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zu können, ohne dadurch Anstoß zu erregen, und er wäre auch wohlder Mann gewesen dies auszuführen, hätte er auf dem Lande stattin einer volkreichen Stadt gewohnt. In unsrer Kleidung überhaupt,in der Einrichtung unsrer Wohnungen, in allen unseren geselligenFormen, erblickte er nur lästige Fesseln, und sehnte sich in früherenJahren, wo die Reiseeindrücke noch frisch waren, oft zurück nachseinem Lieblingseilande Radack, wo er mit seinen geliebten Insula-nern gelebt hatte wie ein Eingeborner. Die Wahl der Stoffe zuseinen erzählenden Gedichten legt gleichermaßen Zeugniß ab einerVorliebe für eine Welt, die nicht unsere europäisch - civilisirte ist.Das wußte Hitzig wohl, wenn er., der immer Beauftragte für Ma-terial zu sorgen, ihm aus dem, was ihm bei der Redaktion seinerkriminalistischen Zeitschriften, oder bei Zeitungs- und Jonrnal-Lektürean poetischen Motiven aufstieß, aus Corsica, Spanien, überhauptaus Ländern zutrug, wo es noch rohe Tugend und rohes Laster giebt.Aus diesem Verkehr der beiden Freunde erklärt sich äußerlich, waSso oft an Chamisso als Dichter getadelt wurde, das geflissentlicheSuchen nach dem Abnormen. Er suchte nicht, es wurde ihm ge-bracht, freilich nur darum gebracht, weil der Freund darauf rechnendurfte, daß ihm grade solches willkommen war und daß der Auf-trag für ihn etwas zu suchen nichts anders bedeutete, als dergleichenzu suchen. Es war ein seltsamer Verkehr der beiden alten Männer,dieser poetische Stoffverkehr. Chamisso, vorbeigehend an dem Fensterdes Parterre wohnenden Hitzig, klopfte ihn gewöhnlich vom Schreib-tisch und den Akten aus, mit den Worten: „Vater Ede, gieb Stoff,ich bin abgebrannt." Und dann erzählte Hitzig, was er wußte.Selten, ohne bald das Mitgetheilte in herrlichen Versen wieder zu ver-nehmen; fast nie ereignete es sich, daß Chamisso das Mitgetheilte nichtüberhaupt ansprechend fand. Oft dagegen kam der Fall vor, daßer sehr davon ergriffen war, aber hinzufügte: „schön, schön, abernicht für mich." Jüngere Dichter, z. B. Gaudy, Kugler, waren je-zuweilen Zeugen solcher Unterredungen und nahmen auf, was Cha-misso liegen ließ; namentlich verdanken einige von Gaudy's sehrhübschen Gedichten solchen Chamisso'schen Zurückweisungen ihrenUrsprung.