Druckschrift 
6 (1864)
Entstehung
Seite
262
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War Chamisso nun fertig mit der Bearbeitung eines Stücks,so wurde es sogleich Hitzig gebracht oder geschickt, um es durchzulesen,auf die Richtigkeit des Nusdrucks u. s. w., zunächst aber darauf:ob es auch herauskomme?" Dieser Lieblingsausdruck Chamiffo'sist ganz bezeichnend für den Mangel, den er in der Regel an seinenProduktionen fand, daß sie nicht klar genug seien.Es kommt her-aus", d. h. es ist klar, war für ihn das höchste Lob, und die Eigen-schaft eines Gedichts, Laß es leicht verständlich, machte ihn, den sonstso feinen Kenner, oft blind dagegen, daß es diese Tugend der Leicht-verständlichkeit eben dem Umstande verdanke, daß es eben kein echtesGedicht war. Wir hatten uns allerdings in unserer Jugend alsEpigonen der romantischen Schule vielfältig in hohlen Redensartenergangen, was Chamisso schlechtwegsonettisch schreiben" nannte,und der Widerwille gegen dies Treiben, das uns in reiferen Jahrenin seiner vollen Nichtigkeit erschien*), hatte bei Chamisso die Gestaltangenommen, von welcher wir berichteten.

Abermals möge eine Anekdote aus dem Verkehr mit dem ver-trauten Freunde dies erläutern.

F. A. v. Stägemann sandte zu Anfang 1836, nachdem er, daseine Gemahlin gestorben war, die herrlichenErinnerungen anElisabeth" hatte drucken lassen, welche einen Theil der Sonetteenthalten, die er im Laufe von 50 Jahren, erst an die Geliebte,dann an die Gattin gerichtet, ein Exemplar des Buchs, nächst andern

*) Noch in seinem letzten Lebensjahre schrieb er an Gustav Schwab:

Wir pflegten in unserer Strcbczeit scherzweise neben der deutschen aucheine soncttischc Sprache anzunchmcn.Die Kinderkcrzen",der Arme Stricke",der Licderpfeilc Labung" u. s. f.; vor allen Dingen aber dasmuß"will"mag" um mit dem Infinitiv zu reimen.

Seitdem sind wir Gottlob dazu gekommen, mit der lieben deutschen Sprachein Sonetten und Terzinen auszureichcn. Aber liegt nicht ein Theil unsres Ge-heimnisses darin, daß wir das Joch der italienischen weiblichen Reime abge-schüttelt haben? Ich Wunsche uns Glück dazu, daß wir eS gcthan haben. Ichwerde mir nie in diesem Sylbenmaaße die freie gesetzlose Abwechselung dermännlichen und weiblichen Reime abschwatzen lassen. Das giebt uns gar köst-liche Farben auf unsere Palette; in der Regel ist die gefällige Sprache für unswitzig, schlägt mit harten männlichen Reimen darein, wo es trefflich frommt,und zerschmilzt von selbst in weibliche, wo es am besten angebracht."