28 Abhärtung Abildgaard
ist, vertieft darstellt. Wird nun diese Form wieder mit einer weichen fügsamen Masse aus-gcgossen, so gewinnt man ein das Original treu darstellendes Abbild, welches Abguß ge-nannt wird. Ganze Körper können natürlich nicht auf einmal, sondern nur stückweise ab-geformt werden. Dadurch entstehen auf den Abgüssen feine erhöhte Streifen, sogenannteNähte, , welche dann oerschnitten und polirt werden, wodurch aber allerdings zuweilen einzarter Übergang verloren geht, weshalb Kenner den Abgüssen mit Nähten vor den polirtenden Vorzug geben. Unter den Sammlungen von Gypsabgüsscn ist die Mengs'sche Samm-lung in Dresden vorzüglich berühmt. Abgüsse aus bloßer Töpfererde werden ungleich undverschwinden aus ihren Verhältnissen- sie verkürzen sich um mehr als den sechsten Theil.
Abhärtung nennt man gewöhnlich dasjenige diätetische Verfahren, wodurch der Kör-per gegen nachtheilige äußere Einwirkungen unempfindlich gemacht und die Muskelkraftmöglichst erhöht wird. Im Allgemeinen dienen dazu einfache, aber kräftige Kost, Mäßigkeitin allen Genüssen, Aufenthalt in freier, reiner Luft, starke Bewegung und Stärkung des in-nern Lebens. Kälte stärkt und Wärme schwächt den Körper in der Regel; aber auch jene wirktin höhern Graden schwächend, und diese im mäßigen Grade stärkend. Die Abhärtung ist beson-ders Gegenstand der Erziehung und wird in der Regel bewirkt ohne absichtliche Veranstaltun-gen durch die ganze Lebensweise des Kindes und das Beispiel der Erwachsenen. Oft aber, undnamentlich bei weniger cultivirten Völkern, z. B. Russen, Tataren, Irokesen u. s.w., wirddie Abhärtung der Kinder durch Eintauchen der Neugeborenen in kaltes Wasser, leichte Be-kleidung, Entziehung der Nahrung für einige Zech Tattowiren und andere Mittel absichtlichherbeigcführt. Auf der höchsten Stufe erscheint diese abhärtcndc Erziehung bei den Sparta-nern, auch bei den Kretern, überhaupt in den dorischen Staaten Altgriechenlands. Bei denRömern findet sich eine solche abhärtende Erziehung nicht; aber sie gewöhnten die Jugendfrüh an Mäßigkeit und Enthaltsamkeit, und nur in der spätem Zeit versanken sie in Weich-lichkeit. Während des Mittelalters wurde namentlich bei den germanischen Stämmen derKörper abgehärtet, jedoch ohne künstliche Mittel; aber nach dem Untergange des Ritter-thums und mit dem Emporkommen größerer geistigen Cultur wurde die Erziehung weichlich.Das Verkehrte daran sah man zuerst in England ein, von wo aus sich gegen das Ende des18. Jahrh. auch nach Deutschland eine streng abhärtende Erziehung verbreitete, die in argeÜbertreibung verfallend, schon aus Knaben Herculcsse machen wollte. Durch Baden kleinerKinder in kaltem Wasser, hartes Nachtlager, leichte Bekleidung, Hungernlassen, durch eineMenge körperlicher Übungen suchte man die Abhärtung zu bewirken. Eine solche Übertrei-bung schadet aber weit mehr als sie nützt. Denn sie ist unfern Culturverhältnissen nicht an-gemessen und der Natur entgegen, die für das jüngere Lebensalter einen gewissen Wärme-grad, Weichheit und Bequemlichkeit fodert. Sie wirkt eher nachtheilig und zerstörend aufden Organismus ein, besonders bei schwächlichen Kindern; sie bringt die zarten Wesen umdie Weichheit und Süßigkeit ihres Kindesalters; sie ertödtet die Zartheit und Sanftheit desGemüthes und macht unempfindlich wie gegen den Schmerz, so gegen die Freude; sie raubtselbst dem Körper Biegsamkeit, Geschmeidigkeit und Gewandtheit. Die. Erziehung muß derVerweichlichung hauptsächlich dadurch entgegenwirken, daß sie der Jugend alle nicht noth-wendigen Bedürfnisse so viel als möglich entbehrlich zu machen sucht, wobei aber die Cultur-verhältnisse, körperliche Constitution, Alter, Geschlecht und selbst der Stand zu berücksichtigensind. Dadurch, sowie durch angemessenekörperliche Thätigkeit und Kräftigung des innern Le-bens, erhält der Körper Energie, um nachtheiligen Einflüssen zu widerstehen. Die ge-wöhnlichen gymnastischen Übungen sind zur Abhärtung nur mit größter Vorsicht zu gebrau-chen , kleine Fußreisen aber besonders zu empfehlen. Die Abhärtung einzelner Theile und Glie-der des Körpers, wozu hin und wieder Vorschriften und künstliche Mittel angegeben werden,ist ohne Werth, jameist mehr nachtheilig. Vgl. Hoppe, „Wie härtet man die Haut ab?Mit Darlegung der gesammten Abhärtungslehren beantwortet" (Berl. 1839).
Abildgaard ist der Name einer in Dänemark berühmten Familie. Sören A., gest.1791, lieferte genaue Zeichnungen verschiedener Denkmäler des nordischen Alterthums, indemer in dieser Hinsicht auf öffentliche Kosten Dänemark bereiste. — Sein ältester Sohn, PeterChristian A., gest. 1891, war Stifter der Veterinairschule zu Kopenhagen, sowie der Na-turhistorischen Gesellschaft daselbst. Mehre seiner Schriften finden sich in den Sammlun-