Abbas Abbaß Mirza 9
Carlos stand, verbanden. Diesem Verhältnis! verdankte er 1826 seine Ernennung zumStaatsrakh, eine Stellung, welche ihm zur unmittelbaren Theilnahme an den wichtigstenStaatsangelegenheiten verhalf und die er eifrig zur Erreichung der Zwecke seiner Partei be-nutzte, bis er wegen seiner Umtriebe zu Gunsten des Don Carlos aus der Hauptstadt ver-bannt wurde. Bei der Veränderung in der Thronfolge, die Ferdinand V I l. zu Gunsten seinerTochter vornahm, protestirte er laut gegen diese Staatshandlung und nahm nach dem Tode desKönigs an der ersten karlistischen Bewegung in Vittoria und Logrono Theil. Nach dem Mislin-gen derselben begab er sich heimlich zu Don Carlos nach Portugal, den er von da nach Eng-.and begleitete. Hier war er einer von dessen einflußreichsten Rathgebern und nach der Ab-reise des Prätendenten dessen Hauptagent in England. Im I. 1834 wurde er von der con-stitutionellen Regierung Spaniens nach Madrid vor Gericht geladen, und da er nicht er-schien, 1837 in contumsci-tin zum Tode verurtheilt. Als er 1836 mit den Geldbeiträgender engl. Toryaristokratie für Don Carlos zu dem Letztem sich zu begeben beabsichtigte, warder am 16. Apr. zu Cavaignac bei Bordeaux verhaftet und von der franz. Regierung mit einemPaffe nach Frankfurt ausgewiesen. Von hier begab er sich über Holland zur See in die baski-schen Provinzen, wo er bald das Haupt des Ministeriums des Prätendenten ward. Trotz seinerentschieden apostolisch-absolutistischen Gesinnung war er der fanatischen Partei im Haupt-quartiere doch noch nicht entschieden genug. Er fiel bei Don Carlos nicht nur in Ungnade,er ward sogar verhaftet, doch bald wieder losgelaffen und ihm das Justizministerium über-tragen, das er einige Zeit verwaltete. Am 2». Oct. 1838 vollzog er die Trauung des Prä-tendenten mit der Prinzessin von Beira. Als der Versuch, Maroto (s. d.) zu stürzen,mislang, wurde er im Febr. 1839 riebst den übrigen Häuptern der Camarilla verbannt undging nach Frankreich. Er starb im Lazzo bei Turin 1844.
Abbas , Vaterbruder des Mohammed und eifriger Beförderer seiner Lehre, gestorben652, ist der Stammvater der Abbassiden, welche von 752—1258 als Khalifen (s. d.)zu Bagdad herrschten, und in ihren Nachkommen noch jetzt in der Türkei und Indien fort-leben. — Die A b b a ss i d e n in Persien stammen aus dem angeblich vom Khalifen Ali ab-stammenden Geschlechte der Ssofi, welches 1500 in Persien die Herrschaft an sich riß und1736 erlosch. Der bedeutendste unter den pers. Abbassiden war Abbas l. oder der Große,der 1586 zur Regierung gelangte und 1628 starb. Seine ganze Regierungszeit füllten fastunaufhörlich Kriege.
Abbas Mirza, Thronerbe,von Persien, gest. 1833, der Sohn des 1834 ver-storbenen Schah von Persien, ^eth Äli, war ums I. 1785 geboren. Die Zuneigung seinesVaters und der Umstand, daß seine Mutter aus dem regierenden Geschlechte der Khad-scharen stammte, bewirkten, daß er mit Übergehung seines ältern Bruders, der 1820 starb,vom Vater zum Thronfolger bestimmt ward. Er war ein Mann von vielen Talenten, vonAnmuth und Würde und gewinnendem ritterlichen Wesen; doch scheint ihm Entschiedenheitdes Charakters und der richtige praktische Blick gefehlt zu haben. Besondere Vorliebe zeigteer für europäische Bildung. Zum Gouverneur von Azerbeidschan ernannt, arbeitete er ausallen Kräften dahin, dieselbe hier heimisch zu machen und vor Allem das Heer nach europäi-schem Muster zu reformiren, wobei ihn vorzüglich Engländer unterstützten. Doch der Er-folg sollte diese Bestrebungen nicht krönen. Schon in den Kriegen von 1803 und 1813gegen Rußland, in welchen er befehligte, war er unglücklich gewesen. Durch den Vertragvon Gulistan imJ. 1814, in welchem Rußland demjenigen pers. Prinzen die Nachfolgegarantirte, welchen der alte Schah dazu ernennen würde, kam er in eine gewisse Abhängig-keit zu Rußland. Dies sowol wie seine Vorliebe für die Engländer machten ihn immer ab-geneigter gegen Rußland, bis er es endlich zwischen seinem Vater und Rußland 1826 zumKriege gebracht hatte. Doch dieser hatte für Persien einen sehr unglücklichen Ausgang;nachdem die Russen in kürzester Zeit sich zu Herren von ganz Armenien gemacht und am25. Oct. 1827 Tauris, die Residenz des Prinzen, besetzt hatten, mußte es in dem Friedenvon Turkmantschai, am 27. Febr. 1828, sich zu den größten Opfern bequemen. Nach derErmordung der russ. Gesandtschaft durch das fanatische Volk zu Teheran im I. 1829 be-gab sich A. im Aufträge seines Vaters nach Petersburg, um die Rache der russ. Regierungabzuwenden und gleichsam als Geisel zu dienen. ,Vom Kaiser wohlwollend aufgenom-