Abbot Abbt U
mischt- oder relativ-öffentlicher Strafen machen wollen. Alle drei kommen bloß bei Injurienvor und bezwecken eine Gcnugthuung für den Beleidigten durch eine gewisse bestimmte Erklä-rung des Beleidigers, welche bei der Ehrenerklärung überhaupt nur dahin geht, die Absichtzu beleidigen (den snimus injiirisndi) zu widerlegen, während der Widerruf bei der Behaup-tung unwahrer Thatsachen, die Abbitte endlich bei unzweifelhaften Beleidigungen stattfin-det. Nur die letztere enthält daher zugleich den Ausdruck der Reue und die Bitte um Ver-zeihung. Die geschichtliche Ausbildung dieser Strafen läßt sich nicht weit genug zurückver-folgen, um mit Bestimmtheit über ihren Ursprung urtheilen zu können. Dem röm. Rechtefind sie fremd; wahrscheinlich beruhen sie auf germanischer Rechtssitte und stehen im Zu-sammenhangs mit dem altdeutschen Compositionensystem, find aber vorzüglich unter demEinflüsse des kanonischen Rechts und besonders der Kirchendisciplin in Gebrauch gekommen.In neuerer Zeit hat man sich sowol von ihrer theilweisen Unausführbarkeit als von ihrerUnangemessenheit und den nachtheiligen Folgen derselben überzeugt, und sie sind daher inden meisten deutschen Ländern abgeschafft worden.
Abbot (Charles), s. Colchester.
Abbreviatoren heißen Geheimschreiber der päpstlichen Kanzlei, welche die Conceptezu den päpstlichen Breven oder andern Sendschreiben entwerfen und eintragen, sie nach ge-schehener Reinschrift mit dem Originale vergleichen und mit den üblichen Liquidationen andie Dataria ausfertigen, wo das Datum dazu gesetzt wird. Sie werden zuerst in der erstenHälfte des I -t.Jahrh. erwähnt, wurden von Paul 11. ihrer Bestechlichkeit wegen abgeschafft,später aber wiederhergestellt. Ihre Zahl stieg bis auf 72, von denen 12 den Rang und dieKleidung der Prälaten hatten, 22 niedere Geistliche, die übrigen Laien waren. Jetzt hat sichmit ihren früher sehr bedeutenden Einkünften auch ihre Zahl vermindert.
Abbreviaturen, Abkürzungszeichen, bei den Römern uotae oder cowpenllia 5cri-denrii genannt. Um beim Schreiben Zeit und Raum zu gewinnen, oder damit das Geschrie-bene nicht von Jedermann gelesen werden könne, erfand man Schriftabkürzungen und anderebesondere Zeichen. Schon bei den Römern unterschied man dreierlei Arten: Abkürzungganzer Wörter und Sylben (sigls), Vertauschung der Buchstaben bei der Geheimschriftund willkürlich erfundene Zeichen, wie wir sie noch jetzt, namentlich in der Mathematik undChemie, anwenden. Die rigla waren wieder dreifacher Art, je nachdem man Sylben, Wör-ter oder Sätze abkürzte. Die letztgenannten Abkürzungsweisen nannte man auch nota«liruoisnse, nach Tullius Tiro, dem gelehrten Freigelassenen des Cicero. Indessen ist we-der er noch Ennius, der 1100 solcher Zeichen erfunden haben soll, der erste Erfinder dersel-ben. Sie wurden immer häufiger, und L. Annäus Seneca konnte ihrer schon 5000 sam-meln. Wie die Römer, so haben auch andere Völker mehr oder minder allgemein angenom-mene Abkürzungen, die in vielen Werken erklärt sind, in Rücksicht aber auf die frühestenZeiten manche Vieldeutigkeit zulassen. (S. auch Stenographie.)
Abbt (Thomas), ein philosophischer Schriftsteller, geb. 25. Nov. 1738 zu Ulm,gest. zu Bückeburg 3. Nov. 1766, entwickelte früh seine vortrefflichen Anlagen undseinen Geschmack für die Wissenschaften. Er bezog 1756 die Universität zu Halle, wo er,der Theologie entsagend, für die er sich anfangs bestimmt hatte, Philosophie und Mathema-tik studirte, und wurde 1760 außerordentlicher Professor der Philosophie an der Universitätzu Frankfurt a. d. O. Hier schrieb er mitten im Getümmel des Kriegs seine Abhand-lung „Vom Tod fürs Vaterland" (Berl. l 7 6 1 ). Das Jahr darauf folgte er einem Rufeals Professor der Mathematik nach Rinteln und benutzte den ihm bewilligten halbjährigen-Urlaub zu einer Reste nach Berlin, wo er thätiger Thcilnehmer an den „Literaturbricfen"wurde. Das öde Rinteln machte ihn dem akademischen Leben abgeneigt, und er fing an dieRechte zu studiren, um einst ein bürgerliches Amt bekleiden zu können. Nach der Rückkehrvon einer Reise in das südliche Deutschland, die Schweiz und einen Thcil Frankreichs im I.1763 begründete er seinen Ruhm besonders durch das Werk „Vom Verdienst" (Berl.1765), das sich durch feine Bemerkungen und treffliche praktische Philosophie auszeichnet.Der Graf Wilhelm von Schaumburg-Lippc, der ihm mit besonderer Freundschaft zugethanwar, ernannte ihn 1765 zum Hof-, Regierungs- und Consistorialrath zu Bückeburg; alleinnur ein Jahr war es ihm vergönnt, diesen Posten zu bekleiden. A.'s Ausdruck ist anmuthig