Druckschrift 
1 (1845) A bis Balbuena
Entstehung
Seite
13
Einzelbild herunterladen
 

Abdallah Abd-el-Kader 13

vier Festungen: Sukum, Tambor, Pihunda und Gagra, die zugleich die Hauptplähe desganzen Landes sind.

Abdallah, im Arabischen so viel als Gottesknecht, hieß der Vater des ProphetenMohammed; auch führten diesen Namen mehre andere Verwandte und Gefährten des Pro-pheten, wie er denn auch häufig unter den Khalifen in Asien und Spanien vorkommt.

Abdampfen nennt man jene in der Chemie, Pharmacie und manchen Gewerben,besonders bei der Zuckerfabrikation, vorkommende Operation, deren Zweck es ist, einen in einerFlüssigkeit aufgelösten festen Körper dadurch abzuscheiden, daß man die auflösende Flüssig-keit in Dampfgestalt ganz oder wenigstens so weit wegtreibt, daß die concentrirte syrups-dicke Auflösung krystallisircn kann. Es geschieht dies meist mit Hülfe des Feuers; woaber der aufgelöste Körper durch Hitze leicht zersetzt wird, da sucht man durch besondere Ab-dampfapparate die Einwirkung der Hitze entweder durch Anwendung von Wasserdäm-pfen oder durch Verdünnung des Luftraums über der Flüssigkeit, oder durch große Ausbrei-tung der Oberfläche zu mäßigen und abzukürzen.

Abdecker, Caviller oder Feldmeister heißen Diejenigen, welche sich mit derWegschaffung, Ablederung und Verscharruyg gefallener Thiere beschäftigen. In frü-her» Zeiten war das Eigenthum der Abdeckereien theils mit den Rittergütern verbun-den, theils der Commun gehörig; jetzt ist es aber fast überall in die Hände der Abdeckerselbst und zwar käuflich übergegangcn. Alle Abdecker beanspruchen das Recht aufÜberlassungdes gefallenen Viehes, welches Recht jedoch an verschiedenen Orten verschiedene Modifika-tionen, besonders in Hinsicht Dessen, was der Abdecker von dem gefallenen Viehe dem Ei-genthümer desselben zurückgeben oder an Geld gewähren muß, erleidet. Da das Gewerbeder Abdecker für Landwirthschaft, Staat und Moral von ungünstigem Einflüsse ist, so warman in neuester Zeit bemüht, dasselbe der Ablösung zu unterwerfen; doch hat sich dies bis-her noch nicht realisirt, obgleich die Vortheile, welche aus der Aufhebung der Cavillereien,namentlich für Landwirthschaft und Staat, hervorgehen würden, nicht unbedeutend sind.Der Abdecker ist nach deutschem Rechte anrüchig (s. Anrüchigkeit), aber keineswegs ehr-los; seine Kinder, wenn sie nicht das Geschäft des Vaters betreiben, sind im Besitze dervollen bürgerlichen Ehre, und die letztere oder vielmehr Das, was ihnen daran fehlte, kann dengewesenen Abdeckern auch von Staatswegen ertheilt werden. (S. auch Scharfrichter.)

Abd-el-Kader, eigentlich El-HadschiAbd-el-Kader-Ulid-Mahiddin,in der neuesten Zeit neben Mehemed Ali die bedeutendste Persönlichkeit der ganzen mo-hammedanischen Welt, ans einer MKabntfamlsie'Hbm Stamme Haschem, die ihrenStammbaum bis zu den Fatimitischen Khalifen hinaufführt, ward um das I. 1807 in derseiner Familie angehörigen Ghetna, einer Unterrichtsanstalt für Marabuts, unweit Maskara,geboren. Schon sein Vater, der 1834 starb, übte als ein für heilig gehaltener Marabut großenEinfluß auf seine Landsleute und trug denselben auf seinen Sohn über. Seine Mutter,Zora, die ebenfalls in dem Rufe der Heiligkeit steht, ist eine durch Charakter, Geist und Ein-sicht höchst bedeutende Frau, die diese Eigenschaften ihrem Sohne mittheilte. A. machte inseinem achten Jahre mit seinem Vater die Wallfahrt nach Mekka, weswegen er den Beina-men El-Hadschi, d. i. der Pilger, führt, und 1827 besuchte er Ägypten, wo er in Kairo undAlexandrien zuerst mit abendländischer Bildung in Berührung kam. Religiöse Schwär-merei und Melancholie sind die hervorstechendsten Züge in seinem Äußern. Schon früh-zeitig zeigte er ungewöhnliche Geistesgaben und auf der hohen Schule zu Fez erwarb er sichKenntnisse in den Bereichen arabischen Wissens. Er ist frei von der rohen Grausamkeit,sowie von der leidenschaftlichen geschlechtlichen Sinnlichkeit der Araber, hält auf Reinheitder Sitten und läßt sich nicht von Zorn oder andern Leidenschaften Hinreißen. Dafür spre-chen, daß er das Abschneiden der Köpfe der getädteten Feinde bei den ihm untergebenenStämmen in neuester Zeit abgeschafft und eine mildere Behandlung der Gefangenen einge-führt, daß er nur eine einzige Frau hat, daß er die Todesstrafe für den Ehebruch mit einerminder strengen Strafe vertauscht und dagegen auf das Laster der Päderastie Erdrosse-lung gesetzt hat. Zwar hält er mit dem glühendsten Eifer an dem Glauben seines Volkesund weiß den Fanatismus desselben zu seinen wichtigsten Hülfsquellen zu machen; dessen-ungeachtet theilt er die fanatische Intoleranz der Mehrzahl desselben nicht. Die ihm unter-