636 August III. (Kurfürst von Sachsen)
armten Landes vollends in Zerrüttung. Günstlinge, schöne Frauen, natürliche Kinder undnebenbei Goldmacher, welche Lebenstincturcn zu bereiten versprachen, verschlangen ungeheureSummen. Zwar verschönerte A. die Hauptstadt seines Erblandes, in welche der Glanz seinesHofes und die von ihm selbst erfundenen und ungeordneten Feste zahlreiche Fremde lockten,aber während >7l9 bei der Vermählung seines Sohnes in Dresden -1 Mill. vergeudetwurden, war Theurung im Lande und Hungersnot!) im Erzgebirge. Die Wissenschaften hattensich seiner Unterstützung wenig zu erfreuen und die Kunst meist nur insofern sie zu seiner Ver-hcrrlichung beitrug und seiner Prachtliebe diente. An den Verbesserungen in der Gesetzgebungund Rechtspflege, die während seiner Regierung versucht wurden, hatte er persönlich wenigAntheil. Cabinetsregierung und hierarchisch-jesuitischer Einfluß hatten ihre Anfänge in jenerZeit. In seinem Charakter wechselten Milde, Gutmüthigkeit und ritterliche Gesinnung mitdespotischen Gewohnheiten, der Geschmack an Vergnügungen mit den Sorgen des Ehrgeizes,und die Unruhe kriegerischer Neigungen mit der Weichlichkeit eines wollüstigen Lebens. DerTod überraschte ihn mitten unter den Entwürfen zu neuen Festen. Auf einer Reise nachWarschau zum Reichstage kam der Brand zu einer Wunde am Knie; er starb dort am I.Fcbr.1733 und ward in Krakau begraben. Seine Gemahlin, Christine Ebcrhardine, Tochter desMarkgrafen von Brandenburg-Kulmbach, die lutherisch geblieben war und getrennt vonihm lebte, hinterließ ihm einen einzigen Sohn, Friedrich August III. (s. d.), der ihm inder Regierung folgte. Die Gräfin von Königsmark (s. d.) hatte ihm den berühmtenMoritz (s. d.), Graf von Sachsen, die Gräfin Cosel (s. d.) den Grafen Rutowski geboren.
August III- (Friedrich), Kurfürst von Sachsen >733—63, und König von Polen,der Sohn und Nachfolger des Vorigen, ward am 7. Ock. 169tVgeborcn und unter den Au-gen seiner vortrefflichen Mutter und dem Einflüsse seiner Großmutter im evangelischenGlauben erzogen, trotz den Abmahnungen des Papstes, der bei dem Vater aus einen katho-lischen Hofmeister drang. Als er 17II auf dem Schlosse zu Lichtcnau bei Torgau, woseine Mutter lebte, das Abendmahl nach protestantischem Ritus empfangen hatte, trat kreine Reise durch Deutschland, Frankreich und Italien an. Die röm, Curie, die auf denÜbertritt des Albertinischen Hauses Sachsen große Hoffnungen für die Ausbreitung desKatholicismus baute, bot Alles auf, das glücklich begonnene Werk auszuführen, und wiemehre Umstände andeutcn, wurde der unerfahrene und lenksame Jüngling bald nach demAntritte seiner Reise zudringlich zum Glaubenswechsel ermahnt.. Die Königin Anna vonEngland dankte dem König August für die evangelische Erziehung des Prinzen und rieth,ihn aus Italien zurückzurufen; aber es war schon zu spät, der Prinz hatte am >2. Nov.1712 sein Glaubensbekenntniß in die Hände des Cardinals Cusani zu Bologna heimlich ab-gelegt, was aber erst 1717 in Sachsen öffentlich bekannt gemacht wurde. Die Aussicht aufdie poln. Krone und auf seine Verbindung mit der östr. Prinzessin Josephe, welche I7ISsiattfand, mögen zu dem Entschlüsse des Prinzen beigetragen haben. Als Kurprinz lebte ergewöhnlich auf dem Schlosse zu Hubertsburg, wo er sich leidenschaftlich den Vergnügungender Jagd überließ. Nachdem er 17 33 dem Vater in den Erblanden gefolgt, wurde er gegenEnde desselben Jahres, obschon Ludwig XV. Stanislaus Lesczinski, mit dessen Tochterer sich vermählt hatte, wieder auf den poln. Thron zu bringen suchte, von einem Theil despoln. Adels zuin König gewählt, jedoch erst 1736 in dem warschauer Friedenscongreß allge-mein als König anerkannt. Ohne seines Vaters große Geistesgaben, folgte er wenigstensin äußern Dingen ganz dessen Beispiele, indem auch er sich durch glänzende Feste und eineausschweifende Hofhaltung auszcichnete. AufGemälde und auf die Unterhaltung seiner Ka-pelle verwendete er bedeutende Summen, und seinem Kunstsinn, den er auf seinen Reisenausgebildet hatte, verdankt Dresden treffliche Erwerbungen. Um die Negierung beküm-merte er sich noch weniger als sein Vater und überließ die Angelegenheiten des Staats seinemersten Minister und Günstlinge, dem Grafen von Brühl (s. d.), der geschickt genug war,den trägen, schwachen, aber stolzen und aufseine Würde eifersüchtigen Monarchen in demGlauben zu erhalten, daß er allein die höchste Gewalt ausübe. Beide hatten kein anderespolitisches System als gänzliche Abhängigkeit von Rußland. A. lebte lieber in Dresden alsin Warschau, und so war Polen fast ohne Negierung. Die Reichstage waren stürmisch uudgingen fast immer der unbedeutendsten Vorwände wegen auseinander; aller der Wirren un«