Druckschrift 
1 (1845) A bis Balbuena
Entstehung
Seite
634
Einzelbild herunterladen
 

634 August ll. (Kurfürst von Sachsen)

thätigkeit aber war die Sorgfalt, die innern Kräfte des Landes durch Volks- und Staats-wirthschast zu erhöhen und Ackerbau, Eewerbfleiß und Handel zu beleben. Überall miteigenem Auge forschend, bereiste er sein Land nach allen Richtungen und ließ 156» durchHiob Magdeburg auch eine Karte von Sachsen entwerfen. Zum Anbau wüsten Landes undzur Theilung großer Gemeindcgüter ward ermuntert, und der Ackerbau besonders durchdas Beispiel der musterhaften Bewirthschaftung der fürstlichen Domainen, bei der die Sageseiner Gemahlin einen sehr bedeutenden Antheil zuschreibt, befördert. Vorzüglich suchte erden Obstbau zu heben und führte deshalb auf Reisen stets Kerne zum Vertheilen bei sich,schrieb auch einKünstlich Obst- und Gartenbüchlein" und befahl, daß jedes junge Paar imersten Ehejahre zwei Obstbäume pflanzen sollte. Mehre Kammergüter wurden getheilt undin Erbpacht gegeben, die Pachter der Domainen mit genauen auf verständige Benutzungdes Bodens berechneten Vorschriften versehen und selbst manche Frohnen durch Geld oderFruchtzinsen abgelöst. Nicht minder sorgte er für bessere Betreibung der Forstwirthschaftund des Bergbaues. Den Gewerbflciß erhöhte er durch Aufnahme der ihres Glaubenswegen vertriebenen Niederländer, welche die Tuchmanufactur hoben und die Anfänge derBaumwollenmanufactur nach Sachsen brachten, sodaß sich damals 3000V Tuchmacherund 60000 Zeug- und Leinweber in Sachsen befanden. Den Handel, den die erhöhte Fabrik-industrie nährte, förderte er durch Begünstigung der leipziger Messen, durch Verbesserungder Hauptstraßen und durch Aufsicht über das Münzwesen. Während er in den Ämtern be-deutende Capitalien niederlcgte, um durch Darlehen den bedürftigen Fleiß gegen Wucher zuschützen, wurden nicht minder ansehnliche Summen zu großen Bauten in Dresden undandern Städten verwendet, wie er denn unter Anderm den Königstein befestigte und dieSchlösser Augustusburg und Annaburg baute. Auch die geistige Bildung des Volks fandFörderung. Die innern Einrichtungen der Schulen wurden geordnet, auf beiden Universi-täten neue Lehrstühle errichtet, botanische Gärten angelegt und im Geiste damaliger Staats-pflege die Studienplane bis ins Einzelne vorgezeichnet. Nicht nur die Bibliothek zu Dresdenverdankt ihm ihre Grundlage, auch die meisten andern Sammlungen für Wissenschaft undKunst, namentlich das Grüne Gewölbe, stammen aus seiner Zeit. Seine Lieblingsbeschäftigungwar, neben dem Drechseln und Punktiren, die Alchemie, so sehr auch Betrüger ihn getäuscht hat-ten. Die Kurfürstin Anna theilte diese Neigung und bereitete in ihrem großen Laborato-rium zu Annaburg mehre Arzneien, die sich lange in Ruf erhielten. Sie war auf ihren Ge-mahl nicht ohne Einfluß, den sie, wenn er cs geduldet, auch in Staatsangelegenheiten gerngeltend gemacht hätte. Zn ihrer Ehe dem Volke ein Vorbild des einfachen Lebens im häus-lichen Kreise, mußte sie von 15 Kindern 11 zu Grabe geleiten. Anna ward am I.Oct. 1585das Opfer einer Seuche. Am 3. Jan. des nächsten Jahres vermählte sich A. wieder mit der13jährigen Tochter des Fürsten Joachim von Anhalt. Doch schon am 11. Febr. 1586 warder zu Moritzburg vom Schlage gerührt, starb am selbigen Tage zu Dresden und wurde imDome zu Freiberg begraben. Ihm folgten in der Regierung nacheinander seine drei Söhne,Christian I-, der schon am 25. Sept. 1501 starb, Christian II., der am 23. Juni 1611 starb,und Johann Georg I. (s. d.). Seine junge Witwe vermählte sich wieder mit dem HerzogeJohann von Holstein.

AugustII. (Friedrich), gewöhnlich der Starke genannt, Kurfürst von Sachsen.16041733, und König von Polen, der zweite Sohn Johann Georg's III-, Kurfürstenvon Sachsen, und der dänischen Prinzessin Anna Sophia, ward am 12. Mai 1670 zuDresden geboren. Er erhielt eine sorgfältige Erziehung, welche durch Übung in allen ritter-lichen Künsten seine außerordentliche Körperstärke entwickelte und seine geistigen Anlagenpflegte, ohne ihm Charakterstärke und Sinn für die ernsten Aufgaben des Fürstenlebens zugeben. Von 168789 bereiste er Deutschland, Frankreich, Holland, England, Spanien,Portugal, Italien und Ungarn; doch durfte er Rom in Folge eines Verbots von Seiten seinesVaters nicht besuchen. Während auf dieser Reise die Üppigkeit und Prachtliebe, die er an denHöfen von London und Versailles fand, ihn Hinriffen und blendeten, ward zugleich durch dieHuldigungen, die seine persönlichen Vorzüge empfingen, ein Ehrgeiz in ihm genährt, dem seinStammland zu klein werden mußte. Als sein Vater 1691 gestorben, ging er nach Wien, wo ermit dem röm. König Joseph einen Freundschastsbund knüpfte, der einen wesentlichen Einfluß