Druckschrift 
6 (1864)
Entstehung
Seite
85
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O dürft' ich dir den alten Namen geben!

Ich trete vor, ich werbe, wohl bewußt,

Wie unwerth ich den Preis davon zu tragen

Nicht dennoch wird's dein süßer Mund versagen.

Aus Schimpf wird Ernst dich faßt der Ernst des Lebens,Du bist nun wirklich meine holde Braut.

Ich bin am festen Ziele schwanken Strebens,

Du bist mein Weib, du bist mir angetraut.

Ich habe nicht gehofft, gestrebt vergebens,

Mir blühen Weib und Kind so hold und traut.

Kind, Braut, Weib, Mutter, Alles mir im Einen,

Laß mich an deiner Brust vor Freude weinen.*)

Auch durch seine amtliche Stellung fühlte Chamisso sich be-friedigt; zwar fand er im botanischen Garten nicht ausreichendeBeschäftigung, aber er gewann eben dadurch Zeit zu verschiedenenwissenschaftlichen Arbeiten, die er in den Jahren 1820 bis 1822vollendete, und zur Vorbereitung der Herausgabe seiner mitgebrachtenPflanzenschätze. In den Mußestunden beschäftigte er sich unter An-dern! mit dem Isländischen.

Vor Allem aber trug zur Erhöhung seines Glückes die Liebeder Familie seiner Frau bei und der Umgang mit alten und neuenFreunden. Denn wenn er auch Vor- und Gesellschaftszimmer mied,so blieb er doch fortwährend im Verkehr mit den alten bewährtenFreunden, welche er in Berlin wiedergefunden, sowie mit Fouque,der ihn öfter besuchte und seine poetischen Grüße zu erwidern nieversäumte, und niit mehreren wackern Wissenschaftsgenoffen und Mit-strebenden, namentlich mit seinen Lehrern Lichtenstcin, Weiß, Erman,Horkel, die seine Freunde geworden, ferner mit Klug, Ehrcnberg,Poggendorf u. a., besonders aber mit F. L. Schlechtendal, der, sein

»1 Aus einer durch dieses Mdicht vcranlaßten Aeußerung Autoilicns entstanddas Gedicht:Zur Antwort", in der Samml. der Gedichte Bd. 1. S. 72