Druckschrift 
6 (1864)
Entstehung
Seite
258
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um seiner selbst willen gerichtet war, ein kerngesunder Mensch vonnobelster Gesinnung, war Adelbert von Chamisso; und fügen wirhinzu, was unsre Leser nun schon aus seinen Briefen ersehen haben,ein Freund ohne Gleichen, so haben wir das Bild einer Persönlich-keit, die unser höchstes Interesse in Anspruch nehmen würde, hätteder Mann, der alle jene seltenen Eigenschaften in sich vereinigte,auch nie eine Zeile in Prosa geschrieben, keinen Vers gedichtet.

Und dennoch hatte dieser Engel von einem Menschen Feindenein, das wäre zU viel gesagt aber in allen Lebensperioden mitsolchen zu kämpfen, die ihn nicht mochten, die er abstieß, die ihnzu mißhandeln eine Freude fanden, wie denn aus demjenigen, waser in den Reiseberichten, dem Peter Schlemihl und in manchen seinerGedichte an Aussagen über sich eingewebt hat, Klagen hierüber nichtundeutlich herausschallen. Daß dies so war, ja mehr als dies, daßer selbst seinen wohlmeinendsten Freunden Aergerniß geben konnte,dient nicht dazu, dem Preis, den wir uns eben dem Freunde zuzu-gestehen gedrungen gefühlt, etwas abzudingen, vielmehr jenes Lob zubestätigen. Welches ist das sicherste Mittel der Welt zu gefallen?Gewiß die Fähigkeit, sich in geselligem Verkehr ihr mit freundlichemGesicht zu akkommodiren, in klugem Wechsel laut zuzustimmen, woGleichheit der Ansicht, und zu schweigen, wo Verschiedenheit obwal-tet. Beides war aber nicht die Sache Chamisso's. Dem Wort-kargen floß selten eine beifällige Phrase von den Lippen; mißfielihm aber die Neußerung eines Dritten, auch wenn dessen Rede kei-neswegs an ihn gerichtet war, so vermochte er es wohl ausnahms-weise über sich, zu schweigen; aber er schnitt dazu Gesichter oderstieß Töne des Unbehagens aus, die dem Sprechenden keinen Zwei-fel darüber ließen, was in seiner Seele vorging; eben so wenn eretwas wußte, was einem Andern unbekannt war, ein solcher ihnfragte und es schien ihm, als dürfe man dergleichen billigerweisenicht ignoriren, so antwortete er ganz unbefangen:das weiß jajedes Kind", oder etwas Aehnliches. Dazu kam eine ihm eigen-thümliche Neigung zum Widerspruch, deren er sich selbst wohl be-wußt war (män sehe sein Bekenntniß hierüber gegen Frau von Staelin der 2. Beilage zu diesem Band) und die Schwerfälligkeit seiner