Abgaben Abgüsse 27
Plasticität des Blutes vermindern, den Beinamen der antiphlogistischen Abführ-mittel erhalten haben; in stärkern Dosen bilden sie mit dem Kalomel, Schwefel, Rhabar-ber, der Zalape und den ranzigen Ölen die Classe der Purgantia; als Drastica endlichwerden angewendet Jalapenharz, Aloe, Gummigutti, Coloquinthen und Crotonöl. Diegeeignetste Zeit für die Anwendung sämmtlicher Abführmittel ist der Morgen, wo überhauptder Verflüssigungsproceß und mit ihm die Ercretionen vorherrschen; die Laxantia eignen sicham besten für das kindliche Alter und weibliche Geschlecht, sowie für schwächliche, reizbarePersonen; die Purgantia für die Blütenjahre und da, wo eine übermäßige Plastik zu min-dern, eine üppige Vegetation herabzusehen und ein zu gewaltiger Sturm in der Reaction desGefäßsystems zu brechen ist, daher sie auch die Hauptmittel bei Entzündungen und entzünd-lichen Fiebern bilden. Der Arzt bedient sich ihrer nämlich überall da, wo er die Aufgabehat, eine kräftige Krise durch den Darm herbeizuführen; da dies nun zu bestimmten Zeitenunter Vermittlung der epidemischen Constitution, welche deshalb auch die gastrische heißt,bei der Mehrzahl der Krankheiten der Fall ist, so wurde das Abführen überhaupt zu einer be-sondern Heilmethode erhoben, diese sogenannte abführende Methode, welche von Al-ters her schon mit der Schwitzmethode um den Vorrang stritt und diese seit den Zeitendes dreißigjährigen Krieges verdrängte, machte sich vorzüglich zu den Zeiten M. Stoll'sgeltend, wo sie selbst unter dem Volke so heimisch wurde, daß in jeder Hauswirthschaft beson-ders die Kinder alle vier Wochen ihre Dosis Rhabarber bekamen. Zwar wurde sie durch denAustritt der nervösen Constitution zu Ende des vorigen Jahrh., welche in Brown ihrentherapeutischen Repräsentanten fand, verdrängt, doch gelang es ihr, wie zu Sydenham'sZeit, seit demJ. >811, wenn auch nicht als Methode, doch als Curverfahren sich wiederGeltung zu verschaffen. Die Drastica eignen sich besonders für das männliche Geschlecht,namentlich wenn cs gilt, eine kräftige Resorption und wässerige Ausscheidungen durch denDarm herbeizuführen, daher sie auch als sogenannte Hydragoga bekannt sind.
Abgaben s. Steuern.
Abgar mit dem Beinamen Uchomo, d. i. der Schwarze, Beherrscher des osrhoeni-schen Reichs zu Edessa in Mesopotamien, war ein Zeitgenosse des Augustus und TiberiusDie Unechtheit seines seine Heilung betreffenden Briefwechsels mit Christus, der zuerst imAnfänge des 4. Jahrh. von Eusebius erwähnt wird, erhellt unter Anderen schon daraus, daßin dem Schreiben Jesu Stellen aus dem Evangelium citirt sind. Im Bilderstreite kam auchein Bild Christi zur Sprache, welches dieser an A. gesendet haben sollte; der Besitz desselbenist jetzt zwischen Rom und Genua streitig.
Abgott wird am meisten im uneigentlichen Sinne gebraucht von Dingen, biederMensch als sein höchstes Gut achtet; in diesem Sinne sagt man von einem Geizigen: dasGeld ist sein Abgott, oder von einem Verliebten: er betet seine Geliebte an. Es verrücktdemnach diese Art der Abgötterei das sittliche Lebensziel des Menschen, indem ein sinnlicherGegenstand ihn dermaßen beschäftigt, daß er an seine höhere Bestimmung gar nicht zu den-ken vermag. Als religiöse Denkart betrachtet, ist Abgötterei die göttliche Verehrung einesWesens, das nicht Gott ist; sie fällt meist mit I d o l o l a t r i e (s. d.) zusammen und wird zumPolytheismus (si d.). Zu schwach an Vernunft, um das höchste Wesen in seiner Ein-heit und als etwas Übersinnliches zu denken, stellt der Mensch hier die Kräfte der Naturrmd Alles, was ihm besonders wichtig ist, unter Bildern dar, denen er die höchste Ehrfurchtbeweist. Diese Wahrnehmung können wir bei allen auf einer noch nieder» Stufe der geisti-gen Ausbildung stehenden Völkern machen. . Ein solcher Abgott war das goldene Kalb derIsraeliten in der Wüste, der Apis bei den Ägyptern, sowie in erzkatholischen Ländern dieMonstranz, welche der gemeine Haufe den Herrgott nennt. Die unterste Stufe ist derFetischismus (s. d.).
Abgüsse nennt man die Nachformungen von Werken der bildenden Kunst durch Aus-gießung einer weichen, nach und nach sich verhärtenden Masse. Behufs des Abgusses über-zieht man zunächst das Original, und zwar wenn es ein vollkommen rundes Bild ist, mitGyps oder Thon, halbrunde auch mit Wachs, Schwefel, Glas oder Metall, und nimmt dieMasse, wenn sie erhärtet ist, mit Sorgfalt ab. Auf diese Weise erhält man einen Abklatsch(s. d.), d. i. eine Form, welche, was im Original vertieft ist, erhaben, und was dort erhaben