Augsburgische Confession 6ZL
bis 16V Jahre spater die patrizischcn Geschlechter mit Unterstützung Kaiser Karl's V. wiederdie Oberhand gewannen. Viele Reichstage und Turniere wurden in A. gehalten, und >555wurde daselbst der Religionsfriede geschloffen. Seine Reichsfreiheit verlor es 1806 mit derAufhebung des Deutschen Reichs, worauf es im März 1 806 von Baiern in Besitz genommenwurde. Die Geschichte A.s haben geschrieben Gullmann (6 Bde., Augsb. 1819—22),Wagcnseil (3 Bde., Augsb. >820—22) und Jäger (Augsb. 1830). — Das sonst ebenfallsrcichsunmittelbare Bist hum Augsburg soll bereits im 6. Jahrh. gestiftet sein. Es um-faßte etwa 30 OM., wurde durch den Reichsdeputationshauptschluß 1803 säcularisirt unddessen Länderbesitz ebenfalls an Baiern gegeben. Vgl. Braun, „Geschichte der Bischöfe vonA." (Augsb. 1829).
Augsburgische Confession. Als Kaiser Karl V. zur Beseitigung der durch dieReformation entstandenen Rcligionsspaltung im I. 1530 einengroßen Reichstag nachAugsburg ausschrieb, befahl der Kurfürst Johann zu Sachsen seinen Theologen zu Witten-berg, eine Rechtfertigung der bisher vorgenommenen Veränderungen in der Lehre und denGebräuchen aufzusetzen, die dem Kaiser vorgelegt werden konnte. Philipp Melanchthon unter-zog sich dieser schwierigen Arbeit, die er in Tocgau bei dem Kurfürsten anfing, auf der Reise beimVerweilen in Koburg fortsetzte und dann in Augsburg selbst, kurz vor der Übergabe, erst be-endigte. Es sollte anfangs kein Glaubensbekenntniß, sondern eine Apologie der vorgenom-menen Veränderungen sein, daher Melanchthon zuerst die zweite Abthcilung der Confessionausarbeitete, die von den abgeschafften Misbräuchcn handelt. Da man aber die Protestantenverleumdet hatte, als ob sie alle alten, von der Kirche verdammten Ketzereien aufwärmten,so fand Melanchthon für nöthig, die Übereinstimmung der Protestanten mit der Kirche derersten vier Jahrhunderte zu erweisen, und arbeitete in Augsburg noch die jetzige erste Ab-theilung der Confession aus, welche ein kurzes allgemeines Glaubensbekenntniß der damalige»Protestanten enthält. Seine Schrift, die er selbst anfangs eine nannte, bekam
dadurch den Charakter eines Glaubensbekenntnisses und erhielt auch noch in Augsburgdiesen Namen, der ihr stets geblieben ist. Indem der Kurfürst zu Sachsen, der Landgrafvon Hessen und andere protestantische Fürsten sic unterschrieben und so am 25. Juni demKaiser feierlich überreichten, gaben sie dieser Confession, als ihrer und ihrer UnterrhanenGlaubensbekenntnisse, eine öffentliche Autorität. Sie war zugleich in deutscher und lat.Sprache abgefaßt, und beide Exemplare wurden unterschrieben und dem Kaiser überreicht,daher beide Texte gleiche Autorität haben. Das deutsche Exemplar wurde dem Kurfürsten vonMainz zum Niederlegen in das Reichsarchiv gegeben, das lateinische nahm der Kaiser an sich.Beide Exemplare sind nicht mehr vorhanden, daher die diplomatische Untersuchung über denUrtext noch nicht beendigt ist. Noch während des Reichstags wurde die Confession aus ziemlichmangelhaften Abschriften sieben mal gedruckt (zwei mal lateinisch und fünf mal deutsch), da-her Melanchthon selbst, als er von Augsburg zurück kam, noch im 1 . 15 30 eine Ausgabe veran-staltete, die dann oft wiedergedruckt und von Melanchthon immer mehr verbessert, zum Theilauch verändert wurde. Dieses geschah ganz besonders bei der Hauptausgabc im 1.1530, woMelanchthon auch den zehnten Artikel vom Abendmahl so änderte, daß ihn selbst die Reformir-ten annehmenkonnten, die sich daher auch zu dieser veränderten Augsburgischen Confession beimReligionsfrieden imJ. 1555 bekannten und deshalb in diesen Frieden mit eingeschlossen wur-den. Nach Melanchthon's Tode verwarfen aber die Protestanten diese Veränderte Augs-burgische Confession und hieltensich streng an die unveränderte, dieauch imJ. 1580 mitunter die Symbolischen Bücher ausgenommen und zur Lehrnorm erhoben wurde. Das im I.1830 einfallendeJubelfest ihrer Übergabe wurde in allen protestantischen Ländern sehr festlichbegangen, und es erschienen dabei eine Menge Schriften über die Augsburgische Confession.Sic ist unstreitig das werkhvollste, richtigste und am besten gearbeitete Bekenntniß der protestan-tischen Kirche und übertrifft die andern Symbolischen Bücher weit an Einfachheit und Zweck-mäßigkeit; doch hat auch sie ihre Gebrechen, denn nicht nur ist der deutsche und lat. Text,die doch beide Autorität haben, an vielen Stellen sehr abweichend, sondern die Confession hatauch noch ein drittes Sacrament in der Buße, sowie die katholische Lehre von der Transsub-stantiation im Abendmahle, was Beides die Protestanten haben falle» lassen, und cnthältübcr-