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VORWORT UND WIDMUNG.
unserer redegewaltigen, von parlamentarischen Kämpfen durch-wogten Zeit entgegenkommt: dafs auch in ihr, wie in den Redenunserer nicht nach dem Beifall eines blinden Pöbels haschen-den Redner — nicht alle denken leider so — die Fakta, dieEreignisse das Ausschlaggebende sein sollen und dafs dieWorte nicht mit dem kalten Verstand erdichtet und ergrübelt,sondern mit dem warmen Herzblut der Überzeugung gefärbtsind. Die Worte waren, verglichen mit den zur Prüfung dar-gestellten politischen Ereignissen seines Lebens, auch für De-mosthenes, wie für die modernen Redner, nur ein übriges, wasdie Athener wohl angehört, aber nicht mit Erfolg gekrönt habenwürden, wäre es dem Inhalte nach Athens unwürdig gewesen.Aber auch dieses 'übrige’, diese Worte, diese sprachliche Dar-stellung mufste Athens würdig sein. Es galt die gesunden Kernein schönen Schalen zu zeigen, es galt für die Thaten, die tiefenLebenswahrheiten auch eine würdige Form zu finden, auf derder Verstand mit dem gleichen Wohlgefallen ruhen konnte, wiedas Auge an den Statuen aus Marmor. Möge die deutsche Jugendin Demosthenes zunächst und vor allen die Hoheit der Gesin-nung zu erkennen und zu würdigen lernen, dann ihm aberauch in der Einkleidung des Gedankens nacheifern!
Wenn ich nun dieser Ausgabe, die um schonende Beurtei-lung zu bitten hat, Ihren in der Philologie so anerkannten Namenvorsetze, so gab der freudige Tag Ihres Jubiläums nicht die ein-zige Veranlassung dazu. Auf den Meister der freien Rede, dengeistreichen Erklärer nach den Grundsätzen dieser Sammlung,den eleganten Übersetzer des für Demosthenes wichtigstenBuches Ciceros leitete schon an sich Inhalt und Anlage der vor-liegenden Schrift.
Hirschberg, April 1885 .
Emil Rosenlberg