suchst Du eS nicht, das göttliche Leben des Heilands, wie cs Dichin Deiner Brust anspricht, in seiner tiefe», symbolischen Bedeutsam-keit in herrlicher Poesie zu verkünden? Auch einzelne Szenen um-fassen schon das ganze Leben der neuen Zeit. Die Heilung derDämonischen, die Ausbrüche der Dämonen! Eine poetisch religiöseCharakteristik des ethischen Werdens der neuen Zeit! Das möchte icheinst von Dir hören, ein Werk würdig Deines Sinnes, wenn ich,wie es in der Religion mir scheint, spreche; — wie und ob es inder Kunst, wenn sie in ihrer eigenen Sprache die Religion ver-kündet, — weiß ich Unkünstlerischer nicht. In der Religion deSKreuzeS ist der Satan selbst ein Diener GotteS, er soll die Gutenprüfen, bald im Fleische sitzend, bald im Geiste, daß sie an ihmverherrlichen die Herrlichkeit Gottes; die Guten, die mit Gott sind,lachen über ihn, für sie ist er nicht, er ist nur, um die Menschendahin zu bringen, daß sie einsehen, er ist nicht; — durch das Weinensollen sie lachen lernen. Das Märchen von den beiden Weisen deralten Zeit, deren einer über alles lachte, der andere über allesweinte, spricht recht aus die beiden Pole der alten Zeit; Komödie —Tragödie, Aristophanes — Aeschylos. Unaufhörlich lacht ihr Lebenin ungebundenem Scherz. Die frohe Jugend aber, was so unge-bunden alle anderen Formen zerstören will, vernichtet am Ende auchsich selbst; stürmender Scherz und stürmender Ernst, beide vergäng-lich. Das Lachen der Jugend, frischer Naturkraft Erzeugnis;, hinmit der Jugend! Weinen mußte das Alterthum, damit der kommenkönne, der Aller Thränen trocknet und zurückführt die ewig sichreHeiterkeit der heiligen Gesinnung, nicht in stürmendem Scherz, nochin finstrem Ernste, beide versöhnt; Tragikomödie, die Andacht zumKreuze von Calderon, als Bild der christlichen Zeit. In der altenZeit zuerst das Fatum, als äußere Universalität, in die alles Indivi-duelle sich verliert und vergißt, das Bild desselben das mythischeLeben in der Poesie und das gemeinsame in der Republik, demPatriotismus, Alles in der Masse nur und im Ganzen. Das In-dividuum bemerkt sich und nun Entzweiung und ethischer Kampf,das Individuelle sich mit Riesenstärke setzend gegenüber der gebieten-den Universalität des Fatums, Tragödie — die starke Stoa, die
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