626 Auge Augenheilkunde ^
bogenhaut, deren Hintere, mit schwarzen Linien bekleidete Flache die Traubcnhaut heißt.Beide zusammen machen die Iris oder den Augenstern aus. In der Mitte dieser durchsich.tigcn Haut befindet sich die Pupille oder Öffnung des Augensterns, auch Sehe genannt, wo-durch das Licht ins Auge sackt. Die Iris zieht sich wegen ihrer großen Empfindlichkeit gegendas Licht bei Vermehrung desselben zusammen, wodurch die Pupille sich verkleinert, wie sieim Gegentheil bei Verminderung des Lichts sich erweitert. An die braune Haut schließt sichdie Netz- oder Markhaut, eine Verbreitung des durch die harte und braune Haut ins Auge ge-tretenen Sehnerven. Sie schmiegt sich allenthalben bis zum großem Kreise der Strahlen-fasern der braunen Haut an. Die sogenannten Flüssigkeiten oder Feuchtigkeiten des Augesliegen alle in der Mitte der beschriebenen Haute oder sind vielmehr von ihnen umgeben. Dieerste heißt die krystallene oder Morgagni'schc Feuchtigkeit; sie umgibt die Krystalllinse undist zugleich mit dieser von einem besonder» durchsichtigen Häutchen, der Kapsel der Krystall-linse, umgeben. Die Krystalllinse selbst ist ein linsenförmiger, gallertartiger, doch schon etwasfesterer Körper und wird von den Strahlenfasern eingefaßt. Die wässerige Feuchtigkeit er-füllt den vordem Theil des Auges zwischen der Hornhaut und der Kapsel der Krystalllinse.Sie treibt die Hornhaut in die Höhe, ist dünnflüssig und sehr durchsichtig. Sie wird leichtwieder ersetzt, wenn sie durch eine Öffnung in der Hornhaut ausgeflossen ist. Die gläserneFeuchtigkeit füllt die ganze Höhle der Netzhaut aus und nimmt den größten Theil des inncrnAuges ein. Vorn hat sie eine durch die Gestalt der Krystalllinse, die sie berührt, hervorge-brachte Vertiefung und ist ihrem Wesen nach eine sehr durchsichtige Gallerte, die aus feinenZellen besteht, in welchen die Flüssigkeit sich befindet. Die Function des Auges ist das Se-hen(s. Ge sicht). Da es Krankheiten gibt, welche eine theilweise oder gänzliche Zerstörung desAugapfels herbeiführen, so hat man schon frühzeitig versucht, künstliche Au gen von Glasoder Emaille zu formen, auf deren Öberfläche die sichtbaren Theile des gesunden Auges nach-gebildet werden, was in der neuesten Zeit von Desjardins, Boissenau und Hazard-Miraultin Paris zu einer solchen Vollkommenheit gebracht ist, daß ein Erkennen für die Nichtein-geweihten beinahe unmöglich ist. Zu diesem Zweck wird aber auch eine äußerst genaue Ab-bildung des gesunden Auges und eine Form von Wachs oder Blei erfodert, welche den Um-fang und die Form der kranken Augenhöhle und des zu jedem künstlichen Auge nöthigen,noch vorhandenen Stumpfes des Augapfels treu darstcllt, nebst einer Wachsplatte, welchedie Wölbung des gesunden Auges und seine Größenverhältnisse angibt, weil hiernach daskünstliche Auge geformt und gefertigt werden muß, was übrigens so geschieht, daß der In-haber mit leichter Mühe dasselbe behufs der nöthigen Reinigung selbst entfernen und wiedercinsetzen kann.
Auge, die Tochter des Aleus und der Neära, Priesterin der Minerva zu Tegra, zcugiemit Hercules ein Kind, daß sie im Tempel der Göttin verbarg. Als nun zur Strafe fürdiese Entheiligung Unfruchtbarkeit das Land traf, und das Orakel als Grund davon denZorn der Minerva über Entheiligung ihres Tempels angab, ließ Aleus, nachdem er beimDurchsuchen desselben das Kind gefunden, dieses auf dem parthenischen Berge aussctzen,wo es von einer Hirschkuh gesäugt, von Hirten gefunden, erzogen und Telephus genannt >wurde; die Mutter aber übergab er dem Nauplios, um sie zu ermorden; dieser jedoch brachte !sie zum König der Mysier, Teuthras, der sie zur Gattin nahm. Nach einer andern Sage ließ IAleus die A. nebst ihrem Kinde in einem Kasten ins Meer werfen, worin sie in Mysien an jdas Land schwamm. Hygin, wahrscheinlich «ach Euripides, erzählt, daß Teuthras die A.an Kindesstatt angenommen habe, und daß Telephus, um seine Mutter aufzusuchen, nach >Mysien gekommen sei, wo er den Teuthras von der Gefahr, sein Reich zu verlieren, befreithabe. Dafür habe ihm Teuthras die Hand seiner Tochter und das Reich versprochen. Alssich jedoch diese dessen geweigert und gedroht habe, den Telephus zu ermorden, sei von denGöttern ein Drache gesendet worden, der zwischen Beiden hingcfahren. Darübcr sei A. er-schrocken und habe das Schwert fallen lassen, das nun Telephus ergriffen habe und im Be-griff gewesen sei, die A. zu tödten, als er, in Folge dessen, daß letztere den Hercules um Bei-stand anrief, sie als seine Mutter erkannt und von der That abstand. Diese Wiedcrerkcn-nungsscene stellt ein sehr schönes Basrelief im Palast Ruspoli zu Rom dar.
Augenheilkunde, nach dem Griechischen Ophthalmiatrik genannt, bildete schon l