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6 (1864)
Entstehung
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und mich erschrecken Töne, Worte, Bilder aus meiner frühesten Kind-heit, die mir unversehens aufgehen mit aller Bestimmtheit der Gegen-wart, und ich träume nur vom Schlosse Boncourt und dem Regi-ment von Götze, kaum einmal von meiner Frau, kaum von meinenKindern, denen ich doch lebe. Ich gestehe, daß das Wohlwollen, dasich allseitig erfahre und dankbar anzuerkennen weiß, meinen Abenderhellt und erwärmt, aber ich fühle wohl, daß es Abend ist.Was sollt' ich die Welt nicht lieben, wo ich mich geliebt weiß, unddennoch, dennoch ist es mir sehr, als hätte ich für mich selber nichtsBesseres zu thun, als abzutrcten, und als könnt' ich mich freuen,wenn die Glocke zu meinem Heimgang läutete.Der Tod? derTod? das Wort erschreckt mich nicht, doch Hab' ich im Gemüth ihnnicht erfaßt und noch ihm nicht geschaut ins Angesicht"* *). Viel-leicht wird es auf dem Schmerzensbette anders sein, und Schreckenmich erfassen, die zur Zeit mir fremd sind. Wir werden alt, wirGleichzeitigen. Neumann ist uns vorangegangen; und Hitzig, Varn-hagen, ich, Du, wir sind verwaist. Du solltest Deine Tochterbei Deiner Mutter auf eine Zeit lassen und uns hier wieder be-suchen nimm es in Erwägung, suche es möglich zu machen, der Aufenthalt soll Dir wenig kosten, ich kann Dir ein Ab-steigequartier anbieten, und Du bist auf eine Zeit Mitglied meinerFamilie. An mir hat sich die Prognose der Doktoren bewährt.Ich bin alt und Invalide nichts mehr, nichts weniger, aber wieich schon vier Jahre mit meinem Geschwüre in der Brust lebe, kannich eben auch noch vier und mehrere Jahre leben es ist keineSünde, aber schön ist es auch nicht. Lieber Freund, wenn Dunicht reisest, nimm ein wissenschaftliches Werk vor und arbeite. An-gestrengte Geistesarbeit, die unsere Seele auf äußeres Sächlichesheftet, das ist die bewährteste Ableitung. Ich habe es gebrauchtund gut erprüft, zu einer Zeit, wo mir ein Kind krank lag, das ich

Tagen reise ich zu meiner Mutter; wenn ich mein Kind nicht hätte, so hätteich eine längere Reise unternommen. Schreibe mir bald, lieber Freund, wärenes nur wenige Zeilen. Ein Andenken von Dir, das ist das Einzige, was ichmir nun wünsche."

*1 Die letzten Sonette, L.