Drittes Cnpitel.
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macht nielir den Eindruck einer festgegliederten Dogmatik oder einesphilosophischen Systemes als einer Volksreligiou. Es scheint unsdemnach dass der Gang der Religion der Eränier ebenso wie der ih-res Epos von dem der übrigen Völker sich unterscheide. Das erani-sehe Epos ist nicht aus einzelnen Volksliedern zusammengeflossen,sondern der einzige Firdosi hat die alten Sagen in sich aufgenommenund mit kräftiger Hand zu einem Ganzen verarbeitet. Ebenso schei-nen aucli die religiösen Vorstellungen der Eränier, wie sie sich imLaufe der Jahrhunderte gebildet hatten, von dem Genius eines ein-zigen Mannes in ein System gebracht worden zu sein.
Die erste Frage die sich uns aufdrängt ist: wie alt ist diesesmerkwürdige System? Wir wissen darauf keine bestimmte Antwortzu geben. Nur so viel vermögen wir zu sagen, dass dasselbe sohoch hinaufreicht als unsere Kennlniss vom eränischen Allerlhumeüberhaupt. Die Keilinschriften der Achämeniden enthalten zwarkeine vollständige Darstellung der eränischen Religion zu ihrer Zeit,aber Alles was sie davon berichten ist mit dem Avesta leicht verein-bar und zeigt dass das System im Ganzen und Grossen dasselbe war,mögen auch einzelne Abweichungen vorhanden gewesen sein. Wennnicht etwa noch die assyrischen und babylonischen Inschriften künf-tighin Aufklärungen über die Entwicklung der eränischen Religiongewähren, so dürften alle historischen Zeugnisse für immer verlorensein. Wir sind auf jeden Fall vor der Hand darauf beschränkt zuuntersuchen ob sich nicht innerhalb des Systems selbst noch Nähtefinden lassen durch welche Verschiedenartiges verbunden ist. Wirkönnen dann auch durch Vergleichung mit den verwandten Religions-systemen der indogermanischen Völker, namentlich der Inder, dieursprünglichere Form der eränischen Religion zu ermitteln suchen.Die erste dieser Methoden führt uns nicht über Erän hinaus, diezw'eite dagegen in eine ferne, vorgeschichtliche Zeit zurück.
Niemand, der die obige Skizze des eränischen Religionssystemsgelesen hat, wird die Versicherung Herodots mehr auffallend finden,dass die Perser sich keine Bildnisse von ihren Göttern machen. Esdürfte auch in der That einem Künstler schwer werden, aus den we-nigen materiellen Anschauungen die von den meisten Genien gegebenwerden, irgend ein charakteristisches Bild zu formen. So weitläufigz. B. Ahura-Mazda in dem Yast geschildert wird der seinen Namenträgt, sogehören doch alle die Eigenschaften die ihm zugeschrieben wer-den mehr indie Dogmatik als in dieMythologie. Wie mit Ahura-Mazda