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die er wahrhaft geliebt hatte. Er hatte keine Söhne und verlor durch den Tod sowol seinen ^Schwestersohn, Marcellus, als seine Tochtersöhne, Casus und Lucius, die er zu seinenNachfolgern bestimmt hatte. Auch Drusus, sein Stiefsohn, den er liebte, starb frühzeitig,nur Tibcrius, der Bruder desselben, der ihm seiner bösen Eigenschaften wegen verhaßt war,blieb ihm übrig. Diese vielen Todesfälle, sein hohes Alter und seine stets schwächer wer-dende Gesundheit erweckten in ihm die Sehnsucht nach Ruhe. Er unternahm eine Reisenach Campanien, von dessen gesunder Luft er sich eine günstige Wirkung versprach; alleinsein Übelbefinden nahm zu, und er starb zu Nola am 19. Aug. I 4 n. Chr., im 45. Jahreseiner Alleinherrschaft. Als er die Annäherung seines Todes fühlte, foderte er, wie erzähltwird, einen Spiegel, ordnete sein Haar und fragte die Umstehenden: „Habe ich meine Rollegut gespielt?" Auf die bejahende Antwort fuhr er fort: „So applaudirt, sie ist aus!"Wäre dieser Letzte Zug aus dem Leben des A. zuverlässig, so würde er seinen Charakter, seinePolitik und selbst sein Glück treffend bezeichnen. Gewiß ist es, daß sein Betragen stets ab-gemessen und überlegt war, und daß er die große Gabe besaß, mitten unter den Stürmender Herrschaft kalt und unerschüttert zu bleiben. Geschickt seine Plane verbergend, be-nutzte er die Leidenschaften wie die Talente Anderer, um jene zu erreichen. Er besiegte Bru-tus durch Antonius und diesen durch Agrippa. Mehrmals wechselte er die Parteien, nieseine Plane, und wußte eine Herrschaft sich antragen, ja aufdringen zu lassen, die dasZiel aller seiner Bestrebungen gewesen. Man darf jedoch zu seinem Lobe nicht verschweigen,daß er seine große Macht mit Weisheit und Mäßigung gebrauchte und das Reich mit denSegnungen des Friedens beglückte, nachdem er es durch alle Schrecken des Bürgerkriegsgeführt. Alles Große und Gute, wodurch seine Negierung sich auszcichnete, ging meistvon ihm aus; er belebte den Ackerbau und begünstigte die Künste, mit feinem Geschmackund gewandtem Geiste begabt, liebte und schätzte er die Wissenschaften und übte die Dicht-kunst selbst, sodaß er nicht unwerth war, einem Zeitalter seinen Namen zu geben, das sichdurch geistige ,Bildung hoch auszeichnet, für röm. Kunst und Wissenschaft das goldene genannt ,wird. Die Überreste seiner Schriften hat neuerdings Weichert herauszugeben begonnen(Abth. I, Grimma 1841). Die berühmtesten Gelehrten und Dichter gehörten zu seinemUmgänge, so Horaz, Virgil und viele Andere. Sein Tod versetzte das Reich in tiefe Trauer,man zählte ihn den Göttern bei und errichtete ihm Tempel und Altäre.
Aulnoy oder Aunoy (Marie Catherine Jumelle deBerneville, Gräfin von), geb. ^1650, gcst. 1705, erhielt durch ihre Tante, die geistreiche Desloges, die an Ludwig's Xlll.Hose lebte, eine romanhafte Richtung. Durch ihre „6ontes <ies kees" (4 Bde., Par. >
1698; neue Ausg. 5 Bde., Par. 1810), die noch jetzt gelesen werden, hat sie sich einen ^
Namen in der franz. Literatur erworben und nächst Perrault durch sie die Feenmär-ch e n (s. d.) in Aufnahme gebracht. Ihren Erzählungen liegen fast immer wahre, in ihrer Zeitdurch besondere Umstände interessant gewordene Begebenheiten zum Grunde, die sie mit demMärchenstoffe älterer Quellen verband, und leicht und witzig, aber oft redselig darstellte. IhreRomane sind vergessen und die „Ulewaires eis la cour ä'Kspsgns", die „Vo^age en Ls-pagne", die „lUemoires <!e Is cour ü'^ngleterre" und die „51öiuoires ck'IIippol^ts comteOe Douglas" fast nur als Proben des galanten Hoftons ihrer Zeit beachtenswerth.
Aumäle ist eine schlecht gebaute Stadt an der Bresle im franz. Departement der Iuntern Seine, mit 2000 E-, hat aber weltberühmte Sergefabriken und stark besuchte eisen-haltige Bäder. Ehedem hieß es Albemarle und wurde als solches Stammhaus eines be-rühmten brit. Geschlechts. Heinrich II. erhob 1547 die damalige Grafschaft A. zum Her-zogthum, dessen Titel mehre berühmte Männer Frankreichs führten und den auch der am16. Jan. 1822 geborene vierte Sohn des Königs Ludwig Philipp, Heinrich, erhalten hat.
Aureliänus (Casus Domitius), einer der kräftigsten röm. Kaiser, hatte sich unterValerianus und Claudius (II.) als Feldherr ausgezeichnet und ward nach dem Tode des Letz-tern, 270 n. Chr., von den Truppen in Mösien, die er befehligte, zum Kaiser ausgerufen.
Er eilte nach Italien, vertrieb die Markomannen und Alemannen, die verheerend in diesesLand eingebrochen waren, und begann zur Befestigung Roms gegen die immer häufiger undgefährlicher werdenden Einfälle der deutschen Völker die Aufführung der mächtigen Mauer,die nach ihm Probus im Z. 276 vollends beendete und die noch jetzt den Umfang des dama-