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Abendmahl 21
angeschlossen, aber auch nach Abschaffung der Liebesmahle als besonderer Ritus beim Got-tesdienste beibehaltcn wurde. Nach Justin dem Märtyrer (2. Jahrh.) nahm am Ende desGottesdienstes der Vorsteher Brot und mit Wasser gemischten Wein, sprach darüber einfeierliches Dankgebet und ließ dann das so geweihte Brot und den Wein durch die Diako-nen unter die Anwesenden verlheilen. Den Abwesenden wurde es zugeschickt.
Ein Lehrtypus über die Natur und Kraft des Abendmahls war aber nicht festgesetzt,und die Meinungen in der Kirche waren darüber bis zum 9. Jahrh. herab frei und daherverschieden. Doch schon im 2. Jahrh. singen die Kirchenlehrer aus der alexandrinischenSchule an, das Abendmahl als ein Mysterium zu betrachten, d. i. als eine Feier, wodurchman auf eine geheimnißvolle Weise des Göttlichen in Christo, des Logos, theilhaft und da-durch zur Unverweslichkeit vorbereitet werde, eine Meinung, die auch in die afrikanischeKirche überging. Ebenso frühzeitig wurde das Abendmahl als ein Opfer angesehen, dasman Gott darbringe, und die afrikanische Kirche erstreckte die Wirksamkeit dieses Opfersauch auf Verstorbene, besonders auf die Märtyrer. Die Vorstellungen, daß das Abendmahlein Opfer sei, daß eine wirkliche Vereinigung des Leibes Christi mit den Zeichen stattsinde,und daß wir durch Brot und Wein in eine wesentliche Verbindung mit dem verherrlichtenChristus kommen, waren zwar immer in der Kirche die herrschenden, aber in der nähern Be-stimmung dieser Vorstellungen herrschte große Verschiedenheit. Erst im 9. Jahrh. kam csdarüber zur Entscheidung. Der Abt des Klosters zu Korvei, Paschasius Nadbert, lehrte inseiner Schrift „1)c corpore et sanAiiiue <io,ni»i", nach der Consecration bleibe im Abend-mahle von Brot und Wein nur die äußerliche Gestalt (ügura) nebst Geruch und Ge-schmack übrig, aber ihr Wesen (Substanz) werde durch die priesterlichc Consecration in denLeib und das Blut Christi verwandelt, wie dieser Leib von Maria geboren, gekreuzigtund wieder auferweckt worden sei. Obgleich iiestr Vorstellung anfangs viel widersprochenwurde, so war sie doch der gangbaren Vorstellung von der wesentlichen Vereinigung desLeibes Christi mit dcn Zeichen zu günstig, als daß der Widerspruch von Dauer hätte seinkönnen. Jm J. 1215 wurde auf einer Kirchenversammlung im Lateran zu Nom vomPapste Jnnocen; lll. der Lehrsatz Radbert's, oder wie man es ausdrückt, die Transsub-stantiation für rechtgläubig erklärt, wobei es in der rüm.-kathol. Kirche auch geblie-ben ist. Als Folge dieses Lehrsatzes führte man ein die Aufhebung (slevatio) der Hostie,damit die Gemeinde den Leib des Herrn anbete; die Aufbewahrung (asssrvatio) der Hostieund endlich ihre feierliche Umtragung (circiim^sstatio) beim Frohnleichnamsfeste. Auchdie griech. Kirche hat in ihren neuern Bekenntnißschriften die Lehre von der Verwandlungder Symbole durch die Consecration angenommen. Eine Folge dieser Lehre war, daß mananfing, aus Furcht, vom Blute Christi etwas zu vergießen, den Laien den Kelch nicht mehrzu reichen, was man dam.it entschuldigte, daß ja im Leibe Christi auch schon -dessen Blut ent-halten sei (Concomitanz). Die Synode zu Kostnitz im I. >115 machte die Entziehungdes Kelchs gesetzlich; die griech. Kirche aber ist hierin dem Beispiele der röm. nicht ge-folgt. Auch unterließ man in der röm. Kirche das Brotbrechen, damit nichts von demLeibe Christi verloren gehe. Früher hatte man runde Brotkuchen, die man brach, undvon denen man die Stücke den Communicanten gab, die sie selbst zum Munde führten. Im11. Jahrh. wurde dies abgeschafft und die nun aufkommenden Oblaten wurden dem Com-municanten von dem Priester ungebrochen in den Mund gegeben. Die ganze Lehre undalle die Gebräuche, die sich bis zur Reformation in der abendländischen Kirche gebildet hat-ten, wurden von der röm.-kathol. auf dem Concilium zu Trident für immer bestätigt.
Luther behielt anfangs die kathol. Lehre vom Äbmdmahle bei und verwarf nur dieEntziehung des Kelchs (daher er diesen den Laien reichte), die Kauf- und Seelmessen unddas Dogma, daß in der Messe Gott der Leib Christi als ein Opfer dargebracht werde. Dennnicht nur die Augsburgische Confessio» drückte sich der Lehre von der Transsubstantiation ge-mäß aus, sondern noch mehr geschah dieses in der Apologie der Confessio», in welcher die kathol.Vorstellung ganz entschieden enthalten ist. Erst später in dcn Schmalkaldischen Artikeln im I.1597 erklärte Luther die Transsubstantiation für eine spitzige Sophisterei und sprach aus:„Brot und Wein se i der wahrhaftige Leib und Blut Christi" und werde ebenso wol von bösenals von frommen Christen empfangen. Da Mclanchtho» und seine Schule sich zu Calviu's