Druckschrift 
6 (1864)
Entstehung
Seite
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Kollege am Herbarium, gleichsam zur Familie gehörte. Unter dieZahl seiner nächsten Freunde rechnete Chamisso auch zwei, die nurvorübergehend in persönliche Berührung mit ihm kamen, aber sichsogleich wohl und heimisch in seinem Hause fühlten, den Natur-forscher und Dichter vr. K. B. von Trinius (damals Leibarzt derHerzogin von Würtemberg, später russischer Staatsrath), welcher zuAnfang des Jahres 1821 , und den ausgezeichneten NaturforscherI. August Schuttes, welcher im Herbst desselben Jahres sich mitseinem Sohne eine kurze Zeit in Berlin aufhielt.So lang ichlebe", schreibt Schuttes an Chamisso,werden mir die Stunden injenem Hause in Schöneberg, wo außen und innen Engel sind, un-vergeßlich sein. Tabu*) allein Unglück, das sich's einfallen lastenkönnte, in Ihrem Hause einkshren zu wollen."Daß wir unsfanden", heißt es in einem später» Brief,gehört zu dem Glückemeines Lebens, das nicht freigebig in seinen Spenden gegen michwar. Ich danke Ihnen aufs herzlichste für das mir ertheilte Bür-gerrecht in Schöneberg, das mir weither ist als ein Sitz in derPairSkammer oder im Parlamente. Lieber wollte ich eine der stei-nernen Figuren vor ihrem Hause sein, au denen unser Ernst, derliebe Junge, die Pfeifen des Herrn Papa nach Herzenslust zerschla-gen könnte. Am Ende müßt' ich denn doch über den guten Jungenlachen, wenn ich auch von Stein wäre." Gleichen Eindruck hatteChamisso'S Wese» und Leben auf Trinius gemacht:Es hat mich

seit Ihrem Häuschen ein eigner Geist, schmerzlich und lieb, bezogen,und ich möchte unter den Halmen meiner Gräser**) wie eine Gras-mücke wohnen, wenn'S und das nicht als Nachtigall, sein kann. Esist eigen, wie von ganz Berlin Ihr Schöneberg mir am nächstengeblieben. Daß Sie mich als einen Ihres HauseS ansehen,ist gerade recht, denn ich bi» eS, und solches Erkennen ist'S, was

*) Chamisso bediente sich oft dieses Ausdrucks im häuslichen Kreise undhatte namentlich seine Stube und alle in ihr befindlichen Bücher, Papiere rc.nirTabu" erklärt (vgl. Bd. 4. S. 236).

**) Trinius beschäftigte sich bekanntlich vorzugsweise mit Agrostographieund hatte auch die Klassifizirung und Beschreibung der von Chamisso mitge-brachten Gräser übernommen.