63t> Augmentation Augsburg
sehr harter Worte, weshalb ihn der Kaiser bei seiner Rückkehr für einen Verräther erklärte.Ludwig XVlll. ernannte ihn I8I-1 zum Pair und machte ihn zum Kommandanten der 11.Militairdiviskon, die er 18t 5 Napoleon zuführte, der ihm aber nicht traute. Nach der zweitenRückkehr des Königs erschien er wieder in der Pairskammer und ward Mitglied des Kriegs-gerichts über Ney, wobei er sich für incompetent erklärte, erhielt aber keine weitere Anstel-lung und starb am II. Juni l 816 auf seinem Gute La Houfsaie.
Augmentation heißt in der musikalischen Kunstsprache die Einführung eines schonbenutzten melodischen Gedankens in Noten von doppeltem Zeitwerth. Die Augmentationist hauptsächlich in der thematischen Satzweise, namentlich beim Fugcnsatz von Bedeutung,und ihre geschickte Benutzung bietet oft großartige Wirkungen.
Augras, s. Here ml es.
Augsburg, die Hauptstadt im bair. Kreise Schwaben und Neuburg, zwischen derWcrtach und dem Lech, auf der Ebene des Lcchfeldes, 1196 F. über dem Meere, hat 35999 E-,darunter gegen l 3999 Evangelische, und ist der Sitz desGcncralcommiffariats, eines Handels-appellationsgerichls und eines Bischofs. Eng und unregelmäßig gebaut, hat sie doch mehregroße, mit Springbrunnen gezierte öffentliche Plätze und viele schöne Gebäude. Noch immerist sie als ein Hauptsitz deutschen Kunstflcißes und Kunstsinns zu bewachten. Unter denöffentlichen Gebäuden sind besonders merkwürdig der Bischofshof, die ehemalige kaiserlichePfalz, wo 1539 in dem großen Saale, der aber schon vor langer Zeit in mehre Zimmer ge-checkt worden ist, die protestantischen Fürsten dem Kaiser Karl V. ihr Glaubcnsbekenntniß,die sogenannte Augsb urgischc Konfession (s.d.) überreichten; das Nachhaus mit demgoldenen Saale, welches für das schönste in Deutschland gilt; die Fuggerei, 196 kleine, vonden Gebrüdern Fugger 1519 erbaute und zur Wohnung für arme Einwohner der Stadt be-stimmte Häuser, ein Denkmal der Mildthätigkeit dieser reichen augsburger Bürger; die Dom-kirche, deren Bauart ein hohes Alter beurkundet (vgl. Braun's „Beschreibung der augsb.Domkirche", Augsb. 1829), das Hallgcbäude und unter den Privatgebäudcn die schönenHäuser der Freiherren von Liebert und von Schäzler, welcher Letztere seinen Wohlstand zurStiftung mancher herrlichen Anstalt verwendet hat. A. hat ein polytechnisches Realinstitut,ein katholisches Studentenscminar, das 1828 vom Könige errichtet wurde, eine Gemälde-galerie, die besonders für die deutsche Schule von Wichtigkeit ist, sowie mehre andereBücher- und Kunstsammlungen, ein Zeughaus, eine Kunstschule, viele höhere und niedereLehranstalten, eine Menge Manufacturen und Fabriken in Kaliko, Seide, Gold - undSilberarbeit, Stück- und Schriftgießerei, Uhren und Instrumenten; auch ist daselbst die Ex-pedition der 1798 begründeten „Allgemeinen Zeitung". Die augsburger Gold-,und Silber-waaren werden im Auslände geschätzt, und die freilich zum Theil fabrikmäßig behandelteKupferstecherkunst ist ebenfalls ein einträglicher Nahrungszweig für die Stadt. Die Stadttreibt einen beträchtlichen Wechsel- und Speditionshandel, indem sie die wichtigsten Geschäftemit Wien und Italien macht und zugleich ein Stapelplatz für die süddeutschen und ital.Maaren ist; sie ist bereits durch eine Eisenbahn mit München verbunden und wird es innicht ferner Zeit auch mit Nürnberg sein. Ob A. vor Ankunft der Römer in dasiger Gegendvorhanden gewesen sei und den Namen Damasia geführt habe, ist nicht erwiesen; gewiß aber,daß der Kaiser Augustus, ums I. 12 v. Chr., nach der Besiegung der Mndelicier eine Ko-lonie daselbst (XiiAustu Vinclelico, ,,m) anlegte, welche man als den Anfang des heutigenA. anzusehen hat. Im 5. Jahrh. n. Chr. ward es von den Hunnen verwüstet und kam daraufunter die Botmäßigkeit der fränk. Könige. In dem Kriege Karl des Großen mit dem HerzogeThassilo von Baiern wurde es abermals fast gänzlich zerstört. Nach der Thcilung des fränk.Reichs gerieth es unter die Botmäßigkeit der Herzoge in Schwaben, erkaufte aber, durchHandel und Gewerbe bereits reich geworden, von diesen nach und nach seine Freiheit undwurde 1276 eine freieReichsstadt. Jetzt erreichte es den höchsten Gipfel seines Wohlstandesund war nebst Nürnberg einHauptstapelplatz für den Handel des nördlichen Europa mit demSüden, bis gegen Ende des 15. Jahrh. die Entdeckungen der Portugiesen und Spanier demWelthandel eine veränderte Richtung gaben. Ausgebreitete Geschäfte trieben damals nament-lich die Familien Fugger (s. d.) und Welscr (s. d.). In Folge eines Aufstandes der unternBürgerclassen bekam 1368 die bis dahin aristokratische Regierung eine demokratische Form,