Augenpstcge
' in sehr früher Zeit einen wichtigen Thcil der Chirurgie und Medicin, du die Augenfchler undAugenkrankheiten, sowie die aus letztern entstehenden Augenübel um so verschiedenartigerund bedeutender sind, je zusammengesetzter und künstlicher der Bau, und je wichtiger und an-haltender die Thätigkeit des Auges ist. Unter den Augenfehlern sind die vorzüglichsten dieMyopie oder Kurzsichtigkeit (s. d.), die Presbyopie oder Weitsichtigkeit (s. d.) unddas Schielen (s. d.). Die gewöhnlichsten Augenkrankheiten sind Entzündung (s. d.)der Augenlider und der verschiedenen Häute des Auges, sowie her graue und schwarzeStaar (s. d.). Vgl. Beer, „Die Lehre von den Augen" (2 Bde., Wim 1813—l 7), Wel-ler, „Krankheiten des menschlichen Auges" (-1. Aust., Berl. 1830), Benedict, „Handbuchder praktischen Augenheilkunde" (-"> Bde., Lpz. 1822—27), Beck, „Handbuch der Augen-heilkunde" (Heidelb. 1833), Rosas, „Handbuch der theoretischen und praktischen Augen-heilkunde" (3 Bde., Wien 1830,), Jüngken, „Lehre von der Augenheilkunde" (3. Aust.,Berl. 18-12) und Andrea, „Grundriß „der gesummten Augenheilkunde" (2 Bde., Magd.1837—39).— Eine eigene Classe von Ärzten, Ophthalmologen oder Ophthalmia-triker genannt, die sich allein mit Heilung der Augenkrankheiten beschäftigten, bildete sichzu Alexandria schon vor des Celsus Zeit. Doch viele Jahrhunderte ward dann diese Wis-senschaft ^gänzlich vernachlässigt, bis ihr wieder seit dem I7.Jahrh. Franzosen, Eng-länder, Italiener und namentlich Deutsche sich ausschließcnd widmeten. Doch erst in derneuern Zeit wurde die Augenheilkunde zu einem hohen Grade der Vollkommenheit geführt,indem man das Auge als integrirenden Theil des Organismus auffaßte und sich der frühergewohnten örtlichen Behandlung möglichst zu enthalten suchte, und Niemand sich mehr an-maßt, Augenarzt zu sein, der nicht zugleich tüchtiger innerer Arzt ist. Beer, Hinily, Gräfe,Walther, Dzondi, Jüngken, Ammon, Andreä, Jäger, Ritterich haben sich unter den Deut-schen am meisten um die Augenheilkunde verdient gemacht. An einer vollständigen Ge-schichte derselben fehlt es zur Zeit noch; interessante Beiträge dazu enthalten Wallroth's„0;>sit!iaImoIoFia veter»nl" (Halle 1818), Beer's „GeschichtederÄugenheilkunde"(1. Heft,Wien 1813), Ammon's „Kurze Geschichte der Augenheilkunde in Sachsen" (Lpz. 1823),van Onsenoort's „Geschichte derÄugenheilkunde" (aus dem Holländischen, Bonn 1838)und Andreä, „Zur ältesten Geschichte der Augenheilkunde" (Magd. 1821).
Augenmaß, (.Messungen.
Augenpflege nennt man dasjenige Verhalten, welches man beobachten muß, umdas Sehvermögen so gut als nach Umständen möglich ist, zu erhalten. Wie aber Niemandein erkranktes Auge heilen kann, ohne auf den übrigen Körper Rücksicht zu nehmen, so kannauch Niemand seine Augen gesund erhalten, wenn er nicht seinen ganzen Körper auf einezweckmäßige Weise zu pflegen sucht. Diese Pflege muß gleich nach der Geburt beginnen undist hier gerade am nöthigstcn, da das Auge des Neugeborenen am leichtesten von sehr zerstö-renden Krankheiten befallen wird. Abgesehen von der allgemeinen Pflege, bemerken wir hiernur Folgendes: der Ort des Aufenthaltes des Kindes muß zweckmäßig beleuchte! sein undnur nach und nach die Tageshelle bieten, das Sonnenlicht nie auf das Gesicht des Kindes! fallen, wenngleich dessen Lager stets so gestellt werden muß, daß es dem Lichte entgegensieht,
! und alle glänzenden Gegenstände nur vor ihm, nicht hinter oder neben ihm stehen, weil dadurch
s leicht Übersichtigkeit und Schielen herbeigeführt wird. Schleier und Hut muffen das an die
> Luft getragene Kind vor dem Lichte der Sonne hinreichend schützen und jeden Morgen dieAugen sorgfältig mit lauem, später mit kaltem Wasser gereinigt werden; Letzteres muß auch
i der Erwachsene thun, welcher freilich einer beiweitem größeren Menge besonders die Seh-
> kraft schwächender Einflüsse durch Beschäftigung und Lebensweise ausgesetzt ist. Wer dieAugen zu seinen Geschäften häufig anstrengcn, viel lesen, schreiben, feine Gegenstände bear-beiten muß, hat dabei vorzüglich die Wahl der Zeit, die Art, wie man die Augen gebrauchensoll, und die Mittel, mit welchen man ihnen zu Hülfe kommen kann, zu beobachten. Diebeste Zeit zum anstrengenden Gebrauch der Augen ist früh Morgens, überhaupt Vormittagsund am Tage eher als beim Kerzenlichte. Abends ist die Sehkraft durch die Anstrengung denLag hindurch schon mehr erschöpft. Man strenge die Augen nicht lange hintereinander an, ohnesie dazwischen zuweilen ruhen und sich erholen zu lassen. Beim Sehen muß man hinlängliches,
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