Druckschrift 
1 (1845) A bis Balbuena
Entstehung
Seite
56
Einzelbild herunterladen
 

56 Acereditiren

Harmonie, weshalb man auch öfters einzelne Accorde Harmonien (Dominantharmonie)nennt. Nach der Zahl der verbundenen Klänge heißen die Accorde auch Dreiklänge, Vier-und Fünfklänge, wobei jedoch die bloßen Octavenverdoppelunge» nicht zu zählen sind, oderdrei-, vier- und fünfstimmige Accorde. Die einfachste, befriedigendste Klangverbindung istdie in den Verhältnissen einer großen und einer kleinen Terzie, oder von Grundton (Tonika),Tcrzie (Mediante) und Quinte (Dominante). Ist die untere Terzie die große, so heißt derAccord ein harter (Dur-), ist sie die kleine, ein weicher (Moll-) Dreiklang. Weitere Gestal-tungen des Dreiklangs sind der aus zwei kleinen Terzien bestehende verminderte (weichver-minderte, kleine) Dreiklang, der, in der Molltonart einheimisch, in der Durtonart als unvoll-ständiger Vicrklang dem Gehör sich darstellt; ferner der aus einer großen und einer vermin-derten Terzie gebildete hart verminderte, der selten anders als in seiner dritten Lage angewen-det wird, und der aus zwei großen Terzien bestehende übermäßige Dreiklang, ein Verhältnis,das, durch die Stimmenführung erzeugt, als selbständiges, primitives vom Gehör abgelehntwird. Durch Verlegung des Grundtons in die höhere, oder der Quinte in die tiefere Octaveentstehen die Versetzungen, oder die zweite und dritte Lage des Dreiklangs, der aus Tcrzieund Sexte bestehende Sextaccord, und der von seinen Bestandtheilen benannte Quartscxt-accord. Durch Hinzufügen einer dritten Terzie erhält man die Vierklänge (vierstimmige Ac-corde). Unter ihnen ist der bedeutsamste der aus einer großen und zwei kleinen Terzien beste-hende Haupt - (Dominant-) Septimenaccord (Leitaccord). In ihm spricht sich das jedemVierklang inwohnende Streben nach Verbindung mit einem Dreiklange (Dissonanz-Auflö-sung) am klarsten aus. Er hat auf der fünften Stufe jeder (Dur- und Moll-) Tonleiter(Dominante) seinen Sitz und leitet mit der überzeugenden Kraft eines logischen Schlusses inden Accord der ersten (Tonika, daher tonischer Dreiklang, auch Haupt- oder Grundaccord derTonart). Zn den auf den übrigen Stufen sich bildenden Vierklängen ist dieses Streben nachAuflösung noch stärker, letztere aber theils weniger voll abschließend, theils weniger entschie-den einen bestimmten Accord heischend, weil die Selbständigkeit dieser Accorde oft nur schein-bar ist und Vorhalt- oder Durchgangsnoten in ihnen die Richtung der Auflösung bestimmen.Zuweilen erscheinen sie als Leitaccorde zu Leitaccorden und folgen sich in Ketten von zwei,drei, vier und mehr Gliedern, z. B. die Vierklänge der dritten, sechsten, zweiten, fünftenStufe, der letztere den Schluß herbeiführend. Am stärksten, aber unbestimmtesten, d. h. viel-deutigsten , äußert sich der Drang nach Auflösung in dem aus drei kleinen Terzien bestehen-den verminderten Septimenaccord. Die aus seiner Vieldeutigkeit hervorgehcnde Wichtigkeitfür die Harmonieführung hat ihm in der Harmonik eine selbständige Bedeutung gegeben,die ihm, seiner Natur eines abgeleiteten (durch Auslassung oder Vorhalte entstandenen)Accordes nach, an sich nicht zukommt. Eine hinzugesügte vierte Tcrzie gestaltet den Vier-klang zum Fünfklang (Nonenaccord), der aus der Dominante der Tonart stehend am bedeu-tungsvollsten erscheint und hier die vollständige (große) Dominantharmonie bildet. Er kanndie große oder die kleine None haben; im letztem Falle gibt er durch Verlust des Grundtonsdem verminderten Septimenaccord das Dasein, dessen eine Behandlungsweise hierdurch be-stimmt wird. Gebrochene Accorde heißen diejenigen, deren Töne nicht zugleich, sondern inmehr oder minder schneller Folge nacheinander zu Gehör kommen. Eins der ersten Systemeder Accorde hat Ramcau aufgestellt; es wurde von d'Alembert, nachher in Marburg's System,dem sich das Vogler'sche annähert, und von Türk erläutert; ein anderes Tartini, das manin Rousseau'svictionnsire" dargestellt findet. Dem Kirnberger'schen Accordsysteme, indessenKunst des reinen Satzes", schließt sich das am umfassendsten und planvollsten entwi-ckelte von Gottfc. Weber an. Von der Musik wird der Ausdruck Accord auch auf dieFarbenverhältnisse übergetragen, sowie man auch im Deutschen von einer Zusammenstim-mung der Farben redet; entgegengesetzt dem Grellen, Harten und dem schreienden Kontrastder Farben, welcher durch Mittelfarben vermieden wird. In juristischer Beziehung heißtAccord soviel als Vergleich (s. d.) und Falliment (s. d.).

Acereditiren heißt Jemanden bei einem Andern als bevollmächtigt beglaubigen unddie Gewährleistung seiner Handlungen in dem Umfange seiner Vollmachten übernehmen;so accreditirt der Staat oder Regent desselben mittels eines Accreditivs einen Gesandten oder- Agenten; so der Kaufmann einen Commissionär; so der Banquier durch einen Kreditbrief