2» - Abendmahl
sich sehr häufig kurz vor und nach dem Untergange der Sonne am Abendhimmel zeigt, ganzähnlich derjenigen, welche um die Zeit des Sonnenaufgangs am Morgenhimmel gesehenwird, und auf dieselbe Weise zu erklären. Da nämlich die Luft die Eigenschaft hat, von densie treffenden Lichtstrahlen vorzugsweise die rothcn und gelben durchzulafsen, die blauen aberzurückzuwerfe», so erhalten die am Horizonte in der Nähe der Sonne stehenden Dünste undWolken, beleuchtet von den Sonnenstrahlen, welche einen viel längern Weg als bei hohemStande der Sonne innerhalb der Atmosphäre zurücklegen müssen und daher einen großenTheil ihrer blauen Strahlen verlieren, eine röthliche Färbung und erscheinen uns in dieser,weil die wässerigen Dünste das empfangene Licht ziemlich unverändert zurückwerfcn. ImAllgemeinen betrachtet man eine starke Abcndröthe als eine günstige Vorbedeutung für dieWitterung des folgenden Tages, während Morgenröthe für ein ungünstiges Zeichen gllt,was auch in der That auf alter Erfahrung beruht, aber keineswegs in allen Fällen zutrifftIst der Himmel schön blau und wird im Westen mit einem leichten Purpurroth überzogen,so bedeutet dies fortdauernd gutes Wetter, sowie auch einzelne geröthete Wolken nach län-gen» Negenwettcr auf Wiederkehr besserer Witterung deuten; aber eine weißlichgclbeAbendröthe ist kein gutes Zeichen, und geht dabei die Sonne selbst in weißem Glanze unter,so ist stürmisches Wetter zu erwarten. Dasselbe gilt von einer röthlichgrauen Abendröthe,durch welche man die Sonne kaum bemerken kann. — Abendstern, s. Hesperus.
Abendmahl (das heilige), des Herrn Abendmahl oder Nachtmahl (coenitckoiniiü), weil es Christus am Ende der Abendmahlzeit einsetzte, 4uch Eucharistie (Dank-sagung) genannt, weil Brot und Wein durch Dankgebete geweiht wurden, oder Com mu-rr i o n (comimiirio), wegen Gemeinsamkeit des Genusses, ist, die Quäker ausgenommen, nachder Überzeugung aller christlichen Parteien ein Sacrament. Die Vorstellungen aber von seinerNatur und Wirkung waren und sind bei den Christen immer sehr verschieden. Die Einsetzungdes Abendmahls berichten Matthäus (26, 26—29), Marcus(14, 22—25), (Lucas22, IS—2l) und Paulus (IKor. 11, 23—25). Das spät geschriebene Evangelium des Johanneserzählt die Einsetzung nicht, spricht aber (6, 47 — 58) die schon im 2.Jahrh. vorhandene my-stische Vorstellung aus, daß im Abendmahle dem Genießenden der göttliche Logos mitge-theilt werde, der die Seelen unsterblich mache. Der Sinn der von Jesu vorgcnommenenHandlung ergibt sich aus der Veranlassung dazu und aus den dabei gebrauchten Worten.Die Veranlassung dazu war das jüdische Passahmahl, wo ein Lamm verzehrt wurde untersymbolischen Reden und Hindeutungen auf die mosaische Bundesstiftung und auf Rettungvon dem Tode des Würgengels. Am Ende dieser Mahlzeit nahm Christus Brot, brach esund gabs den Jüngern als Symbol Dessen, was mit seinem Leibe geschehen werde; und ernahm Wein, goß ihn aus in den Becher und gab ihn den Jüngern als Symbol Dessen, wasmit seinem Blute geschehen werde. Die Handlungen des Brechens und Ausgießens warensymbolisch, und die dabei gesprochenen Worte deuteten den Sinn des Symbolischen an. Esist fehlerhaft in dem Ausdrucke „das ist (mein Leib)" zu klügeln, denn in der aramäischenSprache bediente sich wahrscheinlich Christus des Zeitwortes „ist" nicht. Ebenso ist es feh-lerhaft, nur auf die Worte zu sehen „das ist mein Leib", „mein Blut", und Dessen zu ver-gessen, was beigefügt und was die Hauptsache ist, nämlich „mein Leib, der für euch ge-brochen", „mein Blut, das für euch vergossen wird". Beides ist theilweise Beschreibungdes Kreuzestodes, wo der Leib des Herrn gebrochen und sein Blut vergossen wurde. Dasgebrochene Brot und der ausgegossene Wein sollten daher eine sinnbildliche Darstellung desKreuzestodes sein. Die Ausdrücke aber „neuer Bund in meinem Blute, das für euch ver-gossen wird zur Vergebung der Sünde", zeigen, daß Christus sich dabei als ein Opfer fürdie Sünden der Welt betrachtete, und zwar als ein Bundesopfer (2 Mos. 24, 8), durch wel-ches ein neuer Bund zwischen Gott und Menschen gestiftet worden sei. Das Opfer ab«seht Jesus in seinen Kreuzestod, nicht in den Genuß von Brot und Wein, daher es irrig war,daß man bald das Abendmahl für eine Wiederholung des Opfers Christi erklärte, bald ab«ihm wenigstens eine sündentilgende Kraft zuschrieb. Der Zusatz „solches thut zu meinem -Gedächtniß" zeigt, daß Christus wollte, die symbolische Handlung solle wiederholt werden,daher wir sie auch schon bei Paulus (l Kor. 19) als stehenden Ritus finden, welcher an diegemeinschaftlichen Abendmahlzeiten der Christen, die sogenannten Lieb es mahle (s. d.)