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Herzlichen Dank für Deinen lieben Brief. Ich habe Dir schonoft im Geiste geantwortet und ich brauchte nur die Antwort stehendzu machen, um sie Dir zu überbringen. Aber grade wo man ammeisten in Einem ist und lebt, ist man am wenigsten ja geneigt,dies außer sich zu setzen. Es ist die schöne Herrlichkeit, wo Alles,was der Mensch ergreift und was ihn ergreift, eins ist, Gedanke,Gefühl, Anschauung. Wie muß es ihn nun ängstigen, daß er das,was in ihm zugleich ist und nur dadurch wahrhaft ist, neben ein-ander hinstellen soll! Kein Wunder, wenn er dann erst sein Wesenin das Nebeneinander und Nacheinander einzubilden sich bequemt,wann er aus dem Paradiese des Zugleich schon herausgefallen ist.So hat jeder Brief blos Bedeutung und Werth, insofern er daS,obgleich nur dunkle, Abbild jenes Urbriefs ist, der in der noch unge-theilten Kraft unsers eigensten Wesens einwohnt und eine eigeneSeite desselben ausmacht, an das Wesen gerichtet, das uns ergriffenhat. In den einzelnen Erscheinungen des Nacheinander den Ge-danken und Geist der Gottheit erkennen, dazu gehört ja dieselbeKraft, die in dem Brief den Freund versteht und erkennt. Doch sowenig als wir in dem großen und herrlichen Briefe der Natur denGeist erkennen werden, aus dem er geflossen, wenn wir nicht in unsselbst den Schlüssel haben, wenn wir nicht die Gottheit schon aus deminnerstem Grunde unsers Wesens erkannt haben und in ihr und mit ihrsind und lebe», so daß, was in der äußern Andeutung nur begon-nen scheint, in uns sich fortsetzt und zu einer langen Antwort inunserm eigenthümlichen Wesen wird, so können wir den Freund inBriefen nicht ahnden, wenn wir ihn nicht schon längst erkannthaben; nicht sein fleischliches Ich, sondern sein wahres ursprünglichesLeben als ein integranter Theil unsers Lebens unser Leben selbst ist,und der Brief daher uns aus uns selbst geschrieben scheint; wir dasBuchstabenwesen, das Nacheinander vernichten und das Zugleich, wasdarin angedeutet war, zu unserm eignen Zugleich, die Frage zurAntwort, das Symbol zum Symbolisirten umwandeln. Also wer