Herrscher gemacht hatte,einer der sogenannten dreißig Tyrannen, ergab sich ihm. Nicht blos durch diese glücklichenKriege, auch dadurch, daß A., freilich mit ungeheurer Strenge, beim Heere Mannszucht undim Innern des Staats Ruhe und Ordnung hergestellt hatte, war der Titel Wiederherstellerdes röm. Reichs wohlverdient, mit dem er von dem Senate begrüßt ward. Jene Strengeaber war die Veranlassung seines Todes; er fiel auf einem Zuge gegen die Perser im I.276 als das Opfer einer Verschwörung, die von seinem Geheimschrciber, der die Entdeckungeines Vergehens und die Strafe fürchtete, angestiftet worden war.
Aurelms Victor (Sextus), röm. Geschichtschreiber aus dem 4. Jahrh. n. Chr., vonGeburt ein Afrikaner, aus niedrigem Stande, wurde vom Kaiser Julianus, der ihn 360zu Sirmium kennen lernte, und später von Theodosius dem Großen zu den höchsten Ehren-stellen erhoben. Unter seinem Namen hat man folgendeSchriften: „Origo Fentis rjedochnur theilwcise vorhanden und nach dem Urtheile eines neuern Gelehrten ein Machwerk ausdem 15. Jahrh.; „De viris illiistribus Komas", bald dem Cornelius Nepos, bald dem Sue-tonius, bald dem jüngern Plinius zugeschriebcn; „De caesarilms", ein kurzer Abriß vonAugustus bis Julianus, der aus den Quellen sorgfältiger geschöpft und in einem reinern Stileverfaßt ist; endlich „De vita et moribus imperatorum rom. epitoms", ein Auszug aus demechten Werke, der bis auf Theodosius geht und von einem Später» aus dem Zeitalter desOrosius, den man Victor simior oder Victorinus nennt, verfertigt wurde. Die erste Aus-gabe besorgte Schott (Antw. 1579); unter den folgenden erwähnen wir die von Arntzen(Amst. 1733), GrunersKob. 1757) und Schröter (2 Bde., Lpz. 1829—31).
Aureng-Zeyb, richtiger Awreng-Sib, d.i. Zierde des Throns, Großmogul 1659— 1707, geb. 20. Oct. 1619, war ein Sohn des Großmoguls Schah Dschihan und neunJahre alt, als sein schwacher und unglücklicher Vater zur Regierung gelangte. Frühe schonvon Herrschsucht entbrannt, suchte er seine weitaussehenden Plane durch ernstes Äußere,durch häufiges Beten und durch Hang zur Einsamkeit zu verbergen. Er ließ sich unter dieFakirn aufnehmen, trug ihre Kleidung und sprach davon, nach Medina zum Grabe des gro-ßen Propheten zu gehen. Im 20. Jahre jedoch legte er den Koran, den er bisher stets unterdem Arme getragen hatte, bei Seite, zog mit in den Krieg und erhielt die Statthalterschaftvon Dekan. Nachdem er seine Brüder durch Uneinigkeit untereinander besiegt und denVater gefangen genommen hakte, bestieg er 1659 den Thron von Hindostan und nahm denNamen Älum-Ghir, d. i. Überwinder der Welten, an. Wie grausam die Mittel auch gewesenwaren, deren er sich zur Erreichung seines Zweckes bedient hatte, so regierte er dennoch mitvieler Weisheit, beförderte den Wohlstand seines Volks, sah streng auf die Handhabung desRechts und auf Sittlichkeit und suchte dadurch seine Macht fester zu begründen. Zwei seinerSöhne, die versucht hatten, sich eine Partei im Staate zu machen, ließ er festnehmcn und durchGift tödten. Er führte viele glückliche Kriege, vergrößerte auf diese Weise sein Reich sehrbedeutend, war ein großer Freund der Europäer und liebte die Pracht und das Außer-ordentliche. Er starb am 21. Febr. 1707 und ihm folgte in der Regierung sein SohnSchah Atem, unter dem das Reich in Folge der Streitigkeiten mit seinen Brüdern sehr baldin Verfall gerieth. Eine merkwürdige Münze von A. findet sich im Münzcabinet zu Gotha.
Aurich, hannöv. Landdrostei, aus dem frühem Fürstenthume Ostfriesland gebildet,zählt auf 5 iinM. 152400 E- und wird durch Oldenburg, Holland und fast zur Hälftedurch die Ostsee begrenzt, die hier den Meerbusen Dollart (p. d.) bildet, der die schiffbareEmS aufnimmt. Das ganze Land ist eine Ebene, die nur durch kostbare Dämme und viele