«40 Augustiner Augustinus (Aurelius)
zu dieser Schrift als entschiedener Vcrthcidiger nicht allein der neuen Liturgie auftrat, son-dern auch auf das Bestimmteste für das Territorialsystem in seiner größten Ausdehnung sicherklärte. Noch erwähnen wir seinen „Grundriß einer historisch-kritischen Einleitung in das AlteTestament" (Lpz. 1806; 2. Aust. 1827), die mit de Wette unternommene Bibelübersetzung(6 Bde., Heidclb. 1809 — 12), das „Lorpus Ilbrorum svmbolicorum ecclesme ret'orms-torum" (Elberf. 1827), die „Historisch-dogmatische Einleitung in die heilige Schrift" (Lpz.1832), die „Beiträge zur Geschichte und Statistik der evangelischen Kirche" (3 Hefte, Lpz.1837—38) und „Beiträge zur chriWcken Kunstgeschichte" (Bd. 1, Lpz. >8-11).
Augustiner, der dem Range nach vierte Bcttelorden, entstand aus den seit der Mittedes 13. Jahrh. zum Klostcrleben vereinigten, früher ohne Ordensverband zerstreut lebendenAugustiner-Eremiten oder den Einsiedlern des heiligen Augustinus und wurde als solcher1567 durch den Papst Pius V. bestätigt. Ihre Regel schreiben die Augustiner mit Unrechtdem Augustinus zu, der einen Orden mit fester Regel gar nicht gestiftet hat. Sie tragenschwarze Kleidung und theilen sich, gleich den andern Bettelorden, in beschuhte und unbe-schuhte. Zur Zeit der Reformation zählte der Orden gegen 2000 Mönchs- und 300 Non-nenklöster; allein durch den Umstand, daß Luther selbst ein Augustinermönch war, erlitt ergroßen Eintrag. Noch zu Anfänge des 18. Jahrh. zählte er indeß 42 Provinzen; jetzt be-steht er aber nur aus wenigen Klöstern in Italien, den östr. Staaten und besonders inAmerika. Mit mehr Recht als der Bettelorden leiten sich die kirchlichen Institute der Au-gustiner-Chorherren oder Canonici von Augustinus her. (S. Stift.)
Augustinus (Aurelius), einer der berühmtesten und vielleicht der einflußreichstermtcr den Lehrern der christlichen Kirche, war zu Tagaste, einer kleinen Stadt in Afrika,am 13. Nov. 35-1 geboren. Sein Leben erzählt er selbst in der Schrift „tlonlessiooes",die namentlich von A. Neandcr (Berl. 1823) herausgcgeben wurde. Den ersten Unter,richt erhielt er durch seine Mutter, Mouica, eine edle, sehr verständige Frau. Später zurVollendung seiner Studien nach Madaura und Karthago geschickt, ergab sich der feurigeJüngling den Freuden der Welt und ließ sich von einer Geliebten fesseln, die ihm aucheinen Sohn gebar. Die Sehnsucht nach Höherm erwachte erst in ihin, als des Cicero„Hortousiuz", ein Buch, das nicht auf unsere Zeiten gekommen ist, ihn auf das Studiumder Philosophie leitete. Doch diese konnte ihn, den Gefühlsmenschen, nicht lange fesseln; ertrat zur Sekte der Manichäer und war ihr neun Jahre lang zugethan. Als er aber auch beiihr die verheißene Wahrheit nicht fand, verließ er sie und begab sich von Afrika nach Romund von da nach Mailand, um hier als Lehrer der Beredtsamkeit aufzutreten. Durch dendasigen Bischof Ambrosius lernte er das Christenthum hochachten, und das fleißige Lesen derBriefe des Paulus brachte eine völlige Lebens- und Sinnesänderung in ihm hervor, welcherBegebenheit die katholische Kirche ein eigenes Fest am 3. Mai gewidmet hat. Er begab sichhierauf einige Zeit in die Einsamkeit, schrieb dort mehre Bücher und bereitete sich auf die Taufevor, die er 387 mit seinem Sohne Adeodat durch Ambrosius empfing. Hierauf kehrte ernachAfrika zurück; doch zuvor verkaufte er seine Güter und behielt für sich nur so viel, um mäßig le-ben zu können; das Übrige schenkte er den Armen. Als er einst in der Kirche zu Hippo gegen-wärtig war, bezeigte der Bischof, dersehr alt war, das Verlangen, einen Priester zu weihen, derihn unterstützen und einst als Bischof ihm folgen könne. Auf Bitten des Volks trat A. inden geistlichen Stand, predigte mit außerordentlichem Erfolge und ward 395 Bischof zuHippo (jetzt Bona). Hier gerieth er mit dem Pelagius und Cölestins (s. Pelagiane r) inheftige Streitigkeiten über die Lehren vom freien Willen, von der Gnade und der Prädesti-nation oder Gnadenwahl, und verfaßte viele Schriften über diese Gegenstände. A. behauptetenämlich, daß der Mensch blos durch die Gnade, d. i. durch die Wirksamkeit, Gottes gebessertund selig werde und daß nur der absolute göttliche Wille bestimme, wer unter den MenschenauS der tiefen moralischen Verdcrbniß oder der Erbsünde erlöst werden solle. (S. Gnade.)Er starb am 11., nach Andern 28. Aug. -130, während der ersten Belagerung Hippos durchdie Vandalen. Es hat gelehrtere Kirchenväter gegeben als A., aber keinen scharfsinnigern,geistreichern und keinen, der cs mehr verstanden hätte, das menschliche Herz zu ergreifenund für Religion zu erwärmen. Die Maler geben ihm daher in ihren Gemälden zum Sym-bol ein flammendes Herz. Seinem Eifer für das Mönchsleben setzte er durch die Gründung