AbraxaSsteine Abruzzen 37
sich mit biblischen Studien, trat aber schon 1484 wieder in Ferdinand's Dienste, bis dieallgemeine Austreibung der Juden aus Spanien ihn 1492 auszuwandern nöthigte. Erbegab sich nach Neapel, und nach der Eroberung dieser Stadt durch den König von Frank-reich >495 mit Alfons II. nach Messina, bald darauf nach Korfu, und 1496 nach Mono-poli in Apulien. Hier verweilte er bis 1503, wo er in Aufträgen der porkug. Regierungnach Venedig reiste. In Venedig starb er 1508 und wurde in Padua begraben. A. warein gewandter Geschäftsmann, gelehrt und beredt; sein Stil ist fließend und elegant. SeineLiebe zu den Juden war ebenso feurig wie sein Haß gegen das christliche Rom. Seine inmancher Beziehung sehr schätzbaren Schriften bestehen in theologischen Exegesen des Penta-teuchs, der Propheten und des Daniel, in Commentarien zu der Mischna Abot, zur Pe-sach-Hagada und zu Maimonides, und in mehren Schriften philosophischen oder theologischenInhalts. — Der berühmteste unter seinen drei Söhnen war Je hu da (Leone), der 1502„Dialog!,! lli amore" (Rom 1535 u. öfter) hcrausgab, ein einst viel gelesenes, in verschie-dene Sprachen übersetztes philosophisches Werk in Platonischem Geiste. Im 16. und 17.Jahrh. waren A.'s Nachkommen in Italien, Holland und der Türkei sehr angesehen.
Abraxassteine oder Abraxasgcmmen ist der Name einer Art geschnittenerSteine von sehr verschiedener Form, auf welchen sich neben abenteuerlichen Bildern, meistZusammensetzungen aus menschlichem Rumpf und Armen, Hahnenkopf und Schlangen-leib, oder auch andern Symbolen von vieldeutigem Sinne das griech. Wort Abraxas oderAbrasax findet. Diese Gemmen stammen angeblich aus Syrien, Ägypten und Spanien, undsind in allen Sammlungen in großer Menge vorhanden. Indessen hat man ihnen wol zuviel Werth und Bedeutung beigelegt. Gewiß ist es, daß die gnostische Sekte der Basiti«dianer den Namen Abraxas zuerst und allein gebraucht habe, und es bezeichnet wahrschein-lich dieses Wort nach der Zahlbedeutung der griechischen Buchstaben die Zahl 365, sodaßman weder die altpersische noch die ägyptische Sprache dabei zu Hülfe zu nehmen braucht,wie man oft gethan hat. Aber nicht der höchste Gott, sondern die Eesammtheit der Welt-geister führte diesen Namen bei den Basilidianern. Später ging die Lehre und Sitte dieserPartei durch die Priscillianisten nach Spanien über, von wo aus man namentlich vielesolche Steine erhalten hat. Die gnostischen Symbole wurden nachher von allen magischenund alchymistischcn Sekten und Tendenzen angenommen, und so find auch ohne Zweifeldiese Steine zum allergrößten Theile, diejenigen ausgenommen, welche geradezu betrüge-rische Erfindungen gewesen sein mögen, in den Zeiten des Mittelalters als Talismane ge-fertigt worden. Schon die bunte, wunderliche Zusammensetzung ihrer Bilder kann alsBeweis gelten, daß die Urheber selbst von vielen unter ihnen nichts Bestimmtes dabei ge-dacht , vielmehr nur aus bekannten Symbolen aller Art, oder auch aus eigener PhantasieBilder und Aufschrift auf ihnen zusammengesetzt haben. Äuf ähnliche Weise hak auch Äöppin der „kalaeogrspliia critic-t" (Bd. 3) über diese Gemmen geurtheilt. Vgl. Dellcrmann,„Über die Gemmen der Alten mit dem Abraxasbilde" (3 Stücke, Berl. 1817 — 19), ver-vollständigt durch Matter in der „Histoire criti^ue clu giiosticisine" (2 Bde., Par. 1828).
Abruzzen heißt der nördliche Theil des Königreichs Neapel, welcher im Nordwcstenund Westen an den Kirchenstaat, nordöstlich an das Adriatische Meer, südöstlich an Apulienund südlich an Terra di Lavoro grenzt, auf 236 IHM. 788000 E. hat und in Abruzwulteriore 1 und 11, den nordwestlichen, und Abruzzo citeriore, den südöstlichen Theil zer-fällt. Das Hochland der Abruzzen bildet den wildesten und höchsten Theil des apenninischenGebirgssystems. Der lang gestreckte hohe Gebirgskessel wird bewässert von dem Alternound Gizio, die sich zur Pescara vereinen; die gespaltene Apenninkettc umfaßt ihn in pitto-resken Formen, trägt östlich den höchsten Gipfel der italischen Halbinsel im Gran Saffod'Jtalia (8882 F. hoch) und auf der westlichen Kette den Monte Velino (7684 F. hoch),während Aquila auf der Scheitelfläche 2252 F. über dem Meere liegt. Das Gebirgslandfällt steil zu allen Seiten ab, am steilsten aber zum Adriatischen Meere, zerrissen durch riefeSchluchten reißender Gebirgswasser, während sich östlich der Subapennin in terrassenför-miger Absteigung anlegt. Das Klima der Abruzzen ist rauh; Schnee bedeckt die Gipfelder Berge vom Oct. bis Apr., dichte Wälder krönen die Höhen; nm die Thäler sind frucht-bar. Mandel-, Nuß- und andere Obstbäume gedeihen überall, Ölbäume in den liefern