182 ^
endlich Entkommene schwur, keinen groben Bielefelder in dieHölle einkehren zu lassen.
Großartig war der Fortschritt, der mit dem 19. Jahr-hundert begann. Wenn wir heute auf das erste Viertel desselbenzurückschauen, so können nur uns kaum denke», daß jene Männermit den Zöpfen, Haarbeuteln, Kniehosen und dem Dreispitz undjene Frauen mit den großen gestärkten Flügelhauben und dengeblümten Zitzmänteln unsere nächsten Ahnen gewesen sind. EinGott und ein Rock war damals die Losung und heute? Festund dauerhaft wie die Menschen war die Bekleidung, insbeson-dere der Mantel mit seinen Doppelkrägen. Nach dieser Seitehin ist es offenbar nicht besser geworden, wohl aber in andererHinsicht. Welche Qual und Unruhe entstand im Hause, wenndas Feuerzeug, wenn Stein und Schwamm versagten! Eineglimmende Kohle vom Nachbar geholt, konnte dann allein aus-nnd dem harrenden Vater und de» Schülern zum Kaffee ver-helfen.
Zwar war das 1828 von Doebereiner erfundene Vlatin-feuerzeug ein Fortschritt, aber ein zu kostspieliger; endlich kamendie Kali-Tunkhölzchen und zuletzt unsere ,Schwefelstickeick, wie sieim Navensbergischen genannt werden.
Die ersten Cigarren tauchten um 1832 ans, die Stahl-federn ein Jahr später, doch waren beide für den gemeinenAlaun noch zu teuer; dann begann die umgestaltende Herrschaftdes Dampfes und heute, da eine zweite Bahn durch das Ra-veusbergische gelegt ist, wird manche Eigentümlichkeit unsererGrafschaft »lehr und mehr dahinsinken, so daß nach einein Jahr-hundert vieles dem dann lebenden Geschlechte seltsam erscheinenmuß.
Es ist, und damit wollen wir diesen Abschnitt schließe»,vielfach die Frage erörtert: War eS in alten Zeiten besser alsheute? Die Antworten sind so ausgefallen, daß sich zivei Heerlagergegenüber stehn. Das eine redet von den guten alten Zeiten,das andere von den Greuel des Mittelalters, von der Leibeigen-schaft und der Hexenverfolgung. Jakob Grimm wendet sich inseiner Vorrede zu den „deutschen Rechtsaltertümern" besonders ge-gen das letztere. „Wer, ohne empört zu sein," ruft er ans,„kann Adelungs Schilderung der ältesten Deutschen lesen? AnSallen einzelnen Lastern, deren die Geschichtsschreiber erwähnen,entwirft er ein Bild des Ganzen, eben als wollte man aus denCriminalfällen heutiger Zeitungen auf unsere Verworfenheitüberhaupt schließen. Nicht besser verfahren gelehrte Urteiler desMittelalters; was hilft es, daß nun die Gedichte heransgege-